Ernstfall geprobt
Was, wenn die Weissenstein-Gondeli stecken bleiben?

Feuerwehrleute und Bergretter des Schweizer Alpen Clubs Weissenstein führten am Wochenende am Berg eine Szenarioübung durch: «Was wäre, wenn die Passagiere auf halber Fahrt steckenblieben?»

Andreas Kaufmann
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Bereit für die Rettungsübung
9 Bilder
Katastrophentag bei der Weissenstein-Gondelbahn
Rettungskräfte versammeln sich unter der Bahn
Rettung kurz vor der Mittelstation
Rettung naht
Ein Rollstuhlfahrer wird aus einer Gondel abgeseilt
Sicher unten angekommen

Bereit für die Rettungsübung

Alain Stouder

Dass die Elektrizität auch an Orten ausfällt, wo man es am wenigsten erwartet und braucht, ist spätestens seit den Stromunterbrüchen im «Schachen»-Gefängnis bekannt. Auf dem Hintergrund solcher oder ähnlicher ungemütlicher Szenarien wurde am Wochenende am Berg eine Übung durchgeführt. Was wäre, wenn die nigelnagelneue Weissenstein-Bahn, die ab 20. Dezember in Betrieb geht, einen Defekt hätte und seine Passagiere in der Luft hängen blieben?

Dann nämlich kämen mit grosser Wahrscheinlichkeit die Bergretter des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), Sektion Weissenstein, sowie die Feuerwehr zum Zug. «Wir haben die Evakuation der Gondeln in unserer Übung erprobt», bestätigt der Leiter der örtlichen SAC-Rettungsgruppe Philipp Biberstein. Und beim Beüben liess man auch die anspruchsvolle Aufgabe nicht aussen vor, Rollstuhlfahrer zu retten.

Zusammenarbeit von Feuerwehr und SAC

Konkret werden die Gondeln im Ernstfall von verschiedenen Punkten aus mithilfe spezieller Rollen über die beiden Drahtseile erreicht. Diese Rollen, an denen die Bergretter talwärts fahren, lassen sich nötigenfalls auch bremsen, gerade dann, wenn sich der Bergretter den Kabinen nähert. Die Passagiere werden anschliessend über Gurtvorrichtungen direkt vor Ort abgeseilt. Am Hang werden sie von Feuerwehrleuten in Empfang genommen und Richtung Strasse gebracht.

Wie Peter Lukas Meier, Pressesprecher des SAC Weissenstein, auf Anfrage mitteilt, pflege man bezüglich des Evakuationsszenarios einen engen Kontakt zur Seilbahn Weissenstein AG (SWAG). «Unsere Rettungsgruppe käme beispielsweise zum Einsatz, wenn die Rettungsflugwacht (Rega) wegen Schlechtwetter keinen Zugang finden würde.» Biberstein ergänzt, dass die Rega ihre Einsätze zudem auch nach Dringlichkeit planen müsse: «Und die ist bei Verletzten natürlich höher als bei Menschen, die lediglich evakuiert werden müssen.»

Breites Einsatzgebiet

30 Leute zählt die Rettungsgruppe des SAC Weissenstein – mindestens acht Leute braucht es für eine Gondelievakuation. Neben einer allfälligen Bergbahnpanne als neu hinzugekommenes Szenario reicht der Aktionsradius der Truppe aber weiter: «Auch wenn sich Menschen auf einer Wanderung verirren oder wenn sich Gleitschirme verfangen, kommen wir zum Einsatz», sagt Biberstein. «Und im urbanen Raum gehören auch Höhenrettungen zu unserem Fachgebiet.»

Abgesehen davon, dass das Sicherheitsgefühl künftiger Gondelifahrer von der Präventionsarbeit der Fachleute profitiert, kamen am Samstag auch die durch Mundpropaganda gefundenen Figuranten der Übung auf ihre Rechnung: Sie genossen eine Vorpremiere mit der neuen Gondelbahn – bei schönstem Bergwetter.

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