Notfallkonzept
Was tun bei einem KKW-Unfall? Kanton Solothurn passt Notfall-Regime an

Der Kanton Solothurn bereitet sich auf Ernstfall eines KKW-Unfalls vor. Vor allem erweiterte Evakuierungszonen und -massnahmen sind vorgesehen. Im September findet eine Notfallübung statt - jedoch noch nicht nach neuem Konzept.

Philipp Felber
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Mit einer Stilllegung des KKW Gösgen ist in nächster Zeit nicht zu rechnen - die neuen Notfallmassnahmen werden vorsorglich umgesetzt.

Mit einer Stilllegung des KKW Gösgen ist in nächster Zeit nicht zu rechnen - die neuen Notfallmassnahmen werden vorsorglich umgesetzt.

Aargauer Zeitung

Im Nachgang zum Kernkraftwerk-Unfall in Fukushima im Jahre 2011 überarbeitete der Bund das bestehende Notfallschutzkonzept (NFSK) von 2006. Dabei wurden unter anderem neue Szenarien, geänderte internationale Grundlagen und vor allem ein neues Konzept zur Evakuierung entwickelt. Momentan werden die rechtlichen Grundlagen dafür erarbeitet, Ende 2016 sollen diese feststehen.

Als wichtigste Änderung in diesem Konzept ist neu eine erweiterte Evakuierungszone vorgesehen. So werden nun auch in der Schutzzone 2 (vorher nur in der Schutzzone 1) konkrete Evakuierungsmassnahmen getroffen. Diese sind, laut Diego Ochsner, Leiter des Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz des Kantons Solothurn, auf gutem Weg. «Es ist klar, dass eine solche Änderung im Massnahmekonzept sofort behandelt werden muss», sagt Ochsner.

Neue Abläufe bereits klar

Das angepasste Vorgehen ist bereits definiert und mit den regionalen Führungsstäben durchgespielt worden. Auch sind Orte, an die eine allfällige Evakuierung erfolgen könnte, angedacht. Die Unvorhersehbarkeit eines Unfalls bedingt aber, dass ein Konzept eine gewisse Flexibilität gewährleisten muss. So kann die Schwere eines Unfalls erweiterte Massnahmen zur Folge haben.

Anders als der Kanton Bern, welcher laut Tagesanzeiger die Umsetzung nicht proaktiv umsetzen möchte, bereitet sich der Kanton Solothurn also bereits jetzt konkret auf den angepassten Ernstfall vor. Aufgrund der geplanten Stilllegung des KKW Mühleberg im Jahr 2019 wartet Bern noch zu, bis das Konzept die rechtlichen Hürden übersprungen hat.

«Ein solches Vorgehen ist jedoch nicht sinnvoll, da auch in der Abbauphase Unfälle möglich sind», sagt Ochsner. Mit einer Stilllegung des KKW Gösgen ist in nächster Zeit nicht zu rechnen, was eine schnelle und vorsorgliche Umsetzung der neuen Massnahmen notwendig macht, um die Bevölkerung im Ernstfall zu schützen.

Übung «Perikles» im September

Am 15. September findet in der Region die Notfallübung «Perikles» statt. Dabei kommt noch das alte NFSK zur Anwendung, jedoch bereits unter Einbezug der regionalen Führungsstäbe Olten und Niederamt, was in den bisherigen Übungen noch nicht der Fall war.

Bei der sogenannten Gesamtnotfallübung geht man von einem Szenario aus, bei welchem es im KKW Gösgen zu einem Austritt von radioaktiven Stoffen kommt. Solche Übungen werden alle zwei Jahre mit einem der vier Kernkraftwerke durchgeführt. Dabei wird etwa die Kommunikationsstrategie oder auch die Leitung von Pendlerströmen geübt.

Angepasstes Notfallschutz-Konzept

Nach dem bestehenden Konzept aus dem Jahre 2006 müssen Personen in der Schutzzone 2 in Luftschutzkellern Unterkunft finden. Dies im Falle eines Austritts von einer bestimmten Menge an radioaktivem Material. Man spricht dann von einem Unfall, wohingegen bei einem Störfall (jedes Abweichen vom Normalbetrieb)oder einem Zwischenfall (Austritt beschränkt auf das Gebiet der Anlage) keine Evakuierungsmassnahmen in der Schutzzone 2 vorgesehen sind.
Im neuen Konzept, dass ab Ende 2016 in Kraft sein soll, werden Evakuierungen situativ auch in der Schutzzone 2 vorgenommen, jedoch bleibt der Aufenthalt in einem Luftschutzkeller als Massnahme weiter im Konzept erhalten. Zur Evakuierung ist die Schutzzone 2 in sechs Sektoren unterteilt worden, die je nach Wind- und Wetterlage gesondert geräumt werden.
Man geht davon aus, dass eine Evakuierung der Schutzzone 1 rund sechs Stunden in Anspruch nimmt, in Schutzzone 2 geht man von einer Zeit bis zu 12 Stunden aus. Für spezielle Einrichtungen, wie etwa das Kantonsspital Olten wird mit einer Evakuierungszeit von über 30 Stunden gerechnet. (PhF)

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