Versicherungsstandards wie die Schweiz sie kennt, hat nicht jedes Land. Für ausländischen Besuch kann ein Schadenfall in der Schweiz zu einem Problem werden. Hierzulande gibt es Kranken-, Todesfall-, Auto- und Baby-Versicherung, sowie Tier-, Zahn-, Rechtsschutzversicherung und viele mehr. Heutzutage können sich die Leute fast gegen alle Eventualitäten versichern – und ihren Bello und das Miezi gleich mit dazu.

Bei diversen Versicherungsanbietern gibt es mittlerweile sogar eine sogenannte Gästeversicherung für Privatpersonen. Diese schützt temporären Besuch aus dem Ausland vor Kosten bei Krankheiten oder Unfällen während ihres Aufenthaltes in der Schweiz.

Was aber, wenn dieser Gast nicht selbst zu Schaden kommt, sondern einen Schaden verursacht? Wie zum Beispiel in der Geschichte von K.H.* Dieser machte mit seinem ausländischen Besucher einen Ausflug mit den Velos. Leider war dieser ein wenig ungeschickt und verursachte mit der Lenkstange prompt einen Kratzer an einem parkierten Auto.

Am Abend des gleichen Tages waren K.H. und sein Gast bei Freunden zum Abendessen eingeladen. Es folgte ein weiteres Missgeschick. Der ausländische Besucher brannte mit der Zigarette ein Loch ins Sofa. Da der Versicherungsvertreter von K.H. weiss, dass dieser Nichtraucher ist, konnte der Gastgeber die Schuld nicht auf sich nehmen, sodass es seine Privathaftpflichtversicherung zahlen würde. Denn K.H.s Gast aus dem Ausland besitzt keine solche Versicherung.

Versicherungsschutz fehlt

In manchen aussereuropäischen Ländern gibt es keine Privathaftpflichtversicherung, wie sie die Schweiz kennt – oder sie ist im Ausland nicht gültig. In Deutschland etwa gibt es die sogenannten Incoming-Versicherungen. So bieten deutsche Versicherungsunternehmen, wie der ADAC oder die Versicherungsgruppe HanseMerkur, eine Reise-Krankenversicherung und auch eine Reise-Haftpflichtversicherung für ausländische Gäste an. In der Schweiz gibt es bis jetzt keine Gesellschaft, die solche temporären Haftpflichtversicherungen für ausländische Gäste anbietet.

Wer aber zahlt denn nun den Sachschaden, wenn der Verursacher – K.H.s Gast – die Kosten nicht tragen kann? K.H. als Gastgeber? Oder bleibt der Geschädigte auf seinen Kosten sitzen? «Grundsätzlich kann ein Versicherungsnehmer nicht für das Verhalten seiner Gäste haftbar gemacht werden», sagt Jürg Thalmann, Mediensprecher der Versicherungsgesellschaft Mobiliar, auf Anfrage. Es sei denn, der Gast sei ein Kind, für das der Gastgeber die Aufsichtspflicht hat, und der Schaden ist nachweislich auf eine mangelnde Aufsicht zurückzuführen. In diesem Fall würden die anfallenden Kosten auf die Privathaftpflichtversicherung des Gastgebers zurückfallen.

Nationaler Garantiefonds springt ein

Martin Lorenzon, Ombudsmann Privatversicherung und Suva, sagt dazu: «Es lassen sich nicht sämtliche Risiken des Lebens versichern, insbesondere auch jene nicht, die durch eigene Gäste verursacht werden.» So bleibe letztlich beim Beispiel des Brandfleckfalls der Geschädigte auf den Kosten seines kaputten Sofas sitzen, wenn der ausländische Gast nicht für den Schaden aufkommen könne oder dessen Versicherung die Kosten nicht decke. Zu fordern sei daher nicht, dass schweizerischen Versicherungsgesellschaften auch solche Fälle abdecken sollten, sondern, dass ausländische Privathaftpflicht-Versicherer auch die Deckung im Ausland übernehmen sollten.

Im Falle des Fahrradmissgeschicks kann sich der Geschädigte jedoch an den Nationalen Garantiefonds (NGF) wenden. Dieser deckt Schäden, die in der Schweiz oder in Liechtenstein durch Radfahrer oder andere nicht versicherte Motorfahrzeuge verursacht wurden. Aber nur wenn die Kosten weder vom Schädiger noch von einer Haftpflichtversicherung übernommen werden. «Der Nationale Garantiefonds ist eine Auffangeinrichtung, die dem Geschädigtenschutz dient», erklärt Daniel Wernli, Managing Director des NGF.

Ist der Verursacher des Schadens unbekannt – zum Beispiel aufgrund von Fahrerflucht – so müsse der Geschädigte mit einem Selbstbehalt von 1000 Franken rechnen. Ist der Schädiger bekannt, falle der Geschädigten-Selbstbehalt weg und der NGF müsse auf den Schadenverursacher Rückgriff nehmen.

«Der NGF ist aber darauf bedacht, dass der zu Belangende durch den Regress nicht in eine wirtschaftliche Notlage gelangt und es wird versucht, soweit möglich eine einvernehmliche Lösung mit dem Verursacher zu finden», sagt Wernli. So würden beispielsweise auch Ratenzahlungen vereinbart. «Die Schuldbetreibung und der Gerichtsweg werden nur in Ausnahmefällen eingeleitet», ergänzt Wernli. So hat der NGF im letzten Jahr fast 7 Millionen Franken für Schadenfälle ausgegeben und fast 4000 neue Schadenfälle angelegt.

* Name der Redaktion bekannt