Tierrettung
Was muss man tun, wenn das Pferd im Güllenloch steckt?

Der Stützpunkt Bern des Grosstier-Rettungsdienstes ist auch für Solothurn und die Westschweiz zuständig. Aktuell sind dort drei Personen für den 24-Stunden-Dienst im Einsatz. «Wir benötigen dringend mehr Leute», sagt Stützpunktleiter Simon Moor.

Irmgard Bayard
Drucken
Teilen
Der Grosstier-Rettungsdienst (GTRD) muss zum Glück eher selten so spektakuläre Einsätze wie diesen leisten

Der Grosstier-Rettungsdienst (GTRD) muss zum Glück eher selten so spektakuläre Einsätze wie diesen leisten

Schweiz am Sonntag

Es kann schon mal vorkommen, dass Simon Moor zur unpassendsten Zeit über die Notrufnummer von der Einsatzzentrale des Grosstier-Rettungsdienstes (GTRD) von Schutz und Rettung Zürich aufgeboten wird. Dann macht er sich zusammen mit einem seiner beiden Kollegen auf den Weg, um zu helfen. «Wenn sich der Einsatzort in der Mitte von zwei Stützpunkten befindet, sprechen wir uns ab», sagt der 37-Jährige.

Den Stützpunkt Bern gibt es seit fünf Jahren

Simon Moor engagiert sich dort seit 2010. «Bei einem Patrouillenritt habe ich ein Infoblatt gelesen und mich daraufhin gemeldet.» Er besitzt selber Pferde. «Erfahrung mit Grosstieren sollte man mitbringen», sagt er zu den Voraussetzungen für ein Engagement beim GTRD. «Zudem muss man flexibel und 24 Stunden erreichbar sein.»

Wie bei der Feuerwehr geht es auch in diesem Milizsystem nur mit einem verständnisvollen Arbeitgeber. Moor beispielsweise arbeitet als Mechaniker. In seiner Freizeit hat er sich zum Grosstier-Rettungssanitäter ausbilden lassen. Der Kurs umfasst 23 Module, in denen technische, medizinische und tierspezifische Kenntnisse vermittelt und geprüft werden. Ein eigentliches Diplom gibt es nicht, da der Beruf bisher noch nicht anerkannt ist.

Die Grosstier-Rettungen sind vielseitig

Die meisten Einsätze sind Transporte in Kliniken und Spitäler, mit denen der GTRD eng zusammenarbeitet. Aber auch Spektakuläres wie die Rettung von Tieren aus Güllenlöchern gehören dazu. «Schonende Bergungen können wir aus praktisch allen Situationen machen, Transporte nur, soweit dies mit unserem Privatfahrzeug möglich ist. Wo eine Ambulanz erforderlich ist, müssen wir zurzeit wegen der fehlenden Finanzen auf die Stützpunkte Aargau oder Zürich zurückgreifen», erklärt Simon Moor die aktuelle Situation. «Bei schweren Koliken kann dies für das Tier fatale Folgen haben.» Aus diesem Grund steht die Mittelbeschaffung ganz oben auf der Prioritätenliste des Stützpunktes Bern.

Die effektiven Kosten für eine Bergung von Grosstieren belaufen sich schnell einmal auf 1000 bis 2000 Franken. «Pferde, Maultiere und Esel sowie Alpakas oder Lamas können günstig versichert werden», sagt Moor. «Da es für die Landwirtschaft aber fast keine ‹bezahlbaren› Versicherungen mehr gibt, unterstützen wir die Bauern bei Bergungen von Rindern aus Jauchegruben und verrechnen nur einen kleinen Pauschalbetrag.» Die GTRD-Mitarbeitenden erhalten einen Einsatzsold ähnlich der Feuerwehr.

Der Grosstier-Rettungsdienst ist wenig bekannt

Im vergangenen Jahr wurden zwölf Einsätze getätigt. «Im Kanton Bern ist die Rettung von Mensch und Tier durch die Feuerwehr geregelt», sagt Christoph Braun, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Langenthal. Ihm ist der GTRD kein Begriff. Der zuständige Feuerwehrinspektor Andreas Hofer bestätigt diese Aussage. «Die Tierrettung gehört zu unserem Auftrag. Wir sind dafür ausgerüstet.» Martin Allemann, Kommandant Feuerwehr und Zivilschutz der Stadt Solothurn, hingegen kennt den GTRD und ist überzeugt, dass eine solche Organisation mit Spezialisten hilfreich ist, vor allem für ländliche Gebiete, wo entsprechende Tiere leben.

Um die Organisation in der Region noch besser zu verankern, stellt Simon Moor die Tätigkeiten mittels Vorträgen und Kursen vor. Denn ein Tier ist seit April 2003 keine Sache mehr, und in der Schweiz ist die Tierschutzgesetzgebung seit September 2008 strenger. «Schon deshalb», betont Simon Moor, «sind professionelle Tierrettungen heute Pflicht.»

Mehr unter: www.gtrd.ch
Notrufnummer: 079 700 70 70.

Aktuelle Nachrichten