Interview

Was Goethe und Fürst gemeinsam haben: 33 Fragen an den abtretenden Landammann

Einer der Höhepunkte: Die Einweihung des Freibads im Sportzentrum Zuchwil mit Landammann Roland Fürst.

Einer der Höhepunkte: Die Einweihung des Freibads im Sportzentrum Zuchwil mit Landammann Roland Fürst.

33 Fragen an den abtretenden Landammann Roland Fürst (CVP) zum Jahr 2019, zur Zeit zwischen den Jahren und zum Ausblick 2020.

Was war für Sie in Ihrem Landammann-Jahr das schönste Erlebnis?

Roland Fürst: Das war nicht ein einzelnes Erlebnis, sondern der Respekt und die Wertschätzung, die einem bei den verschiedenen Besuchen und Auftritten im ganzen Jahr entgegengebracht werden.

Und was war schwierig?

Bei allen Anlässen, die man besucht, den Leuten vor Ort genügend Zeit zu schenken.

Was überwiegt nun: die Erleichterung, dass das Jahr vorbei ist – oder das Bedauern, dass es schon zu Ende ist?

Ich durfte diese Funktion schon zweimal ausüben und es ist nicht nur eine Ehre, sondern auch eine grosse Freude – auch wenn es sehr viel Mehrarbeit ist. Da das Amt zeitlich begrenzt ist, stellt man sich darauf ein, dass es am 31. Dezember endet – und wenn es soweit ist, ist man auch dankbar, die Verantwortung wieder in andere Hände übergeben zu dürfen.

Aus der Erfahrung dieses Jahres: Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin Brigit Wyss?

Dass sie das Amt genauso ausüben soll, wie sie es ausüben wird.

Und wovon raten Sie ihr explizit ab?

Auf meine Ratschläge zu hören.

Das Landammann-Dasein ist ja nicht nur Repräsentation, sondern auch Leitung der Regierungsratssitzung. Mehr Lust oder Frust?

Eindeutig mehr Lust. Es sitzen sich fünf Personen auf Augenhöhe gegenüber. Disziplin wird in aller Regel grossgeschrieben. Das erleichtert die Leitung.

Erinnern Sie sich an einen besonders lustigen Moment mit dem Kollegium?

Die gibt es zum Glück immer wieder. Ein humorloses Gremium ist für mich ein Graus.

Und worum wurde besonders hart gerungen?

Gerungen wird immer. Gegen aussen spricht die Regierung mit einer Stimme. Verständlich, wenn sich jedes Mitglied in dieser Stimme gerne wiedererkennt.

In Goethes Weihnachtsgedicht heisst es:
Aber, Fürst, wenn dir’s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

Hat der Dichter Ihre Stimmung gut erfasst?

Goethe schreibt hier nichts über Frust, sondern von purer Lebenslust.

Darum lässt sich doch nur hoffen,
dass er’s wirklich hat getroffen!
Dass Goethe Fürstens Stimmung ahnt,
Liegt nachgerade auf der Hand:
Goethe war nicht nur Phil-Einer,
er war wie Fürst auch Phil-Zweier.

Hat Weihnachten für Sie mehr einen atmosphärischen oder immer auch noch einen religiösen Gehalt?

Weihnachten als eines der drei Hauptfeste des Kirchenjahres hat für mich selbstverständlich auch einen religiösen Gehalt.

Anschlussfrage: Soll das C in der CVP bleiben oder verschwinden?

Der Parteiname ist nicht entscheidend. Viel entscheidender ist die Art und Weise, wie man politisiert. Dort ist das C in Form von christlichen Werten nach wie vor gefragt.

Das interessiert uns auch: Was machen Sie zwischen Weihnachten und Neujahr?

Ich nehme mir vor, viel zu lesen. Die Bücher liegen bereit. Aber auch, mich viel zu bewegen. Das Bike und die Wanderschuhe sind gefragt. Und schliesslich gehört diese Zeit immer der Familie. Und die freut sich mit mir.

Ist die Zeit zwischen den Jahren eine, die sie geniessen – oder eine, die ihnen lang wird?

Eine, die ich sehr geniesse. Es ist alles etwas ruhiger und ich finde auch etwas Zeit für mich selber.

Gibt es Dinge, die Sie nur in dieser Zeit machen?

Ganz klar: Die Altjahreswoche geniessen! Ich freue mich jeweils auf diese Zeit, weil sie im Verlauf des Jahres wohl die ruhigste ist und Aktivitäten zulässt, die sonst nur wenig Platz haben.

Welche Rolle spielen die Fürstschen Familienhunde bei diesen Plänen?

Auch den Hunden kann ich natürlich mehr Zeit widmen und mit ihnen durch Feld und Wald marschieren.

Ist die geliebte Kamera mit dabei?

Die Kamera ist tatsächlich immer dabei.

Und wohin fährt Biker Fürst, wenn er sich in diesen Tagen aufs Velo schwingt?

Standard sind die Jurahöhen von Lostorf bis Oensingen. Vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Weg zu entdecken, den ich heute noch nicht kenne.

Was erledigen Sie an Pendenzen?

Die eine oder andere private Pendenz bleibt unter dem Jahr liegen. Diese versuche ich noch im alten Jahr zu erledigen. Wie der Buchhalter seine Rechnung periodengerecht Ende Jahr abgrenzt, ist es mein Ziel, die Pendenzen von 2019 noch in diesem Jahr abhaken zu können.

Gehören Regierungsakten dazu?

In Papierform habe ich nur wenige Akten nach Hause genommen. Auf aktuelle Dossiers kann ich aber elektronisch zugreifen. So kann auch auf kurzfristig Auftretendes ohne Aufschub reagiert werden. Für E-Mails gilt dies natürlich im Besonderen.

Was wird trotz allem am Ende liegen bleiben?

Wenn es nicht für alles reicht, muss das Private zurückstehen. So gibt es Dauerpendenzen wie «Büro aufräumen», die zum Teil mehrere Altjahreswochen überleben.

Verraten Sie uns: Wie verbringen Sie Silvester?

Wie jedes Jahr ziemlich unspektakulär und gemütlich: Zuhause mit der Familie.
Gibt es da auch Traditionen? Zum Beispiel beim Menü? Oder beim Spielen?
Nein, da gibt es keine fixen Abläufe. Das läuft jedes Jahr anders.

Apropos: Sind Sie ein abergläubischer Mensch?

Grundsätzlich nicht. Freitag, der 13., ist für mich ein Tag wie jeder andere.

Hand aufs Herz: Was mögen Sie nach Weihnachten und Silvester für eine Weile weder riechen noch schmecken?

Es gibt das eine oder andere Weihnachtslied, das ich nicht mehr gerne höre, aber sonst steht nichts auf dieser Negativliste. Man hat es selber in der Hand, Überdosen zu vermeiden.

Wie verhält es sich mit dem Neujahrstag? Gibt es da auch ein Ritual?

Nein, auch in diesem Fall gilt: Es kommt, wie es kommt.

Und was ist mit Vorsätzen zum neuen Jahr?

Da halte ich mich an den deutschen Journalisten Wolfgang Mocker, der einmal gesagt haben soll: Gute Vorsätze fasse ich nur noch, nachdem ich sie eingehalten habe.

Wie erfolgreich sind Sie dabei in der Regel?

Mit der Mocker’schen Gebrauchsanleitung unschlagbar.

Was liegt im Moment auf Ihrem Büchertisch?

Ich habe gleich mehrere Bücher «in Arbeit»: Die Doris-Leuthard-Biografie von Werner Vogt. «Königskinder» von Alex Capus (wir waren während der Kanti-Zeit in derselben Klasse). «Eine kurze Geschichte der Menschheit» von Yuval Noah Harari (Inhalt: Ist der Mensch die Krone der Schöpfung oder der Schrecken des Ökosystems?). Und dann habe ich noch mehrere sehr unterhaltsame und noch ungelesene Krimis in der Hinterhand, auf deren Lektüre ich mich freue.

Schlägt da der gelernte Biologe und langjährige Informatiker durch?

Bei der aktuellen Bücherliste der Biologe ja, der Informatiker nein.

Wenn Sie wählen können: «Wir sind das Klima» von Jonathan Safran Foer oder die zweite Staffel von «Wilder» im Schweizer Fernsehen?

Da ich äusserst selten fernsehe, haben es Staffeln besonders schwer bei mir. Also eher das Buch.

Steht bei Ihnen schon etwas im Kalender 2020, auf das Sie sich besonders freuen?

Im Kalender 2020 steht bereits sehr viel. Er ist sogar schon fast wieder voll. Es gibt viele Ereignisse, auf die ich mich freue. Um eines herauszugreifen: Die Eröffnung des Neubaus Bürgerspital Solothurn am 13. Mai 2020 wird sicher ein Höhepunkt sein.

Und wenn es um die Ferien geht: Plagt den Umweltdirektor da mitunter der eigene ökologische Fussabdruck? Oder hat er ein ruhiges Gewissen?

Da wir seit Jahren praktisch nur noch Wanderferien mit den Hunden machen, sind Flugreisen oder lange Autofahrten die Ausnahme. Als Landammann habe ich es 2019 sowieso nicht geschafft, in die Ferien zu verreisen.

Mit einem Blick ins neue Jahr: Woran denken Sie, wenn vom 9. Februar die Rede ist?

An ein sehr schwieriges politisches Geschäft, das an diesem Sonntag hoffentlich einen guten Abschluss finden wird.

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