«Stellt euch vor, für unseren 20. Bäuerinnen- und Landfrauentag haben sich rund 150 Frauen angemeldet!» Rita Hänggi, Präsidentin des Solothurnischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SOBLV) und eine der Nachfolgerinnen Zimmermanns, strahlt. Zusammen mit ihren Vorgängerinnen Heidi Kofmel und Ursula Zimmermann, der Initiantin, blickt sie zurück auf 19 erfolgreiche Tagungen.

Bis 2006 nannte sich der Verband «Solothurnischer Landfrauenverband». Nachdem sich der Schweizerische Landfrauenverband mit dem Verband Katholischer Bäuerinnen zum Dachverband zusammengeschlossen hatte, benannten sich auch die kantonalen Verbände neu.

«Mir fehlte damals, vor 20 Jahren, die Gelegenheit, dass sich der Berufsverband der Bäuerin explizit mit Themen für die Bäuerin befasste», erinnert sich Ursula Zimmermann.

«Es schwebte mir vor, einen Tag ins Leben zu rufen, an dem sich Bäuerinnen nicht nur treffen und unterhalten, sondern Denkanstösse erhalten zu Themen, die sie auf dem Bauernhof, als Frau des Bauers, als Leiterin eines Betriebszweigs sowie als Mutter des Hofnachfolgers und Schwiegermutter beschäftigen», erzählt die damalige Präsidentin.

Zimmermann engagierte zusammen mit den Vorstandsfrauen, die von der Idee begeistert waren, eine Historikerin. Diese referierte über «Die Bäuerin zwischen Tradition und Aufbruch». Die Tagung war gut besucht und die Reaktionen durchweg positiv», so Ursula Zimmermann. Der Bäuerinnentag war geboren.

Bäuerinnen wehren sich

Der Tag wurde früher als «Sonntag der Bäuerin» bezeichnet. Die Frauen nahmen bewusst einen Tag frei, kochten vor und waren zwischen Morgen- und Abendessen für die Familie nicht erreichbar; er war auch geschätzt als Gelegenheit, einen Tag mit Kolleginnen wegzufahren.

Heute müssen viele Bäuerinnen auswärts arbeiten, um monatlich ein gewisses Einkommen zu sichern. Trotzdem ging die Teilnehmerinnenzahl nie zurück, ausser es mussten Angemeldete kurzfristig absagen, weil infolge der Witterungsumstände genau an diesem Tag «Härdöpfle» angesagt war.

Auf die Frage, ob das Pflichtbewusstsein bei den Bäuerinnen grösser sei als der Drang nach einem freien Tag, wehren sich die Frauen gegen den Ausdruck Pflichtbewusstsein. Er töne zu streng, trage irgendwie das Wort Gehorsam in sich.

«Wir sind es gewohnt, in unserem Leben auf dem Hof hin- und hergerissen zu sein zwischen Pflichtgefühl und Pflichtverletzung», sagt die frühere Präsidentin Heidi Kofmel, «wobei beide Ausdrücke in Anführungs- und Schlusszeichen zu setzen sind.»

Einen Einfluss habe selbstverständlich der Bauer, der seine Frau dazu ermuntere, sich mit Kolleginnen zu treffen. Für sie selber war es nie eine Frage, ob unter ihrer Ägide dieser Tag abgeschafft werden solle.

«Der Bäuerinnen- und Landfrauentag, wie er heute genannt wird, ist ein fester Bestandteil unseres Jahresprogramms», hält sie fest.

Auch für Nichtbäuerinnen

Auffallend ist, dass an diesem Tag gewisse Themen wie beispielsweise «Altes loslassen – Neues zulassen» oder «Streiten mit Herz» immer wieder behandelt werden. Referentinnen geben Ratschläge zum Verhältnis von Schwiegertöchtern mit Schwiegermüttern – und umgekehrt – oder zu Generationenkonflikten.

Bei den Diskussionen oder in den Workshops stellt sich heraus, dass diese Ratschläge von den Teilnehmerinnen grundsätzlich akzeptiert werden. Gleichzeitig setzen einige ein Fragezeichen dahinter. Sie fragen: «Soll ich jetzt nach Hause gehen und bestimmen, dass ab heute diese Ratschläge umgesetzt werden?

Das wird bei uns nicht funktionieren.» Gerade deshalb müssten diese Probleme wiederholt angesprochen werden, da sie ja jedes Mal von einer anderen Seite beleuchtet würden, findet Ursula Zimmermann.

Das 20-Jahr-Jubiläum am Dienstag, 27. Oktober 2015 am Bildungszentrum Wallierhof ist mit «Herzenssache» überschrieben». Auch Rita Hänggi denkt nicht daran, den Bäuerinnen- und Landfrauentag aufzugeben.

Indessen achte man bei den Themen darauf, dass sie auch für Nichtbäuerinnen anregend seien. Schliesslich will der SOBLV für Bäuerinnen und Landfrauen da sein.