Regierungsratswahlen
Was erwarten Solothurner vom zukünftigen Regierungsrat?

Die künftige Solothurner Regierung wird mit drei neuen Mitgliedern die kommende Legislaturperiode in Angriff nehmen. Dazu haben wir Exponenten aus Wirtschaft, Sport, Kultur und Wissenschaft über ihre Erwartungen gegenüber der neuen Regierung befragt.

Franz Schaible
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Remo Ankli, Brigit Wyss, Roland Fürst und Roland Heim: drei von ihnen machen das Rennen und bilden mit Esther Gassler und Peter Gomm die Regierung.

Remo Ankli, Brigit Wyss, Roland Fürst und Roland Heim: drei von ihnen machen das Rennen und bilden mit Esther Gassler und Peter Gomm die Regierung.

AZ
Der Unternehmer Adrian Flury aus Günsberg

Der Unternehmer Adrian Flury aus Günsberg

Solothurner Zeitung

Adrian Flury, Chef des Bahntechnikunternehmens Arthur Flury AG in Deitingen und ehemaliger Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), erhofft sich generell «ein offenes Ohr für die Belange der Wirtschaft». Der Dialog mit der Regierung und vor allem mit der Verwaltung habe sich in den vergangenen Jahren verbessert. «Hemmschwellen sind abgebaut worden und man fühlt sich ernst genommen.» Diese positive Entwicklung soll weitergeführt werden. Er erwartet Verständnis für die Anliegen der Unternehmen, die tagtäglich im harten internationalen Wettbewerb stehen. Dabei brauche es aber nicht zwingend «französische Verhältnisse», wo der Staat sehr aktiv die eigene Industrie schütze. Zudem wisse er, dass eine kantonale Regierung gar nicht überall Einfluss nehmen könne. «Gegen den starken Franken beispielsweise kann auch der Regierungsrat nichts unternehmen.» Zwar wähle er als Unternehmer «freisinnig», aber die erfolgreiche Arbeit einer Regierung sei primär personenabhängig und weniger parteipolitisch. «Es braucht in erster Linie Professionalität, und die Fachkompetenz in den Dossiers muss vorhanden sein.»

Der Gewerkschafter Markus Baumann aus Derendingen

Der Gewerkschafter Markus Baumann aus Derendingen

Solothurner Zeitung

Für Markus Baumann, Präsident des Gewerkschaftsbundes Kanton Solothurn, ist grundsätzlich wichtig, dass «die Regierung regiert und nicht verwaltet». Insbesondere erwartet er, dass der Kanton eine Standortpolitik betreibe, die der ansässigen Industrie zugutekomme und die Ansiedlung neuer Betriebe fördere. Konkret müsse die Förderung der Technologien im Bereich Alternativenergien gestärkt werden. Dies schaffe nachhaltig wichtige Arbeitsplätze. Zudem wünscht er sich, dass der Bereich Bildung generell ausgebaut werde - und zwar entlang der ganzen Kette. «Eine gute schulische Grundausbildung führt über die Berufslehre zu dringend benötigten qualifizierten Fachkräften. Auf Hochschulstufe muss in Forschung und Entwicklung investiert und den Firmen der Zugang dazu ermöglicht werden.» Für den Gewerkschafter ist Solothurn nämlich nicht einfach ein Industriekanton, sondern vielmehr «ein Technologie-Standort». In diesen Bereichen sieht er für die neue Regierung «viel Spielraum nach oben». Wen er wählen wird, lässt er offen. Nur so viel: «Brigit Wyss traue ich einiges zu, um die obigen Erwartungen erfüllen zu
können.»

Der Historiker Urs Altermatt aus Solothurn

Der Historiker Urs Altermatt aus Solothurn

Hanspeter Bärtschi

Der in Solothurn wohnhafte Historiker Urs Altermatt geht davon aus, dass sich das Parteienspektrum in der Regierung vermutlich auf vier Parteien erweitert. Deshalb brauche der Kanton «ein Regierungsteam von fünf pragmatisch und nicht parteiideologisch denkenden Persönlichkeiten». Sie müssten das Gespür für die Herausforderungen der Zeit haben, sich in Kollegialität zu Kompromissen zusammenraufen und auch den Mut besitzen, unpopuläre Themen gemeinsam anzugehen, sagt der emeritierte Professor für Zeitgeschichte der Universität Freiburg und Buchautor. Überdies sollte die Marke Solothurn landesweit besser verkauft werden. «Im Kanton Solothurn lebt sich besser als das Steuer-Image angeblich vorgibt.» Das Gerede von der «Greater Zurich Area» könne dabei allerdings kein Leitbild für den vielfältigen Kanton sein. Die Solothurner Regierung müsse sich vorsehen, dass diese wertvolle Vielfalt nicht infrage gestellt werde. Historiker Urs Altermatt blickt dazu ins nächste Jahr. «Dann werden die Südjurassier sowie die Baselstädter und Baselbieter über entsprechende Kantonsveränderungen abstimmen.»

Die Kunstschaffende Margarita Flad aus Balsthal

Die Kunstschaffende Margarita Flad aus Balsthal

Solothurner Zeitung

Die Balsthaler Kunstmalerin Margarita Flad positioniert sich selbst in der politischen Mitte. Sie sei weder links noch rechts. Ausgehend von dieser Einstufung erwartet die 71-jährige Kunstschaffende von der neuen Solothurner Regierung, dass diese «nach bestem Wissen und Gewissen die gesamte Bürgerschaft» vertritt. Leider sei sowohl im ersten wie im zweiten Wahlgang zu den Regierungsratswahlen «Kulturpolitik» praktisch kein Thema gewesen. Flad hofft, dass diese Kulturabstinenz im Wahlkampf kein Signal für die Arbeit der neuen Solothurner Regierung sein wird. «Das Thema Kultur und Kulturförderung ist wichtig für eine Gemeinschaft von Menschen.» Sie erwartet deshalb, dass eine breit gefächerte Kultur - von der Volksmusik über klassische Musik, Malerei, bis hin zum Schauspiel - in der Regierungspolitik einen breiteren Raum einnimmt. Dabei liegt Flad besonders am Herzen, dass Kunst in allen Variationen den Jugendlichen näher gebracht werde. Ein gutes Instrument dazu seien von Schulen organisierte Projektwochen bei Kunstschaffenden. «Dort kann es vom ‹Staat› her noch mehr Unterstützung geben.»

Der Sportler Heinz Frei aus Etziken

Der Sportler Heinz Frei aus Etziken

Keystone

Der Etziker Heinz Frei hat in seiner langen Karriere als Rollstuhlsportler alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. So erkämpfte er sich 2012 an den Olympischen Sommerspielen in London seine 15. Goldmedaille. «Im Kanton Solothurn ist ein gutes Fundament für den Spitzensport gelegt worden. Die Unterstützung und die Wertschätzung gegenüber Sportlerinnen und Sportlern sind sehr hoch», weiss er aus eigener Erfahrung zu berichten. Deshalb hofft der 55-Jährige, dass «dieser Kurs» weitergefahren wird. Ihm ist besonders wichtig, dass sich die neue «Regierungsmannschaft» rasch als Team findet, welches überparteilich und sachbezogen regiere, und sich nicht in parteipolitischen Geplänkeln aufreibe. «Deshalb orientiere ich mich an den Fähigkeiten und wähle Köpfe und nicht Parteien.» Als Spitzensportler hat Heinz Frei trotzdem einige spezifische Wünsche. So etwa vermisst er im oberen Kantonsteil eine Leichtathletikanlage mit Rundbahn. Zudem wäre es toll, wenn das bereits gute Radwegnetz noch weiter ausgebaut werden könnte.

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