Es ist warm im Gewächshaus. Die Gärtnerei Sonderegger ist an diesem Nachmittag wie ausgestorben, in der Mitte stehen unbesetzte Tische und Stühle umringt von Topfpflanzen. Diesen Samstag aber soll sich der Raum füllen: Es gibt Konzerte und Kuchen, am Abend wird grilliert. Für einen guten Zweck. Die Einnahmen des Anlasses haben eine weite Reise vor sich – im übertragenen Sinne. Sie sollen nach Kenia gehen.

Ein paar Tage zuvor kommt Vivienne Sonderegger, etwas ausser Atem, vor dem Gewächshaus an – sie hat sich gerade durch den Feierabendverkehr gekämpft. Im Gewächshaus wirft sie ihre Haare zurück und nimmt an einem der Tische Platz. Sonderegger macht die Lehre zur Kauffrau, diesen Sommer wird sie abschliessen. Daneben widmet sie einen grossen Teil ihrer Zeit der Organisation von Anlässen wie demjenigen in der Gärtnerei, der Vorbereitung von Kuchenständen oder der Spendersuche. Die 19-Jährige ist im Verein «Kenyan children help» tätig, welcher von zwei Solothurnerinnen gegründet wurde. Eine davon lebt mittlerweile in Kenia.

Dort wird mit finanzieller Unterstützung des Vereins eine Schule betrieben, rund 300 Kinder schlafen und essen in der «New white house academy». Zudem werden sie auf Primar- und Sekundarstufe unterrichtet. «Essen, Bildung, Unterkunft», zählt Sonderegger auf. Das seien die wichtigsten Dinge «dort unten».

400 000 Franken im Jahr

Mit «unten» meint Sonderegger im Gespräch Kenia. Der politisch und konfessionell unabhängige Verein überweise direkt Geld auf ein Konto in Kenia – denn Dinge wie Spielsachen direkt nach «unten» zu schicken sei weniger sinnvoll. Sie könnten verloren gehen – und man wolle auch, dass die Geschäfte in Kenia berücksichtigt werden. Bis zu 400 000 Franken gelangen jährlich direkt auf das Konto der Schule. Ähnlich hoch sind auch die Ausgaben. «Eine kaputte Wasserpumpe oder fehlendes Schulmaterial – wir sehen genau, wo das Geld hinfliesst», erklärt Sonderegger.

Geld kommt in der Form von Spenden oder Patenschaften für Kinder zusammen. Aus der Region unterstützen etwa die Band Krokus oder Hugo Mathys den Verein. Sie habe in grosse Hilfswerke oder Organisationen nie Vertrauen gehabt, weil dort nicht klar sei, wohin das Geld wirklich fliesse. Vom kleineren Verein aus dem Solothurnischen ist die Langendörferin aber überzeugt – auch wenn es viele Möglichkeiten gibt sich zu engagieren – und wohl wenige 19-Jährige, die bereit sind, Zeit dafür zu investieren. «Das ist für mich keine Arbeit – im Lebenslauf liste ich das als Hobby auf», betont Sonderegger, die viel mit den Händen redet und oft auch mit den Augen lacht.

Erfahrungen aus Südafrika

Sonderegger beschreibt sich als fröhlichen Menschen – lange Zeit sei sie aber nicht so zufrieden gewesen. Sie habe nach etwas gesucht, um die Welt ein bisschen gerechter zu machen. «Ich wollte mich nicht länger einfach nur aufregen. Ich wollte die Sache selbst in die Hand nehmen.» Die Mutter verwies sie an eine entfernte Bekannte, die beim Verein tätig ist. Bereits beim ersten Treffen hat Sonderegger gemerkt: Das passt.

«Es ist toll, von Menschen umgeben zu sein, die die gleiche Motivation haben.» Sie selber träume davon, dass alle Menschen die gleichen Chancen hätten. Natürlich könne man sich vielseitig einsetzen: «Ich habe mich jetzt aber dafür entschieden – und dazu stehe ich.» Und natürlich gebe es kritische Fragen dazu, ob sie sich nicht nur engagiere um das schlechte Gewissen zu beruhigen. «Aber ich selbst habe ja nichts davon – zumindest nichts Materielles. Ich finde es einfach schön, zu helfen, gebraucht zu werden.»

Sonderegger hat ein Patenkind in Kenia. Sie schreiben Briefe, manchmal erhält sie auch Videobotschaften. Nächstes Jahr will die Langendörferin selbst nach Kenia reisen. Dort war sie noch nie. In Südafrika hingegen mehrfach. Der Vater unternimmt regelmässig Reisen dorthin. Er wanderte als junger Erwachsener nach Südafrika aus, lernte seine erste Frau dort kennen und hat mit ihr zwei Kinder, Sondereggers Halbschwestern. Möglich, dass das auch einen Einfluss auf ihren Entscheid für ein afrikanisches Hilfswerk gehabt habe.

«Hier sind wir so überprivilegiert. So viel, wie wir hier haben, können wir ja gar nicht brauchen.» In Südafrika gebe es riesige Villen – und daneben Menschen, die verhungerten. Sie wisse, dass sie die Welt mit dem Verein nicht retten könne – aber wenn jeder etwas tun würde, so die 19-Jährige, könne man doch schon viel erreichen.

Wohin es sie nach der Lehre verschlägt, weiss Sonderegger noch nicht. Sie würde gerne im sozialen Bereich arbeiten, auch Auswandern erscheine ihr nicht abwegig. Und der Verein? Sonderegger stutzt. Das sei doch klar: «Das hört nicht auf. Auch wenn ich im Ausland bin, habe ich Internet-Zugang.» Es gebe also keine Ausrede, einfach nichts zu tun.


Anlass für «Kenyan children help»: Gewächshaus Sonderegger Langendorf, Samstag 6.4. ab 10 Uhr