Solothurner Schaltzentrale
Warum sammelt Promi-Stiftung für Kaserne der Schweizergarde?

Alt-Bundesrat Pascal Couchepin ist ebenso dabei wie Ex-Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth. Eine Stiftung sammelt für eine Kaserne der Schweizer Garde. Was führt die Institution in den Kanton?

Sven Altermatt
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Schweizergardisten bei einer Kleideranprobe. Ihre Kaserne im Vatikan muss saniert werden. Andrew Medichini/Keystone

Schweizergardisten bei einer Kleideranprobe. Ihre Kaserne im Vatikan muss saniert werden. Andrew Medichini/Keystone

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Länger und sperriger geht es kaum: «Stiftung für die Renovation der Kaserne der päpstlichen Schweizergarde im Vatikan». 71 Zeichen umfasst der Name der Institution, die soeben ins Handelsregister des Kantons Solothurn eingetragen worden ist. Das ist rekordverdächtig. Immerhin verrät der Name ohne Umschweife, was die Stiftung bezweckt.

Illuster sind auch ihre Mitglieder. Der frühere FDP-Bundesrat Pascal Couchepin sitzt ebenso im Stiftungsrat wie der Genfer Bankier Thierry Fauchier-Magnan und der emeritierte Archäologie-Professor Peter Blome.

Präsidiert wird das Gremium von Jean-Pierre Roth, dem Ex-Präsidenten der schweizerischen Nationalbank. Sie alle engagieren sich bereits in Gremien, die der katholischen Kirche nahe stehen.

Was aber führt die Stiftung in den Kanton? Ihren Sitz hat sie in der Stadt Solothurn. Mit der Residenz des Bischofs von Basel ist sie jedoch, anders als vermutet, höchstens im Geiste verbunden.

Die Institution ist an der Rötistrasse gemeldet – in den Büros von Bernhard Hammer. Der Rechtsanwalt arbeitete unter anderem als CEO in der Baubranche, heute ist er Verwaltungsrat bei der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site. Die Kasernen-Stiftung leitet er als Geschäftsführer.

Wenig Details bekannt

Was plant die Stiftung, um Geld für die Kaserne der Schweizergarde zu sammeln? Wird sie öffentlich auftreten? Und engagiert sich Bernhard Hammer mit seinem Büro vornehmlich als juristische Schaltzentrale? Diese Fragen bleiben vorerst unbeantwortet – Anwalt Hammer war für diese Zeitung weder schriftlich noch telefonisch erreichbar.

Klar ist: Dass die Kaserne im Vatikan saniert werden muss, ist schon länger bekannt. Details dazu sind allerdings kaum erhältlich. Klar ist auch: Die Kasernen-Stiftung steht der Schweizergarde-Stiftung mit Sitz in Freiburg nahe; diese wird von Pascal Couchepin präsidiert.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 kümmert sich die Stiftung etwa um die Rekrutierung neuer Gardisten. Zuletzt sammelte sie für die Anschaffung von neuen Helmen. Man wolle all das ermöglichen, was im Budget des Vatikans für die Schweizergarde zu kurz kommt, umschreibt die Organisation ihr Aufgabengebiet.

Strenge Anforderungen

Die Schweizergarde bewacht den Papst und den Vatikan seit nunmehr 500 Jahren. Ihr Heer umfasst heute 110 Mitglieder, die Gardisten gelten als «Aushängeschilder der Schweiz». Die Aufnahmekriterien sind streng: Wer zur Garde will, muss Schweizer Bürger sein und sich zur römisch-katholischen Kirche bekennen.

Zugelassen sind nur Männer, die jünger sind als 30 Jahre und sowohl eine Berufslehre als auch die Rekrutenschule abgeschlossen haben. Physische und psychische Belastbarkeit wird vorausgesetzt, ebenso eine Körpergrösse von mindestens 1,74 Metern.

Die ledigen Gardisten teilen sich in der Kaserne zu zweit oder zu dritt ein Zimmer, verheiratete Gardisten leben derweil mit ihren Familien in Wohnungen.

Wie viel die Rennovation der Kaserne kostet, ist nicht bekannt. Zumindest an räumlicher Nähe zum Geld dürfte es der Schweizergarde freilich nicht fehlen: Ihre Kaserne liegt nämlich am St.-Anna-Tor, gleich gegenüber dem Turm, in dem die Vatikanbank residiert.