Katzenkastration
Warum nicht nur wildlebende Katzen kastriert werden sollten

Verwilderte Katzen sind in der ganzen Schweiz ein Problem. Der Tierschutz kastriert und sterilisiert deshalb solche Tiere. Auch die Sektionen im Kanton Solothurn beteiligen sich an der Aktion.

Lea Durrer
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Wildlebende Katzen sind ein Problem. (Symbolbild)

Wildlebende Katzen sind ein Problem. (Symbolbild)

Keystone

Es gibt zahme Stuben-Tiger. Doch nicht jede im Kanton Solothurn lebende Katze hat auch ein Zuhause. Viele werden ausgesetzt und streunen wildlebend durch die Gegend. Die Population wächst. «Wenn sich die Katzen unkontrolliert vermehren, wird das zum Problem. Das führt in ein Tierelend», sagt Helen Sandmeier vom Schweizerischen Tierschutz (STS). Um der wachsenden Katzenpopulation Herr zu werden, werden immer wieder Aktionen durchgeführt, bei denen diese Katzen eingefangen und kastriert werden.

Schweizweit wurden 2011 11'062 Katzen unfruchtbar gemacht. Alleine das Tierdörfli des Tierschutzvereins Olten und Umgebung mit Standort Wangen/Olten hat 500 Katzen, die es auf Bauernhöfen, in Pärken und Quartieren einfangen und kastrieren lässt. Leiterin Susanne Klein weiss um die aufwendige Arbeit: «Wir fangen die Katzen ein, lassen sie kastrieren und bringen sie wenn möglich an ihren ursprünglichen Ort zurück.» Dann schauen wir, ob jemand die Katzen füttern kann.

Das Tier wird im selben Zug mit der Kastration noch geimpft, entwurmt und auf Leukose, eine ansteckende Krankheit, getestet. Auch werden die Zähne kontrolliert und ein Mikrochip eingepflanzt. «Die Katzen sind jeweils einen Tag beim Tierarzt», so Klein.

Auf Spenden angewiesen

Diese umfassende Behandlung schlägt zu Buche: Für ein Weibchen berappt der Verein durchschnittlich 361 Franken, für einen Kater 270. Es bringe ja nichts, die Katze nur zu kastrieren und keinen allgemeinen Gesundheitscheck durchzuführen, so Klein. Im letzten Jahr wurden so 150'000 Franken ausgegeben - ohne die Löhne oder die Fahrkosten mitberechnet zu haben.

Das zahlt der Dachverband

Der gesamtschweizerische Dachverband des Schweizerischen Tierschutzes verteilt an die Sektionen 250'000 bis 300'000 Franken. Am meisten Geld bekam im letztem Jahr der Tierschutzverein des Kanton Luzern, gefolgt vom Kanton Aargau. Etwa gleich viel Geld, nämlich 9'000 Franken, gab es für die Sektionen im Solothurnischen. Dazu gehören die Sektion Solothurn-Wasseramt, die im Verlaufe des letzten Jahres wegen fehlender Nachfolge der Präsidentin aufgelöst wurde, und die Tierschutzvereine Olten und Umgebung und Grenchen und Umgebung. (ldu)

Alleine könnte der Tierschutzverein Olten und Umgebung die anfallenden Kosten nie tragen. Ein kleiner finanzieller Beitrag erhält er vom Dachverband - im letzten Jahr waren es knapp 3'000 Franken (siehe Box). Der Grossteil wird durch Gönner finanziert. Einzig die Bauern steuern einen Beitrag zur Kastration bei. Sie bezahlen einen Drittel der Kosten.

Private sollen Katzen kastrieren lassen

Das Kastrieren ist Susanne Klein ein grosses Anliegen. Sie betont vor allem, dass es ebenso in der Verantwortung der Privaten liege, ihre Katzen unfruchtbar zu machen. «Alle, die eine Katze aufnehmen, sollten sich bewusst sein, dass sie das Tier im Alter von ungefähr sieben Monaten kastrieren lassen.» Denn bei zu vielen Katzen in einem Revier wären Kämpfe vorprogrammiert. Und auch die Leute hätten nicht Freude, wenn die Katzen überall urinieren würden. Der Verein hat extra zwei Aussendienstmitarbeitende, die versuchen, diese Leute von einer Kastration zu überzeugen.

Die 500 kastrierten Katzen von letztem Jahr werden heuer sogar noch getoppt: «Es werden noch mehr sein», weiss Klein schon jetzt.

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