Gastkolumne
Warum jeder Rappen zählt

Gastkolumne von Markus Allemann zur Wichtigkeit der Entwicklungszusammenarbeit – für die Nehmer und die Geber. Der Solothurner ist Geschäftsführer von Swissaid, der Schweizerischen Stiftung für Entwicklungszusammenarbeit.

Markus Allemann
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Die Zahl der Personen, welche bei dem verheerenden Tsunami in der Sundastrasse zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java ums Leben gekommen sind, ist nach neuen Angaben auf mindestens 429 Menschen gestiegen.

Die Zahl der Personen, welche bei dem verheerenden Tsunami in der Sundastrasse zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java ums Leben gekommen sind, ist nach neuen Angaben auf mindestens 429 Menschen gestiegen.

KEYSTONE/AP/FAUZY CHANIAGO

Der letzte Tsunami kam am letzten Sonntag, und der nächste kommt bestimmt. Für Katastrophen spenden die Schweizer und Schweizerinnen gerne viel Geld. Und «Jeder Rappen zählt» machte letzte Woche wieder mal vor, wie trendig Spenden sein kann, wenn das Geben zum Medien-Event gemacht wird! Fünf Tage lang spannten das SRF Radio, Fernsehen und Online zusammen und sammelten 5.7 Mio. Franken «für ein Dach über dem Kopf». Kinder, Jugendliche, ganze Schulklassen und Cliquen – Tausende strömten zur Glasbox auf den Europaplatz in Luzern, um Nötli durch den Spenden-Schlitz zu schieben und dazu zu gehören. Was SRF mittels medialer Präsenz in einer knappen Woche schaffte, dafür krampfen wir bei Swissaid ein halbes Jahr.

Darf es ein Wasserprojekt im Niger sein? Oder möchten Sie lieber ein Ferkel spenden? Brunnen und Tiere sind im Spendenmarkt attraktiver als Gleichstellungs-Workshops mit Frauen oder Agro-Ökologieprojekte mit Bauern. Die Spenderinnen und Spender wollen es konkret, denn wer einen Brunnen sieht, weiss: Das Geld ist angekommen. Damals bei Greenpeace erlebte ich es nicht anders: Ein Schiff verkaufte sich besser als ein verhindertes umweltschädigendes Gesetz, der Regenwald berührte mehr als das Klima. Auch wenn das Klima und das Gesetz die eigentlichen Kampagnenziele waren.

Unabhängig davon, ob Brunnen oder Workshop: Dass das Geld ankommt, garantieren wir mit unserem Namen. Swissaid, Helvetas, Caritas, Heks, Solidar Suisse ... wie sie alle heissen erfüllen die Zewo-Richtlinien, die Auflagen der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit, die Gaap-Fer-21-Rechnungslegungsvorschriften und zusätzlich die unterschiedlichen Anforderungen, die grosse Stiftungen und internationale Geldgeber an die Organisationen stellen. Kaum eine andere Branche bietet annähernd so viel Transparenz wie die Entwicklungszusammenarbeit. Hinter dem gespendeten Brunnen fliessen Prozesse, die auf Wirkung und Effizienz ausgerichtet sind. Wer wissen will, wohin das Geld fliesst, wird es erfahren.

Skepsis gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit ist unberechtigt. Zusammen mit dem Bund, der die Südarbeit von Swissaid unterstützt, erreichen wir die ärmsten Menschen und unterstützen diese im Aufbau einer eigenen, nachhaltigen Lebensgrundlage. Wir lösen ein, was unsere Kritiker fordern: Wir helfen vor Ort – und polieren das Image der Schweiz auf. Ein Land immerhin, das mit seinem Steuer- und Finanzsystem und mittels lascher Transparenzregulierung für globale Firmen viel zum Leid und der Ungleichheit in den armen Ländern beiträgt.

Auf meinen Reisen zu den Projekten in die ärmsten Entwicklungsländer bin ich immer wieder beeindruckt, wie viel Dankbarkeit dort dem Einsatz der Schweiz entgegengebracht wird. Die Schweiz kommt ganz gross raus, wenn durch unsere Arbeit «Swissaid first» und «Switzerland first» beinahe zu Synonymen verschmelzen.

Das Parlament berät nächstes Jahr die Budgets 2021–24 der Entwicklungszusammenarbeit. Mein Wunsch für das neue Jahr: Möge es sich daran erinnern, dass jeder Rappen zählt.

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