Umwelt
Warum Hausbesitzer bald eine Solaranlage brauchen

Die neue «Energie-Bibel» der Kantone schreibt vor, wie künftig Heizöl gespart wird. Neubauten sollen nahezu ohne Energie von aussen auskommen.

Bastian Heiniger
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Mit einer Solaranlage den Energieverbrauch kompensieren. (Symbolbild)

Mit einer Solaranlage den Energieverbrauch kompensieren. (Symbolbild)

Oliver Menge

Während im Bundeshaus noch über die Energiestrategie 2050 debattiert wird, sind die Kantone schon einen Schritt weiter: Die Konferenz der Energiedirektoren (EnDK) hat nun die kantonalen Mustervorschriften im Energiebereich (Muken) verabschiedet. Denn wie die Energiestrategie bei Gebäuden umgesetzt wird, liegt in der Hand der Kantone. Mit den revidierten Vorgaben haben sie nun Normen geschaffen, welche die Energieeffizienz von Gebäuden steigern soll. Konkret: Neubauten sollen künftig nahezu ohne Energie von aussen auskommen – einerseits gelten strengere Standards hinsichtlich der Gebäudehülle, andererseits, wird Energie sodann grösstenteils auf dem Grundstück selber produziert.

Bei Altbauten hingegen soll die CO2-Emission schrittweise zurückgehen. Wollen Hausbesitzer etwa eine alte Gas- oder Ölheizung ersetzen, müssen sie künftig zehn Prozent der bisher verbrauchten Energie einsparen oder durch erneuerbare kompensieren. Entweder montieren sie Sonnenkollektoren aufs Hausdach, installieren eine Wärmepumpe oder sie verbessern die Isolierung des Hauses. Hauptsache die zehn Prozent fallen weg.

Energie-Vorschriften: Bereits die vierte Revision

Bei den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (Muken) handelt es sich um ein gut 90-seitiges Dokument, das in den Kantonen die Energievorschriften vereinheitlichen soll. Die Muken wurden seit 1992 nun bereits zum vierten Mal revidiert. Die neue Fassung setzt sich aus einem Basismodul und verschiedenen Zusatzmodulen zusammen. Das Basismodul sollte von den Kantonen übernommen werden. Dazu gehören etwa die Vorgaben für Neubauten und Sanierungen von Heizungen (siehe Hauptartikel). Die Zusatzmodule können freiwillig übernommen werden. Darunter fallen vor allem Normen für Nichtwohnbauten. Etwa die vorgeschriebene Betriebsoptimierung für Gebäude, die jährlich mehr als 200 000 Kilowattstunden Strom verbrauchen. (bas)

Verschärfung für Neubauten

Bis spätestens 2018 haben die einzelnen Kantone nun Zeit, anhand der Vorgaben neue Energievorschriften zu schaffen oder bestehende anzupassen. Von 2020 an werden sie sodann angewendet. «Die Mustervorschriften sind für Kantone quasi eine Bibel in Energievorschriften», sagt Urs Stuber, Leiter der kantonalen Energiefachstelle. Deren Umsetzung sei jedoch nicht sakrosankt. Welche Änderungen tatsächlich ins kantonale Recht übernommen werden, sei derzeit noch schwierig abzuschätzen. Die kantonale Energiefachstelle wird sich dieses Jahr einen Überblick verschaffen und mit der zuständigen Departementsvorsteherin absprechen, was genau übernommen werden könnte. Letztlich entscheide die Politik. Stuber geht allerdings davon aus, dass der Bereich «Wärmeschutz» ohne Abstriche übernommen werde.

Was heisst das? Vor allem würden die Vorschriften für Wärmedämmungen verschärft, damit der Energieverbrauch zurückgeht. Nach den heutigen kantonalen Vorgaben darf ein Neubau im Jahr pro Quadratmeter höchstens 4,8 Liter Heizöläquivalent verbrauchen. Laut Stuber wären es neu noch etwa 3,4 Liter – das wäre 0,4 Liter unterhalb des heutigen Minergie-Standards. Muss somit jemand der ein Haus bauen will künftig tiefer in die Tasche greifen? Thomas Ammann vom schweizerischen Hauseigentümerverband geht davon aus: Bauen würde wohl etwas teurer, sagt er. Einen extremen Anstieg der Kosten erwarte er jedoch nicht. Stuber hingegen findet, dass die Kosten für eine bessere Isolierung nicht entscheidend sein sollten: «Wenn jemand besser isoliert, kann er über Jahre hinweg Energiekosten sparen.»

«Sie bevormunden den Bürger»

Dass insbesondere durch Sanierungen der Heizölverbrauch extrem reduziert werden könnte, verdeutlichen die Zahlen aus dem kantonalen Energiekonzept: Würden die 65 000 Wohngebäude, die 2010 im Kanton standen, nach Minergie-Standard saniert, ginge der Energieverbrauch um 75 Prozent zurück, heisst es dort.

Dafür müsste sich indes die Sanierungsquote massiv erhöhen. Darauf zielen die Mustervorschriften jedoch nicht ab. Sie verlangen lediglich, dass bei einer Erneuerung einer Ölheizung die Energieeffizienz gesteigert wird. Laut Stuber setze man bei Sanierungen schon heute teilweise auf Standards, die den neuen Normen bereits entsprächen. Nun würde dies lediglich noch gesetzlich verankert.

Der Hauseigentümerverband erachtet die Vorgaben für Sanierungen dennoch als problematisch. Ammann kritisiert, dass gewisse Standardvorschriften zu starr seien. Er fände es besser, wenn man bei einer anstehenden Sanierung jedes Haus für sich beurteilen könnte. «Die Mustervorschriften bezwecken zwar eine Vereinfachung, doch solche Standardlösungen bevormunden den Bürger», sagt Ammann. Was wolle denn eine alleinstehende Wittwe mit Warmwasserkollektoren auf ihrem Dach, wenn sie doch kaum warmes Wasser verbrauche.

Dass die Vorgaben ebensolche Standardlösungen enthalten, hat durchaus seinen Zweck. Die Kantone wollen dadurch die Energievorschriften harmonisieren, um die Bewilligungsverfahren für Baugesuche zu vereinfachen. Davon profitieren würden Bauherren und Fachleute, die in mehreren Kantonen tätig sind. Adrian Zihler von der Zihler Architekten und Planer AG begrüsst deshalb die Vorgaben. «Wenn überall die gleichen Vorschriften gelten, wird Bauen einfacher.» Er ist überzeugt, dass ein Hausbau dadurch auf längere Sicht auch günstiger werde.