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Warum die Solothurner Industrie auf Bildung setzt

«Das Rückgrat der Solothurner Industrie»: Beim Industrieverband Solothurn und Umgebung (Inveso) betonte man am Montag, wie wichtig Berufslehren, gefolgt von tertiären Ausbildungen, für die Wirtschaft sind. (Symbolbild)

«Das Rückgrat der Solothurner Industrie»: Beim Industrieverband Solothurn und Umgebung (Inveso) betonte man am Montag, wie wichtig Berufslehren, gefolgt von tertiären Ausbildungen, für die Wirtschaft sind. (Symbolbild)

An der Generalversammlung des Solothurner Industrieverbandes wurde nicht nur frohlockt. Man will sich mit einem gutem Bildungssystem für eine möglicherweise schwierige Zukunft wappnen.

Eine starke Industrie – und somit auch eine starke Wirtschaft – fordert ein starkes Bildungssystem, ist sich Josef Maushart sicher. Der CVP-Kantonsrat und Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso) sprach am Montag an der Generalversammlung des Verbandes von einer starken Wirtschaft und einem sehr erfreulichen Jahr 2017 für die Inveso.

Doch sich nun zurückzulehnen, wäre seiner Meinung nach fatal. Ein geringes Wirtschaftswachstum in Europa, weltweit sehr hohe Verschuldungen und die politisch heikle Lage in den Nachbarländern lassen ihn nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft blicken.

Deshalb versucht sich die Inveso mit einem starken Bildungssystem für die Zukunft und «den erwarteten Sturm» zu wappnen. Maushart sieht das duale Bildungssystem, sprich Berufslehren und tertiäre Ausbildungen, als «das Rückgrat der Solothurner Industrie». Ursula Renold, Präsidentin des Fachhochschulrates der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) betonte: «Die höhere Berufsbildung wird unterschätzt.» An der ETH Zürich forscht Renold international im Bereich Bildungssysteme und weiss: «Kein anderes Land hat ein Bildungssystem, in welchem das Um-, Auf- und Wiedereinsteigen im Berufsleben so gut funktioniert, wie in der Schweiz.» Individuelle Lernwege seien die Zukunft, betonte Renold. «Für dessen Wichtigkeit werde ich noch Lärm machen». Universitäten zielen ihr zufolge darauf ab, «eine akademische Persönlichkeit» zu erlangen, während Fachhochschulen auf einer praxisnahen Ebene eine hohe Beschäftigungsfähigkeit zum Ziel haben.

Industrie muss Bildung fördern

Für eine starke Wirtschaft brauche es Innovation, «dafür müssen Bildungs- und Beschäftigungsakteure kooperieren». Sprich, die Wirtschaft, und somit auch der Inveso, muss sich aktiv für die Bildung einsetzen. Viele andere Länder seien ähnlich eingestellt, wissen um die Wichtigkeit der Bildung. Im Unterschied zur Schweiz setzt sich jedoch in diesen Ländern laut Renold die Wirtschaft zu wenig für die Bildung ein. Und dafür, dass die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren funktioniert.

Dieser Meinung ist laut Maushart auch der Inveso. Mit der Berufsmesse IBLive in Grenchen, welche von 3300 Besuchern besucht wurde, und einer hochwertigen Broschüre, in welcher alle Industrieberufe vorgestellt werden, versuche der Verband aktiv, den Stellenwert von Berufslehren im Industriebereich zu erhöhen. Zudem wolle der Verband die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden fördern und Weiterbildungsanlässe veranstalten.

Man muss sich besser verkaufen

An der Generalversammlung betonte Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss, dass ein starkes Bildungssystem ein wichtiger Bestandteil der Standortstrategie 2030 darstelle. In ihrem Referat sprach sie aber nicht nur über die Bildung, sondern auch darüber, wie sich die Regierung die künftige Wirtschaftspolitik im Kanton vorstellt. «Es geht nicht nur darum, neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch darum, hiesige Unternehmen zu pflegen», sagte Wyss. Die Solothurner Industrie lobte sie zwar, fügte aber hinzu: «Wir sollten es nicht nur gut machen, sondern auch darüber reden, dass wir es gut machen.» Sprich, Solothurn soll sich aus wirtschaftlicher Sicht besser verkaufen.

Obwohl man sich beim Inveso bereits für die Zukunft wappnet, konnte sich der Verband dennoch über ein erfolgreiches Jahr 2017 freuen. Er schloss die Jahresrechnung mit einem Gewinn von rund 450 Franken ab, bei einem Aufwand von 90'000 Franken. Auffallend hoch sind die Beträge für die Berufsmesse IBLive, welche mit 50'000 Franken zu Buche schlug, und der Förderung für die Berufsbildung. Für die Broschüre, in welcher sämtliche Industrieberufe vorgestellt werden, nahm der Inveso einen Betrag von 36'000 Franken in die Hand. Solche Aktivitäten geben laut Maushart «eine Frische» in die Solothurner Industrie, seien aber auch nicht gratis. Aus dem Vorstand verabschiedete der Inveso Adrian Flury, welcher sich 23 Jahre lang für den Verband eingesetzt hatte, und Daniel Aebli von der Stahl Gerlafingen. Neu hiess der Verband Jörg Schwartze von der Schaerer AG und Lukas Stuber von der Stahl Gerlafingen im Vorstand willkommen.

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