Biberist
Warum Biogen Ansiedlung in Luterbach für die Fabrik Papieri «genial» ist

Der Areal-Entwickler Hiag ist nicht neidisch über die Ansiedlung des US-Konzerns in Luterbach. Im Gegenteil: Damit rücke auch das Areal der Papierfabrik Papieri in Biberist verstärkt auf den Radar potenzieller Investoren.

Franz Schaible
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Michele Muccioli, Projektverantwortlicher bei der Hiag für die «Papieri», will das Fabrikareal in Biberist Schritt für Schritt entwickeln.

Michele Muccioli, Projektverantwortlicher bei der Hiag für die «Papieri», will das Fabrikareal in Biberist Schritt für Schritt entwickeln.

Thomas Ulrich

Welch ein Gegensatz: Der Kanton Solothurn konnte als Eigentümer des Industrieareals der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard in Luterbach mit der US-amerikanischen Biotechfirma Biogen eine Grossansiedlung vermelden. Dagegen verläuft die Wiederbelebung des «Papieri»-Areals in Biberist deutlich langsamer.

Die Basler Hiag Immobilien AG, sie kaufte im Sommer 2012 das Areal in der Grösse von 27 Hektaren, kann derzeit keine neuen Ansiedlungen vermelden. Immerhin, die beiden vor zwei Jahren eingemieteten Logistikdienstleister Sieber und Acin wachsen stark und beschäftigen inzwischen gegen 90 Angestellte.

«Wir führen laufend Gespräche mit Interessenten, die sich eine Ansiedlung auf dem Areal der 2011 geschlossenen Papierfabrik ernsthaft überlegen», erklärt Michele Muccioli, zuständiger Arealentwickler bei der Hiag. Verhandlungen führe man mit mehreren Betrieben aus dem Baugewerbe und aus der IT-Branche. Verträge gebe es zwar noch keine, aber zumindest lägen Mietvertragsentwürfe auf dem Tisch. Insgesamt könnten daraus bis zu 30 Arbeitsplätze entstehen. Derzeit sei das Ansiedlungsgeschäft schwieriger. «Die Abkühlung der Wirtschaftsentwicklung ist spürbar.»

Nicht neidisch auf Luterbach

Bei der Standortevaluation der Biotechfirma Biogen sei Hiag am Anfang auch kontaktiert worden. Das habe sich aber dann rasch «erledigt». «Biogen wollte bekanntlich ein entsprechendes Areal kaufen. Wir dagegen streben in Biberist Mietlösungen an», begründet Muccioli. Damit unterstreiche Hiag ihre Absicht, sich langfristig zu engagieren. Neidisch auf Luterbach sei man nicht. Denn die dortige Ansiedlung sei auch für Hiag «sehr genial». «Damit kommt die gesamte Region auf den Radar potenzieller Ansiedler und Investoren.» Und für die künftige Vermarktung des Papieri-Areals sei das Grossprojekt in unmittelbarer Nähe ein wichtiger Pluspunkt.

«Stehen nicht unter Zugzwang»

Er betont, dass die Entwicklung des Areals in dieser Grössenordnung ein Prozess von rund 20 Jahren sei. Die Hiag stehe nicht unter Zugzwang, denn man sei gleichzeitig Entwickler, Eigentümer und Investor. Inzwischen hat das Unternehmen einen Masterplan erarbeitet und kürzlich dem Gemeinderat der Standortgemeinde Biberist vorgestellt. «Das ist ein sehr wichtiges Planungsinstrument. Der Plan ist zwar nicht rechtsverbindlich, aber er zeigt eine konkrete Vision.» Die Gemeinde wird nun einen Teilzonen- und Erschliessungsplan mit den dazugehörenden Zonenvorschriften ausarbeiten (wir berichteten).

Basis für den Masterplan legte das Projekt «Cité Papier», welches aus einem Studienauftrag an fünf Büros von Architekten und Städtebauern hervorging. «Nach definitivem Abschluss der Arealentwicklung könnten zwischen 900 und 1200 Arbeitsplätze und zwischen 50 und 200 Wohneinheiten in der alten Papieri entstanden sein.»

Interesse an Papiermaschinen

Beim Verkauf des Maschinenparks geht es langsam voran. Zwar konnten einige kleinere Anlagen verkauft werden, aber die drei Papiermaschinen warten immer noch auf einen Käufer. Dabei seien die Verhandlungen mit zwei Interessenten aus Osteuropa noch Anfang 2015 ziemlich weit fortgeschritten gewesen, berichtet Muccioli. Doch die konjunkturellen Turbulenzen und die Währungskrise liessen das Interesse schwinden. Inzwischen laufen wieder Gespräche für die grösste der drei Papiermaschinen, die PM9. «Der potenzielle Investor plant, die Maschine nach Osteuropa zu verlagern und dort wieder in Betrieb zu nehmen.»

Inzwischen sei es auch gelungen, den Standort der Papieri noch attraktiver zu machen. «Wir haben das eigene Wasserkraftwerk komplett saniert.» Damit könne der gesamte aktuelle Strombedarf auf dem Areal mit erneuerbarer Energie abgedeckt werden. Das werde bei Ansiedlungsverhandlungen ein Pluspunkt sein.

Die zwei angesiedelten Firmen schaffen auf dem «Papieri»-Areal zusätzliche Arbeitsplätze

Die Zahl der angesiedelten Firmen auf dem Papieri-Areal ist zwar unverändert bei zwei geblieben. Aber diese haben sich gut entwickelt. Im Sommer 2013 verlegte die Ostschweizer Logistikgruppe Sieber ihren Standort im Mittelland von Stettlen bei Bern nach Biberist. «Wir betreiben hier Logistik- und Transportdienstleistungen, hauptsächlich für das Mittelland», erklärt Logistikchef Markus von Ballmoos. Das Unternehmen startete mit 20 Angestellten, heute beschäftigt Sieber in Biberist gut 70 Mitarbeitende, so von Ballmoos. Sieber bewirtschaftet im Ostteil der ehemaligen Papierfabrik 15 000 Quadratmeter Logistikfläche mit rund 20 000 Palettenplätzen. Nach einem harzigen Start sei man mit dem Geschäftsverlauf zufrieden, und man wolle die Position in der Region weiter stärken. «Je nach Wachstum kann der Personalbestand bis Ende 2016 gegen 100 Mitarbeitende steigen.»

Auch die erst vor zwei Jahren gegründete Acin AG hat sich rasant entwickelt, wie Geschäftsführer Peter Antener auf Anfrage ausführt. Die Logistikfirma ist im Westteil des Papieri-Areals angesiedelt. Mit fünf Mitarbeitenden gestartet, beschäftigt das Unternehmen aktuell 16 Angestellte inklusive zwei Lernende Logistiker EFZ. «Wir stossen räumlich an unsere Grenzen, wir sind voll belegt», sagt Antener. Das Unternehmen bewirtschaftet inzwischen auf drei Etagen die Ware für 20 Kunden. «Wir sind ein Dienstleister für Internet-Shops und übernehmen die Lagerung, Auszeichnung, Konfektionierung, Etikettierung und Distribution von Schuhen, Textilien, Sportartikeln und verschiedenster anderer Waren.» Kunden seien Hersteller oder Importeure von Markenartikeln. Deren Ware werde entsprechend «aufbereitet» und in der richtigen Menge an Verteilzentren, Grossverteiler und Verkaufsläden ausgeliefert.

Der Geschäftsverlauf zeige weiterhin nach oben. So wird Acin ihre Lagerkapazitäten ausbauen. «Dazu werden wir eine Fläche von 8000 Quadratmetern als Aussenlager betreiben.» Details wollte Antener noch nicht preisgeben. Es sei aber denkbar, dass die Zusatzkapazitäten später an den Standort «Papieri» verlagert werden. Am Platz dürfte es dort nicht scheitern. (FS)