Obergericht
War es betrügerischer Konkurs oder nicht?

Die Spitze der Firma Midimap soll Gläubiger geprellt haben. Auch der Kanton ist involviert. Der Fall wurde vor Obergericht neu aufgerollt. Der Staatsanwalt fordert eine bedingte Geldstrafe für den Geschäftsführer und den Finanzverantwortlichen.

Daniel Rohrbach
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Das AWA war eine der Gläubigerinnen der Midimap AG.

Das AWA war eine der Gläubigerinnen der Midimap AG.

Oliver Menge

Das Obergericht musste am Mittwoch den Konkurs der Midimap AG noch einmal aufrollen. Als die Firma vor mehr als elf Jahren ihre Bilanz deponierte, sollen Gläubiger betrogen worden sein. Darunter: das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Das IT-Unternehmen hatte für das AWA Beschäftigungsprogramme für Arbeitslose durchgeführt und dabei über hundert Arbeitslose weitergebildet. Für diese Arbeitslosenprojekte gewährte das AWA Midimap und auch anderen Firmen Darlehen.

Das Obergericht hatte auf Geheiss des Bundesgerichtes noch einmal zu beurteilen, ob im Zusammenhang mit dem Konkurs von Midimap alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Konkret verkauften die Midimap-Verantwortlichen im Oktober 2000 für 20000 Franken eine von der Firma entwickelte Applikation an eine GmbH, bei der der Midimap-Geschäftsführer dieselbe Funktion innehatte. In der Folge konnte die GmbH für eine renommierte Bieler Uhrenfirma Aufträge im Wert von 75000 Franken ausführen. Im Februar 2001 sollte schliesslich der Geschäftsführer seine eigenen Anteilscheine an der GmbH sowie diejenigen seines Bruders an eine andere Firma für 285000 Franken verkaufen.

Im April 2007 hatte das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt den Geschäftsführer, den Verwaltungsratspräsidenten und den Finanzverantwortlichen wegen betrügerischen Konkurses und Urkundenfälschung schuldig gesprochen und zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Das Obergericht sprach später alle drei Angeklagten frei. Die Staatsanwaltschaft liess aber nicht locker und gelangte ans Bundesgericht.

Angeklagter verweigert Aussage

So kam es zur gestrigen Verhandlung vor Obergericht. Anwesend war nur der ehemalige Midimap-Geschäftsführer, er sagte aber nichts.

Staatsanwalt Christian Calamo forderte für den Geschäftsführer und den Finanzverantwortlichen Schuldsprüche wegen betrügerischen Konkurses und mehrfacher Urkundenfälschung eine bedingte Geldstrafe von 10000 beziehungsweise 2000 Franken. Der Preis und der Kaufgegenstand hätten in einem völlig ungleichen Verhältnis gestanden.

Die Verteidiger verlangten Freisprüche. Für beide Verteidiger war klar, wäre nicht der Kanton involviert gewesen, wäre man nie so weit gegangen, sagte Rolf Liniger, der Anwalt des Geschäftsführers.

Das Obergericht urteilt voraussichtlich noch diese Woche.