Auf einen Kaffee mit...
«Wann kommt der Herr Pfarrer?» — das wird diese Seelsorgerin oft gefragt

Auf einen Kaffee mit Rosa Tirler, Betagtenseelsorgerin in Subingen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Zeit für ein Gespräch nehmen Rosa Tirler, Betagtenseelsorgerin.

Zeit für ein Gespräch nehmen Rosa Tirler, Betagtenseelsorgerin.

frb

Am 1. Januar dieses Jahres hat Rosa Tirler ihre 30-Prozent-Stelle im Seelsorgeteam des Pastoralraums Wasseramt Ost begonnen. «Mit Schwerpunkt Betagtenseelsorge» hiess es damals im katholischen Pfarrblatt, als man Rosa Tirler offiziell willkommen hiess. Vorher sei sie einige Jahre in Deitingen im Seelsorgeteam mit dabei gewesen, erklärt die Theologin.

Doch vor rund vier Jahren habe sie diese Arbeit unterbrochen. «Ich brauchte mal einen Marschhalt», sagt die 48-Jährige, während wir im Pfarrhaus in Subingen einen Kaffee trinken. Sie selbst bevorzugt allerdings Tee.

Rosa Tirler ist Südtirolerin. Sie stammt aus Kastelruth in der Nähe von Bozen. «Es ist eine Gemeinde mit einigen kleineren Siedlungen, insgesamt etwa 6000 Einwohner», schildert sie. Jetzt ist auch klar, wie ihr Dialekt einzuordnen ist. In ihrer Heimat besuchte sie eine deutschsprachige Schule. «Wir sprechen alle Deutsch.»

Italienisch sei die erste Fremdsprache gewesen. Doch in der Bevölkerung werde nicht gerne Italienisch gesprochen und dem Italienischen gegenüber sei man früher eher ablehnend eingestellt gewesen. Rosa Tirler illustriert dies mit einer Anekdote: «Hätte ich einen Italiener heiraten wollen, wären meine Eltern alles andere als erfreut gewesen. Aber einen reformierten Berner haben sie akzeptiert.»

Theologie als Wunschstudium

Rosa Tirler studierte zunächst ein paar Semester Theologie in Salzburg und später noch in Freiburg. Die Liebe habe sie damals in die Schweiz gebracht, erzählt sie. Nach dem Ende des Studiums beschloss sie, hierzubleiben, denn sie fand eine Stelle als Seelsorgerin in der Berner Dreifaltigkeits-Pfarrei.

«Das waren schon nicht einfache Zeiten damals für mich», erinnert sie sich. «Beim Arbeiten kam ich schnell mit Leuten in Kontakt. In der Freizeit war es hingegen schwieriger.» Etwas, was die Südtirolerin nicht gewohnt ist, denn: «Ich finde, die Südtiroler sind offener und direkter als die Leute hier.»

Schliesslich heiratete Rosa Tirler, wie schon angedeutet. Sie lebt in Mülchi, Gemeinde Fraubrunnen, und ist Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern. Ihr Mann ist Landwirt. «Er meinte, seine Ehefrau müsse nicht Bäuerin werden, auch wenn er Bauer sei. Ich bin froh zu wissen, dass der Betrieb ohne meine Mithilfe funktioniert, denn mir liegt die Arbeit mit Menschen am Herzen.»

Theologie zu studieren, sei immer ihr Wunsch gewesen. «Nur war mir als junge Frau nicht so klar, was man mit diesem Studium als Frau arbeiten kann.» So habe sie damals auch noch einen Lehrgang in Grundlagen der Psychotherapie absolviert. «Doch alles, was mit der Theologie zu tun hat, hat mich einfach mehr interessiert.»

Trotzdem – nach einigen Jahren als Seelsorgerin entschloss sie sich Ende 2013 zu einem Berufswechsel. «Ich arbeitete während meines Studiums schon als Hilfspflegerin. So habe ich dann einen SRK-Kurs absolviert und dreieinhalb Jahre als Pflegehelferin in einem Seniorenheim gearbeitet. Das war eine sehr gute Erfahrung und ich habe viel gelernt», sagt sie darüber.

Schliesslich sei die Rückkehr in die Seelsorge dann doch wieder das Richtige gewesen und besonders für ihr neues Engagement als Betagtenseelsorgerin seien viele Erfahrungen aus dem Pflegebereich von Vorteil.

«Wann kommt der Herr Pfarrer?»

Als Betagtenseelsorgerin hat sie die Aufgabe, ältere Personen zu Hause oder im Spital zu besuchen, mit ihnen zu sprechen oder ihnen auch die Kommunion zu bringen. «Viele schätzen es ganz einfach, dass jemand vorbeikommt und Zeit für ein Gespräch hat. Ich komme als Mensch und es geht nicht in erster Linie darum, religiöse Themen oder theologische Fragen zu besprechen.»

Meist nimmt Rosa Tirler zunächst telefonischen Kontakt auf und fragt, ob ein Besuch erwünscht sei. «Oder ich gehe in einem Altersheim oder im Spital vorbei und frage das Pflegepersonal, ob eine bestimmte Person Besuch empfangen möchte.»

Einsamkeit und Abschiednehmen sowie die Beschwerden des Alters, vielleicht auch ein familiäres Problem – das seien die Hauptthemen, welche die alten Leute beschäftigen. «Und», sagt Rosa Tirler schmunzelnd: «So manche Person, die meinen Besuch schätzt, sagt dann beim dritten Mal: Und – wann kommt jetzt der Herr Pfarrer.»

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