Schriftsteller

Walter Schenker versöhnt sich in Vietnam mit seiner Heimatstadt Solothurn

Der gebürtige Solothurner Autor Walter Schenker (75) liest am Montag in der Zentralbibliothek aus seinem neuesten Buch.

Der gebürtige Solothurner Autor Walter Schenker (75) liest am Montag in der Zentralbibliothek aus seinem neuesten Buch.

Vom in Trier lebenden Solothurner Autor Walter Schenker ist vor kurzem ein neues Bändchen erschienen. «Visit beautiful Vietnam» hat er es übertitelt und es beinhaltet die Novelle einer Reise ins ehemals vom Krieg gebeutelte Land.

Das Schicksal Vietnams hat den Alt-68er Walter Schenker jahrelang beschäftigt. Ja, unter dessen Tragödie hat der geborene Solothurner selbst fast physisch gelitten. Ein Plakat mit einer schönen Ansicht aus der Halong-Bucht und dem Ausspruch «Visit beautiful Vietnam» hängte Schenker als 20-Jähriger 1968 in seiner ersten eigenen Wohnung auf. Und er erinnert sich an seine damalige Gefühlslage: «1968 wollte ich die Welt verändern mit meinen Solothurner Geschichten mit dem KZ auf dem Weissenstein». Das angeblich geplante KZ auf dem Weissenstein, ein Thema, eine These, welche ihn zeit seines Lebens beschäftigt.

Die letzte grosse Reise

Diese Reise nach Vietnam sollte seine letzte grosse Reise sein, altersbedingt, sagt et im autobiografischen Novellentext. Zitat: «Künftig werde ich in Europa bleiben, sagte ich mir.» Und so besucht er mit einer Gruppe Studiosus-Reisender das Land, dessen Städtenamen und Figuren ihn an seine eigene Opposition in jungen Jahren zu Hause erinnern. Doch hier ist jetzt alles etwas anders geworden, als er sich das jahrelang vorgestellt hatte. Das Schlangestehen zur Besichtigung der einbalsamierten Leiche von Ho Chi Minh, die Besichtigung der Halong-Bucht, die Rucksacktouristen – alles steht auf dem Programm.

Und eine entscheidende Frage stellt Schenker seinem vietnamesischen Reiseführer. Zitat: «Haben Sie etwas gegen die Amerikaner?» – «Nein, da habe er gar nichts, er lacht, die Amerikaner hatten Vietnam bombardiert, aber das sei lange vorbei. Nein, gegen die Amerikaner habe er nichts, im Gegenteil. Er lacht.» Und so steigt im Tourist Schenker die Erkenntnis hoch, dass, wenn ein Vietnamese nichts gegen die Amerikaner habe, «wieso soll dann ich, wo anno dazumal nichts passiert ist, ein Grauen empfinden angesichts der blaugrünen Wand vom Weissenstein».

«In eine unendliche Ruhe»

Die Reise geht weiter nach Kambodscha und dann, nach der Reise, obwohl sie körperlich anstrengend war und ihren Tribut forderte, resümiert Schenker, Zitat: «Vietnam und Kambodscha haben mich in eine unendliche Ruhe gebracht. Sie ist unendlich, weil ich die Verrücktheit der Welt nur aushalte, weil ich um eine andere Welt weiss.» Das wisse er durch Brigitte, seine vor zwei Jahren verstorbene Frau.

Weiter sind in diesem soeben erschienen Bändchen Solothurner Geschichten, Ausschnitte aus seinem Romanen «Professor Gifter», «Anaxagoras», «Eifel», dem verfilmten Roman und weitere Kapitel aus Stücken und Essays zu finden. Zu jedem Stück hat Schenker einen Nachtrag 2018 beigestellt und am Schluss kommt er zur Erkenntnis: «Ich komme nicht los von Solothurn.» Zu seinem 75. Geburtstag ist Schenker von der Zentralbibliothek Solothurn eingeladen, aus dem soeben erschienen Novellenbändchen zu lesen. Ebenfalls freut er sich, dass sein Roman «Eifel» aus dem Jahr 1982 in einem der erfolgreichsten Krimiverlage mit Eifel- und Schwabenkrimis, dem KBV-Verlag, neu aufgelegt wird. Schon vor einigen Jahren wurde dieser Roman verfilmt.

Walter Schenker «Visit beautiful Vietnam» Lesung am Montag, 16.7., 18.30 Uhr im Lesesaal Zentralbibliothek Solothurn.

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