Kanton Solothurn

Walter Bürgi – eine aussergewöhnliche Führungsperson ist tot

Der ehemalige Solothurner Regierungsrat, Armeeoberst und Atel-Chef Walter Bürgi ist 85-jährig einem heimtückischen Krebsleiden erlegen.

Eine Stimme ist für immer verstummt: In Grenchen ist im 85. Altersjahr der ehemalige Solothurner Regierungsrat Walter Bürgi verstorben. Er erlag einem heimtückischen Krebsleiden. Mit Walter Bürgi verliert der Kanton Solothurn eine aussergewöhnliche Führungspersönlichkeit, die sich in Politik, Wirtschaft und Armee grosse Verdienste erworben hat. Als Regierungsrat von 1979 bis 1987, bei der ehemaligen Atel und heutigen Alpiq von 1981 bis 2006 und als Armeeoffizier von 1954 bis 1994.

Erziehungs- und Baudirektor

Vor seinem Eintritt in Regierung und Atel verdiente der promovierte Wirtschaftswissenschafter seine Sporen in Führungstätigkeiten in der Pharma-, Nahrungsmittel- und Uhrenindustrie ab. Als Regierungsrat führte er zuerst als Nachfolger von Alfred Wyser für kurze Zeit das Erziehungsdepartement. Grosse Pflöcke schlug Bürgi dann während seiner siebenjährigen Amtszeit als Bau- und Landwirtschaftsdirektor ein, zum Beispiel: Richtplan Besiedlung und Landschaft, Bau der N5 (heute A5), Sicherung der Fruchtfolgeflächen, Gesamtmelioration Thal, Ausbau der Land- und Hauswirtschaftsschule Wallierhof. Bürgis Nachfolge trat mit Cornelia Füeg die erste Frau in der Solothurner Regierung an.

Generalstabsoffizier

Höhepunkt seiner 40-jährigen Militärkarriere war als Oberst das Kommando des Motorisierten Infanterieregiments 11, des Solothurner Verbandes schlechthin. Zuvor kommandierte der Generalstabsoffizier unter anderem auch das «Solothurner» Füsilierbataillon 90. Kameradschaften aus der Militärdienstzeit pflegte Bürgi bis zu seinem Tod.

Ein Vierteljahrhundert bei der Atel

Ein Vierteljahrhundert widmete sich Walter Bürgi dem Oltner Energiekonzern Atel: 1981 vorerst als Mitglied des Verwaltungsrates, 1991 bis 1999 als Delegierter des Verwaltungsrats und als CEO (zuvor war er von 1988 bis 1991 als Direktor der Motor-Columbus AG tätig) und von 1999 bis 2006 als Verwaltungsratspräsident. Gleichzeitig stand Bürgi auch noch als Verwaltungsratspräsident der Ruag Suisse AG und der Società Elettrica Sopracenerina vor. Bei Bürgis Abtritt war die Atel die grösste und internationalste Energie-Gruppe der Schweiz, die 2009 mit der Westschweizer EOS zur Alpiq fusionierte.

Zum Ausgleich betrieb Walter Bürgi gerne Sport, war auch im Pensionsalter immer wieder mit dem Fahrrad anzutreffen. Im Sport habe er gelernt, Leistung zu erbringen und Niederlagen einzustecken, erklärte er bei seinem Rücktritt bei der Atel in einem Interview mit dieser Zeitung. Darin bezeichnete sich Bürgi selber als «Mensch, der nicht zurückblickt, sondern seinen Fokus nach vorne richtet». So bleibt Walter Bürgi in Erinnerung: Als Führungspersönlichkeit, die sich nie beirren liess, auch in hektischen Situationen nicht. Bürgi war ein Pragmatiker und alles andere als ein Mann der grossen Worte. Und schon gar kein Phrasendrescher. Er brachte immer alles auf den Punkt: kurz und bündig. Von seinen Untergebenen verlangte er vor allem, was er selber vorlebte: Verlässlichkeit.

Trauer und Dankbarkeit

Sein grösster Leistungsausweis liegt aber darin, dass es ihm gelungen ist, Familie Beruf, Politik und Militär unter einen Hut zu bringen. Hier bleibt nun neben Trauer auch Dankbarkeit zurück.

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