Kanton Solothurn
Während der Schulzeit auf Reisen? Kinder müssen nicht gleich ins Homeschooling

Eine Familie aus Langenthal verreist für mehrere Monate in die USA. Die Mutter unterrichtet während dieser Zeit die Kinder zuhause. Ist das im Kanton Solothurn einfach so möglich? Und ist Unterricht auf jeder Reise nötig?

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Reisen mit den Kindern – eine spezielle Erfahrung für alle.

Reisen mit den Kindern – eine spezielle Erfahrung für alle.

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Familie Uebersax aus Langenthal ging letzte Woche auf Reisen. Ein halbes Jahr lang will die vierköpfige Familie mit Gunzger und Oltner Wurzeln im Wohnmobil die USA erkunden. Die beiden Buben im Alter von 4 und 7 Jahren sollen unterwegs unterrichtet werden.

Der Kanton Solothurn ist bekannt für seine restriktiven Homeschooling-Richtlinien. Hätte die Familie ihren Wohnsitz im Kanton gehabt, hätte sie aber trotzdem verreisen dürfen. Das wohl wichtigste Kriterium für Homeschooling: Die Unterrichtenden müssen über ein von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren anerkanntes Lehrdiplom der entsprechenden Schulart und Schulstufe verfügen. Das ist bei der Familie Uebersax erfüllt. Mutter Denise ist Lehrerin.

Solothurner Eltern dürfen die Kinder aber auch auf Reisen mitnehmen, ohne selbst Lehrpersonen zu sein. Ist die Familie bis zu 12 Wochen abwesend, «kann die Schulleitung ein Kind vom Unterricht dispensieren», informiert Andreas Walter, Amtsleiter Volksschulamt Kanton Solothurn. Diese Länge der Absenz werde als kompensierbar angesehen.

Beim Entscheid zur Dispens seien die persönlichen, familiären und schulischen Verhältnisse zu berücksichtigen. «Das Volksschulamt empfiehlt den Schulen in der Entscheidungsfindung auch die Besonderheit/Einmaligkeit bspw. der Reise zu berücksichtigen», sagt Andreas Walter. Bis ins Jahr 2012 gingen Anfragen bezüglich Absenzen direkt ans Volksschulamt. Viele seien das nicht gewesen, meint der Amtschef. Seit der Anpassung der Absenzenordnung im Volksschulgesetz liegt die Kompetenz nun bei den Gemeinden.

Wird eine Reise länger als 12 Kalenderwochen, muss das Kind von der Schule abgemeldet werden. Damit geht die Verantwortung der schulischen Bildung klar an die Eltern. Diese können ihr Sprössling auch im Ausland zur Schule schicken.

Ist das Kind wieder bereit für den Schuleintritt im Kanton Solothurn, wird individuell nach einer Lösung gesucht.

12 Kinder im Homeschooling

Wenn die Familie Uebersax ihr halbes Jahr auf Reisen hinter sich haben wird, könnte es sein, dass die beiden Buben weiterhin zuhause – dann nicht mehr im Wohnwagen – unterrichtet werden. Diesen Schritt überlegen sich die Eltern noch. Noch ist unklar, wo sie wohnen werden. Vielleicht im Kanton Solothurn? Dann würde die Anzahl an Kindern, die hier im Homeschooling unterrichtet werden steigen. Aktuell werden im Kanton 12 Kinder aus 10 Familien zuhause unterrichtet. Die Zahlen sind laut Andreas Walter seit 20 Jahren «sehr konstant».

«Entscheiden sich die Eltern für Homeschooling, entscheiden sie sich bewusst, für ihr Kind das Grundrecht auf öffentliche Bildung nicht in Anspruch zu nehmen», erklärt er den Schritt. Das schriftliche Gesuch für den Unterricht zu Hause beinhaltet eine Begründung und die Personalien des Kindes, die Angaben zur Lehrperson und das Schulungskonzept. Letzteres soll aufzeigen, wie neben der Sachkompetenz, die Selbst- und Sozialkompetenz des betroffenen Kindes gefördert wird.

Liegen alle Informationen vor, holt das Volksschulamt eine Stellungnahme der zuständigen Schulleitung ein. «In einem anschliessenden Gespräch werden die Schulung und allfällige offene Punkte besprochen», erklärt Walter. Welche Gründe geben Eltern denn überhaupt für den Wunsch nach Homeschooling an? Laut Walter sei der überwiegende Anteil der Begründungen religiöser-weltanschaulicher Natur.

Einmal Homeschooling heisst nicht immer Homeschooling: «Jedes Kind kann wieder zurück in die staatliche Schule», betont Andreas Walter. (ldu)