Littering
Waffen und Velos in der Aare – und jede Menge sonstiger Müll am Ufer

Die Regionalplanungsgruppen engagieren sich für ein sauberes Aareufer. Die Polizei unterstützt mit Aufklärungsarbeit und der Tauchclub Solothurn fischt jedes zweite Jahr allerlei Unrat aus der Aare.

Yvonne Aregger
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Leute von Pro Work Grenchen und der Perspektive Solothurn sind wöchentlich im Einsatz, um die Ufer zu säubern.

Leute von Pro Work Grenchen und der Perspektive Solothurn sind wöchentlich im Einsatz, um die Ufer zu säubern.

Oliver Menge

Die vielen sonnigen Tage locken heuer unzählige Menschen ans Aareufer. Dieses leidet weniger am Besuch der zahlreichen Aare-Gänger als vielmehr am Abfall, den einige von ihnen dort zurücklassen. Bemühungen vonseiten der Polizei sowie von Organisationen wirken dem Littering zwar entgegen, doch gelöst ist die Problematik trotzdem noch lange nicht.

Anti-Littering-Projekte

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Stunden wendeten Pro Work Grenchen und die Perspektive Solothurn im vergangenen Jahr für das einsammeln von Abfällen auf.

40'236 Liter Abfall kamen dabei zusammen.

Die Regionalplanungsgruppen «Repla espaceSolothurn» und die «Repla Grenchen-Büren» organisieren Säuberungsaktionen an der Aare von Meienried nahe Büren a. A. bis zum Zuchwiler Emmespitz. «Für den westlichen Teil dieses Gebiets beauftragen wir die Sozialfirma Pro Work von Grenchen, für den östlichen Teil des Aareufers die Perspektive Solothurn», erklärt Konrad Schleiss, Geschäftsführer der Repla Grenchen-Büren.

Die Säuberungsaktionen werden – ausser in den Wintermonaten – wöchentlich durchgeführt. «Das Projekt entstand durch die engen Kontakte der Repla mit den betroffenen Gemeinden. Das Thema Littering war ein Anliegen jener Gemeinden, die das Projekt seit nunmehr 15 Jahren unterstützen», erklärt Schleiss weiter. Einerseits sei es den Gemeinden natürlich wichtig, einen guten beziehungsweise sauberen Eindruck zu machen, andererseits sei bereits seit längerem bekannt, dass auf sauberen Flächen die Hemmung grösser sei, etwas auf den Boden zu werfen.

«Die Abfallmengen gehen in den letzten Jahren tendenziell zurück, aber auf einem hohen Niveau.» Zur Verbesserung beigetragen habe sicher das Fahrverbot im Bettlachrank. Dort sei früher, als man noch bequem mit dem Auto hinfahren konnte, viel mehr Abfall vorgefunden worden. Auch an anderen Orten bewirkte man eine Abnahme durch rechtliche Massnahmen.
Auch am anderen Ende des Kantons, im Solothurner Niederamt, hat man dem Littering den Kampf angesagt. «Das Aareufer ist eben attraktiv, daher haben wir dort auch ein Littering-Problem», erklärt Daniel Gubler, Gemeindepräsident von Winznau.

«Durch die Massnahmen für den Hochwasserschutz ist entlang der Aare im Niederamt ein attraktives Naherholungsgebiet entstanden.» Dieses habe nicht nur Vorteile mit sich gebracht. Ein Nachteil davon sei das Littering. Gubler beschloss dann, etwas gegen die Probleme zu unternehmen. Gemeinsam mit diversen Akteuren – von Polizei bis Regierungsrat – wurde das Projekt «Öisi Aare» auf die Beine gestellt.

Dieses deckt das Gebiet zwischen Trimbach und Erlinsbach ab und bekämpft verschiedene der Nachteile des Naherholungsgebiets Aareufer. Zur Bekämpfung des Litterings wurden Mülltonnen aufgestellt und Plakate, die auf die Problematik hinweisen. «Dadurch hat sich das Littering massiv verringert, wir haben immer noch Abfall an der Aare, nun aber vor allem in den Mülleimern.» Die Oltech GmbH führe ausserdem Sammelaktionen am Niederämter Aareufer durch.

Die In-flagranti-Problematik

«Auch die Polizei wird mit dem Thema Littering konfrontiert, obwohl die Bekämpfung von Littering nicht eine Kernaufgabe der Polizei ist», erklärt Astrid Bucher, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn. «Wir versuchen, durch präventive Massnahmen dem Problem entgegenzuwirken. Zum Beispiel durch regelmässige Fuss-Patrouillen entlang dem Aareufer, die das Gespräch mit den Leuten dort aufnehmen und Gadgets wie Aschenbecher oder Abfallsäcke verteilen.»

Littering werde mit einer Busse von 25 bis 200 Franken bestraft, erklärt Bucher. Aber: «Ein Abfallsünder muss in flagranti erwischt werden. Das bedeutet, nur wenn die Polizei sieht, dass jemand etwas wegwirft, kann man eine Busse aussprechen.»

Diese Problematik kennt auch die Stadtpolizei Solothurn. Kommandant Peter Fedeli betont aber: «Auf Stadtgebiet entlang der Aare haben wir eigentlich kein Litteringproblem. Wir machen derzeit zwar täglich Kontrollen, aber nicht wegen des Litterings, sondern aufgrund des aktuellen Feuerverbots.»

Wie sieht es unter Wasser aus?

Der Tauchclub Solothurn führt jedes zweite Jahr eine «Aareentrümpelung» durch, wenn die Bedingungen stimmen. «Letztes Jahr mussten wir darauf verzichten, da der Wasserpegel zu hoch war», erklärt Matthias Dürig, Präsident des Tauchclubs. Herausgefischt werden bei der Entrümpelungsaktion vor allem Velos, aber auch Absperrtafeln, Regen- und Sonnenschirme, Gläser und Flaschen, Autonummernschilder oder Portemonnaies. «Ein ungerades Mal haben wir auch schon eine Waffe rausgefischt.» Der Tauchclub führt die Aareentrümpelung freiwillig durch. «Es geht uns um den Umweltgedanken, eine saubere Aare ist uns wichtig.»

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