Museumstag
Waffen, Galgen und Exkremente: Auch diese sensiblen Themen haben Platz im Museum

Ein Rundgang durch die faszinierende und spannende Welt der Solothurner Museen.

Katharina Arni-Howald
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Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.
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Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.
Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.
Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.
Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.
Im Museum Blumenstein entführt Magt Marie ihre Gäste ins 18. Jahrhundert und gibt dabei freimütig Intimitäten ihrer Herrschaft preis.
Im Museum Blumenstein entführt Magt Marie ihre Gäste ins 18. Jahrhundert und gibt dabei freimütig Intimitäten ihrer Herrschaft preis.
Im Museum Blumenstein entführt Magt Marie ihre Gäste ins 18. Jahrhundert und gibt dabei freimütig Intimitäten ihrer Herrschaft preis.
Museumstag Solothurn 2017
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.
Der Bau eines Nistkastens für die Mauersegler faszinierte im Naturmuseum Jung und Alt.

Das Museum Pächterhaus zeigte eine Sonderausstellung zur Richtstätte Feldbrunnen.

Thomas Ulrich

Andri hat soeben anhand einer Schablone einen Drachen auf ein Stück Stoff gezeichnet. Nun greift er zu einem Holzstempel und umrahmt das Tier mit Blumenornamenten. Andri liebt Drachen und hat zu Hause einen Wachturm, in dem er sich eine kleine Waffensammlung angelegt hat. Dazu kommt nun die kleine Stofffahne, die im Museum Altes Zeughaus Form annimmt. Im ersten Stock befassen sich Erzieher mit der Frage: «Darf man mit Kindern ein Waffenmuseum besuchen?» Grundsätzlich ja, sagt die Co-Leiterin des Museums, Claudia Moritzi: «Bei uns geht es um Geschichte und essenzielle Fragen, welche die Menschen beschäftigen.»

Daran hat sich auch der Internationale Museumsrat (ICOM) orientiert, als er den diesjährigen Titel «Mut zur Verantwortung! Sensible Themen im Museum» auswählte. Solche sensiblen Themen gibt es auch in den städtischen Museen von Solothurn, wenn auch nicht immer auf den ersten Blick sichtbar.

Beruf des Bildhauers

Das ist auch im Steinmuseum so, wo der Museumstechniker und Steinbildhauer Til Frentzel vor einer zwischen Feldbrunnen und Riedholz gefundenen Säule eines Galgens steht. Mit Hilfe eines nachgeahmten Sockels und bereitstehendem Bildhauerwerkzeug können Kinder und Erwachsene selbst Hand anlegen und dabei erfahren, wie anspruchsvoll der Beruf eines Bildhauers ist und wie schwer zu bearbeiten der Solothurner Stein sein kann.

Das Thema Richtstätte nimmt auch die Sonderausstellung der Kantonsarchäologie im Pächterhaus des Museums Blumenstein auf, während die Stadtführerin Marie-Christine Egger im Hauptgebäude über das Leben, Lieben, Leiden und Laster der Herrschaft berichtet und die Besucher zum Staunen bringt.

Der Empfang im Kunstmuseum ist herzlich. Die Kunstvermittlerin Claudia Leimer erzählt die Geschichte des Erfinders Serafin, dessen Maschinerien und Objekte die Fantasie der Kinder beflügeln. Sie bekommen Schwämme, Küchentücher und Aschenbecher in die Hand gedrückt und finden diese Gegenstände in der gegenwärtigen Ausstellung der Solothurner Künstlerin Nancy Wälti wieder, die das Alltägliche zu Kunstwerken verwandelt, wie der wissenschaftliche Assistent Robin Byland in seiner Kurzführung bekannt gibt. Zum Abschluss gibt es einen Serafindrink und ein Erfinderspiessli aus Süssigkeiten, das sich die Kinder selbst zusammenstellen können.

Mit griechischen und römischen Toilettenanlagen mit ausgeklügelter Wasser-und Abwasserversorgung, lockeren Badesitten zu denen auch das Tafeln im Wasser gehörte, Séparées für Liebespaare, wohlhabenden Bürgern und Geistlichen und verschiedenen Ritualen befasst sich Cécile Eggenschwiler im Kabinett für Trivialliteratur. Wie in anderen Städten war das Badewesen auch in Solothurn sehr beliebt. Es gab das Krautbad an der Mündung des Stadtbachs unter dem Garten des Palais Besenval, ein weiteres bei der Wengibrücke und eines beim ehemaligen Franziskanerkloster. Erst Holzmangel und die Angst vor Seuchen sowie behördliche Reglementierungen liessen ab Mitte des 16. Jahrhunderts die Badestuben eingehen.

Wenig Appetitliches weiss sie über den späteren Lokus zu berichten: «Es gab in der Stadt keine Kanalisation, die Exkremente wurden auf die Strasse gekippt und schwammen offen in der Mitte der Strasse, wo sich die Schweine tummelten.» Der Gestank vermischte sich mit dem Rauch der Holzfeuer, was im Sommer kaum auszuhalten war. Um dem zu entfliehen, verzogen sich die begüterten Stadtbewohner auf ihre Sommersitze ausserhalb der Stadtmauern.

Wie ältere Einwohner erinnert sich auch Cécile Eggenschwiler an das Stadtbad beim Klosterplatz, das zugleich das Pintenschankrecht besass. Die Badeanstalt samt Taverne wurde «Zum St. Peter» genannt und die Badezimmer zogen sich bis zur Propsteigasse hinauf.