Balsthal-Karte
Vorsicht, diese digitale Karte kann sogar Laien süchtig machen!

Wer glaubt, eine geologische Karte sei nur etwas für die Fachleute, hat recht. Aber nur zum Teil. Die Nummer 139 zeigt die erste und zweite Jurakette zwischen Balsthal und dem Weissenstein. Für Laien kann sie eine wahre Fundgrube sein.

Alois Winiger
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Das Bundesamt für Landestopografie stellte die Karte Nummer 139 am Montag vor.

Das Bundesamt für Landestopografie stellte die Karte Nummer 139 am Montag vor.

admin.ch

Wer braucht überhaupt noch eine Landkarte, eine auf Papier? Der Autofahrer? Sicher nicht, der fährt nach Befehl des Navigationsgeräts. Der Wanderer? Möglicherweise, aber allenfalls einer im Alter über 50.

Der Jüngere zückt das Handy und sucht sich die beste Route. Sicher ist jedenfalls, dass Autofahrer und Wanderer das Bedürfnis für eine Karte haben, sei sie nun auf Papier oder digital auf dem Bildschirm.

Aber wer hat Bedarf an einer geologischen Karte? So eine, die das Bundesamt für Landestopografie am Montag vorgestellt hat?

Sie trägt die Nummer 139 und zeigt einen relativ kleinen Ausschnitt der Schweiz mit der ersten und zweiten Jurakette zwischen Balsthal und dem Weissenstein sowie dem angrenzenden Mittelland.

So viel kann vorausgeschickt werden: Hat man einmal so eine Karte zusammen mit den Erklärungen vor sich, kann es einen packen, faszinieren, ja sogar süchtig machen.

Ein wesentlicher Unterschied zu einer Wander- oder Autokarte besteht darin, dass die geologische Karte über Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte hinweg Gültigkeit behält, darum bildet sie auch die Basis für viele Kartenwerke.

«Geologische Karten sind in erster Linie etwas für Spezialisten», sagt Ruedi Bösch, Leiter Kommunikation im Bundesamt für Landestopografie. «Aber», so betont er, «selbstverständlich können sie auch für Nicht-Fachleute sehr informativ und spannend sein.»

Davon später. Zuerst zu den Fachleuten. Wer sind sie? «Vorab sind es alle jene, die in irgendeiner Form mit dem Boden respektive dem Untergrund zu tun haben.»

Dazu gehören die Gebiete der Trinkwasserversorgung, der Rohstoffe wie Kies, Erde, Gestein, ferner des Tunnelbaus und der Sicherheitsvorkehrungen bezüglich Rutschgebiete.

«Geologische Büros nutzen die Kartenblätter vor allem bei Offertanfragen, wenn es um Gebiete geht, die ihnen weniger bekannt sind, und für Sofortauskünfte.»

Was Laien von der Karte haben

Als ein unverzichtbares Werkzeug, quasi als Basis, gilt eine geologische Karte auch bei den kantonalen Ämtern, so im Amt für Umwelt.

«Wir können uns mit einem Blick auf die Karte einen Überblick verschaffen», erklärt Yvonne Kaufmann, Geologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Boden.

«Es ist schnell ersichtlich, ob tragfähiger Untergrund wie Fels vorhanden ist, der allenfalls ein Problem beim Aushub einer Baugrube, nicht aber bei der Fundation eines Gebäudes ist. Oder wenn Ton im Untergrund ansteht und deswegen eine Gebäudefundation mit Pfählen geprüft werden muss.»

Zum Thema Fels nennt Yvonne Kaufmann als konkretes Beispiel die Umfahrung Klus, bei der mehrere Varianten mit Führung durch einen Tunnel geprüft wurden.

«Auf der geologischen Karte ist klar und einfach erkennbar, mit welcher Art Gestein man es zu tun hat.» Im Zusammenhang mit der Klus bei Balsthal erwähnt Kaufmann den Durchblick in die Urzeit, den man von der Schwängimatt aus hat.

Es ist einer von acht Durchblicken bzw. Standorten im Kanton Solothurn, bei denen man einen besonders guten Blick auf eine geologische Sehenswürdigkeit hat. Womit wir bei den Laien wären, für die eine geologische Karte eine wahre Fundgrube sein kann.

Es ist gut möglich, dass man sich beim nächsten Spaziergang bewusst wird, dass man nicht einfach auf einen «Hoger» gestiegen ist, sondern auf eine Moräne, die einer der Gletscher vor vielen tausend Jahren hinterlassen hat.

Damit wäre ein Anfang gemacht für eine geologische Entdeckungsreise, die vor der Haustüre beginnt. Wer noch zusätzlich Anschauungsunterricht geniessen möchte, für den lohnt sich der Besuch in einem Naturmuseum. Dort sind jede Menge Funde aus dem Gebiet der Geologie zu bestaunen.

Hier geht's direkt zur digitalen Karte

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