Precobs
Vor Einbrüchen warnen? Polizei verzichtet auf Blick in digitale Glaskugel

Das Computerprogramm Precobs will voraussagen können, wo es zu einem Einbruch kommen könnte. Die Solothurner Polizei verzichtet vorläufig auf das Programm. Die Einbrüche gingen 2015 trotzdem massiv zurück.

Lucien Fluri
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Im Kanton Solothurn kommt das Programm Precobs, das erkennen will, wo es künftig Einbrüche geben könnte, nicht zum Einsatz. (Themenbild).

Im Kanton Solothurn kommt das Programm Precobs, das erkennen will, wo es künftig Einbrüche geben könnte, nicht zum Einsatz. (Themenbild).

Keystone

Es klingt so verlockend. Precobs heisst ein Computerprogramm, das – gefüttert mit älteren Daten zu Einbrüchen – erkennen will, wo es künftig Einbrüche geben könnte. Der Aargau vertraut schon darauf; nicht aber die Solothurner Polizei. Warum, wollte Kantonsrätin Anita Panzer (FDP, Feldbrunnen) nun in einer Interpellation wissen.

Sie glaubt an die Aussagekraft von Kommissar Computer. Schliesslich würden Einbrecher nicht nur oft «nach dem gleichen Muster vorgehen», sondern auch «mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Tage in einem bestimmten Umkreis ein weiteres Mal zuschlagen». Im Aargau, so Panzer, habe «die Software kritische Stimmen Lügen gestraft, in dem sich die Prognosen mehrfach als ziemlich genau erwiesen haben».

Zwar ist die Kantonspolizei in ihrer Antwort überzeugt, dass die «vorausschauende Polizeiarbeit» künftig an Wichtigkeit gewinnen wird. Derzeit will sie aber nicht auf den Zug aufspringen. «Die Polizei Kanton Solothurn wartet bewusst fundierte Evaluationen verschiedener in- und ausländischer Polizeikorps ab», heisst es in der Antwort. Anfang 2017 will die Kapo ein erstes Fazit ziehen und sich allenfalls erneut über die Beschaffung von Precobs Gedanken machen.

Die Kapo betont, dass sie bei der Bekämpfung von Einbrüchen schon heute einen Schwerpunkten setze. So würde die Bevölkerung mittels Kampagnen sensibilisiert – mit Erfolg, wie die Polizei festhält: «Verschiedene Meldungen aus der Bevölkerung, welche zu Anhaltungen führten, zeigen den Nutzen.»

25 Prozent weniger Einbrüche

2015, so hält die Polizei in der Interpellationsantwort fest, sind die Einbrüche im Vergleich zu 2014 bereits um 25 Prozent zurückgegangen. «Aufgrund dieser aktuellen Entwicklung kommt die Polizei zum Schluss, dass die verschiedenen von ihr eingesetzten Mittel derzeit genügen.»

Die Polizei glaubt nicht, dass Einbrecher nun in Kantone ausweichen, die Precobs nicht nutzen. «Die taktischen Einsatzmittel und die Kantonsgrenzen sind oft nicht bekannt.» Vielmehr hänge die Wahl des Einbruchobjekts primär davon ab, «wie hoch die zu erwartende Beute ist, wie gut das Gebäude geschützt ist und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, erwischt zu werden».

Schon heute verweigert sich die Kapo nicht ganz Software-Analysetools. Gemeinsam mit anderen Kantonen läuft ein Pilotversuch. So sollen kantonsübergreifende Seriendelikte erkannt werden. Und beim Programm Bedrohungsmanagement hofft die Polizei, auch dank dem Computer potenzielle Amoktäter zu erkennen. Trotzdem warnt die Kapo jetzt: Wer denke, Menschen handelten nach erkennbaren Mustern, «berücksichtigt die Komplexität menschlichen Handelns zu wenig». Einbrecher etwa könnten schnell Gegenstrategien entwickeln.