Solothurner Kantonsrat

Vor der bildungspolitischen Redeschlacht

Hier werden am Dienstag die Themen rund um die Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21» diskutiert.

Hier werden am Dienstag die Themen rund um die Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21» diskutiert.

Im Solothurner Kantonsrat stehen in der Sitzung vom Dienstag folgendes zur Debatte: die Volksinitiative «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21».

Gleich zu Beginn des neuen Jahres dürfte es heute Dienstag im Solothurner Kantonsrat zu einer bildungspolitischen Redeschlacht kommen. Denn am Lehrplan 21 scheiden sich die Geister. Und im Parlament steht die Volksinitiative gegen den harmonisierten Deutschschweizer Lehrplan zur Debatte.

Wie in einigen andern Kantonen ist nämlich auch in Solothurn ein solches Volksbegehren zustande gekommen: Hierfür hat im Juni letzten Jahres das Komitee «Ja zu einer guten Volksschule – ohne Lehrplan 21» gegen 3200 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht. Hinter der Volksinitiative stehen geschlossen die SVP, die GLP und die EVP. Dem Initiativkomitee angeschlossen haben sich zudem einzelne prominente Vertreter der CVP.

Volk will Harmonisierung

Wie kam es überhaupt zum Lehrplan 21? Die Bevölkerung des Kantons Solothurn hat sich im Jahre 2006 – im Rahmen der eidgenössischen Abstimmung zur Neuordnung der Verfassungsbestimmungen zur Bildung – für die Harmonisierung und im Jahr 2010 für den Beitritt zum Harmos-Konkordat ausgesprochen.

Nachdem bis anhin praktisch jeder Kanton seinen eigenen Bildungsplan hatte, wurden dem Auftrag aus der Bundesverfassung folgend die Grundlagen geschaffen, um für jede Sprachregion einheitliche Lehrpläne zu erstellen. Die französischsprachigen Kantone konnten ihren Plan d’études romand bereits 2011 einführen. Die 21 Deutschschweizer Kantone arbeiteten bis 2009 an den Grundlagen und von 2010 bis 2014 am Produkt «Lehrplan 21».

Die Erarbeitung durch Fachpersonen der Pädagogischen Hochschulen und durch erfahrene Lehrpersonen war von zwei Vernehmlassungen begleitet, die in allen Kantonen durchgeführt wurden. Alle politischen Parteien, Lehrerinnen- und Lehrerverbände, Schulleiterinnen- und Schulleiterverbände, Berufsorganisationen und Interessenvertretungen konnten sich dazu äussern. Die öffentliche Mitarbeit brachte Verbesserungen im Hinblick auf die Übersicht und die Lesbarkeit und eine 20-prozentige Kürzung.

Der Lehrplan 21 beschreibt mittels eines systematischen Aufbaus in der Form von Kompetenzen, was Schülerinnen und Schüler während ihrer Schullaufbahn erreichen sollen. Er gliedert sich in drei Zyklen (Kindergarten und 1./2. Klasse der Primarschule, 3. bis 6. Klasse der Primarschule und Sekundarstufe I).

Die Kompetenzbeschreibungen beinhalten Wissen, Können und Anwenden. Immer am Ende eines Zyklus sind Grundanforderungen beschrieben. Die Anschlüsse an die Berufswelt und die weiterführenden Schulen der Sekundarstufe II sind somit einheitlich dargestellt und für die gesamte Deutschschweiz gleich.

Kantonaler Lehrplan?

Die Volksinitiative versucht mit einem ausformulierten Gesetzestext, die Einführung dieses Lehrplans im Kanton Solothurn zu verhindern. Würde der vorgeschlagene neue Gesetzestext in das Volksschulgesetz aufgenommen, müsste für den Kanton Solothurn ein eigener Lehrplan verfasst werden. Sowohl die Regierung als auch die Finanz- sowie die Bildungs- und Kulturkommission empfehlen dem Kantonsrat die Ablehnung der Initiative.

Interessante Themen

Durch persönliche Vorstösse kommen interessante Themen aufs Tapet, zum Beispiel: Subventionierte Plätze der familienergänzenden Kinderbetreuung, kantonale Demenzstrategie, Zuständigkeit der Friedensrichter, Fristverlängerung bei Majorzwahlen (zweite Wahlgänge) für Rückzug von Kandidierenden und Einreichung von Ersatzvorschlägen, Kontrolle von Kesb und Sozialregionen, Einstiegshilfe für Arbeitslose über 50.

Der Kantonsrat tagt am Dienstag von 8.30 bis 12.30 Uhr. Die Sitzung ist öffentlich. Der zweite Sessionstag wurde mangels spruchreifer Geschäfte gestrichen.

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