Logiernächte
Vor allem Stadthotels locken viele Gäste an

Gegen den nationalen Trend trotzen die Hotels in den Städten entlang dem Jurasüdfuss und im Mittelland dem starken Franken und der unsicheren Wirtschaftslage. Das Wachstum der Logiernächte über zehn Jahre liegt teilweise im hohen zweistelligen Bereich.

Franz Schaible
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Die Stadt Bern bleibt ein Magnet für Touristen aus aller Welt – das freut die Hoteliers. Hanspeter Bärtschi

Die Stadt Bern bleibt ein Magnet für Touristen aus aller Welt – das freut die Hoteliers. Hanspeter Bärtschi

Wir konnten 2012 die Bettenauslastung gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent steigern», sagt Alexandra Stierli, Leiterin des Parkhotels in Langenthal. Mit dieser auf den ersten Blick überraschenden Aussage steht die Hotelmanagerin quer in der Landschaft. Denn gesamtschweizerisch war das vergangene Jahr zum Abwinken. Der Rückgang der Logiernächte hat sich nach 2011 auch 2012 fortgesetzt. Das Minus bei den Übernachtungen betrug 720 000 oder zwei Prozent.

Auf den zweiten Blick bestätigt Alexandra Stierli aber einen Trend. Die Hotellerie in den Städten in unserer Region leidet weniger stark unter den wirtschaftlichen Turbulenzen mit hoher Unsicherheit und starkem Franken. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass der Rückgang der Logiernächte in der regionalen Stadthotellerie deutlich niedriger als landesweit ausfiel oder gar gesteigert werden konnte.

Noch markanter zeigt sich die unterschiedliche Entwicklung beim 10-Jahres-Vergleich. Demnach konnten die meisten Hotels in Solothurn, Biel, Bern, Olten oder auch Grenchen im zweistelligen Bereich wachsen, während die ganze Schweizer Hotellerie «nur» 8,9 Prozent wuchs.

Hohe Summen investiert

Die Städte entlang dem Jurasüdfuss von Baden bis Biel und im Mittelland hätten in den vergangenen Jahren hohe Summen in die Tourismusentwicklung investiert, beobachtet Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. «Zuvor war das kaum ein Thema. Die konsequente Vermarktung der bislang eher ‹unbekannten Schweiz› lohnt sich nun offensichtlich.»

Es sei gelungen, die kleineren Städte sichtbarer zu machen. «Die Investitionsbereitschaft ist da. Dass selbst von privater Seite Geld in die Hand genommen wird, zeigt, dass an die Zukunft des regionalen Tourismus geglaubt und sich der Erfolg nicht als Eintagesfliege entpuppen wird», ist Hofer überzeugt.

Die Aufbruchstimmung ist ebenso in Biel spürbar. Dort hat es aber einen speziellen Grund. «Die Expo 02 hat in Biel und im Drei-Seen-Land zu einem touristischen Aufschwung geführt, der bis heute spürbar ist», erläutert Samuel Kocher, Direktor von Tourismus Biel Seeland. Biel habe damals 150 Millionen Franken in die Stadterneuerung investiert, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr sei verbessert und das Angebot der Schifffahrt und für den Langsamverkehr entlang dem See ausgebaut worden. D

ank der Expo sei die Marke Biel und Drei-Seen-Land millionenfach kommuniziert worden. Entscheidend für die positive Entwicklung in den Stadthotels sei zudem die Weiterentwicklung des Tagung-, Seminar- und Kongress-Tourismus. Man habe diese Sparte an die touristische Schiene herangeführt. Als wichtigen Schritt für die touristische Vermarktung bezeichnet Kocher die Zusammenarbeit mehrerer Regionen – von Neuenburg und Jura, über Biel bis hin zur Region Solothurn – unter der Dachmarke «Jura und Drei-Seen-Land». Dadurch sei man auch beim Hauptpromotor Schweiz Tourismus in der oberen Liga präsent. «Das verschafft der Region mehr Visibilität und davon profitieren wir.»

Glaube an Zukunft

Auch in Langenthal ist der Glaube an die Zukunft spürbar. «Wir haben in den vergangenen drei Jahren viel Geld in die Modernisierung und Renovation unseres Hauses gesteckt», sagt Alexandra Stierli vom Parkhotel. Die Neupositionierung sei von den Gästen mit höheren Buchungen gedankt worden. Diese Woche sei das Parkhotel vom Branchenverband Hotellerie Suisse als 4-Sterne-Haus zertifiziert worden. «Damit sind wir das erste und einzige 4-Sterne-Haus in Langenthal und Umgebung», berichtet Stierli. Das Parkhotel verfügt über 37 Zimmer mit 70 Betten.

Alle befragten Tourismus-Profis orten zudem im veränderten Reiseverhalten einen weiteren Grund für die positive Entwicklung. Die Städte profitierten vom Trend weg vom klassischen zwei- bis dreiwöchigen Urlaub hin zu kleineren Tranchen. «Die Ferienreisenden buchen kürzere, dafür mehrere Aufenthalte», erklärt Isabel Furrer, Sprecherin von Bern Tourismus. Eine Stadt als Destination sei wetter- und saisonunabhängig. Gerade Bern mit dem grossen Kulturangebot locke Gäste während des ganzen Jahres an.

Weniger europäische Gäste

Landesweit hinterlässt der starke Franken in den Buchungsbüchern der Hotels tiefe Spuren. Während die Inlandgäste 2012 fast gleichviel Logiernächte generierten wie im Vorjahr, fiel der Rückgang der Gäste aus Europa mit minus 7,7 Prozent massiv aus. Da entpuppt sich die Gästestruktur in den Städten unserer Region als Segen. «Wir sind primär binnenmarktorientiert. Der Anteil an Schweizer Gästen ist sehr gross», sagt beispielsweise Jürgen Hofer von Region Solothurn Tourismus.

Deshalb sei der Einfluss des Euro-Wechselkurses eher bescheiden. Im Gegensatz dazu spürt die Hotellerie am Autobahnkreuz A1/A2 in Egerkingen den starken Franken deutlich. «Der Wechselkurs spielt eine wichtige Rolle», sagt Ute Dirks, Geschäftsleiterin des Mövenpick Hotels Egerkingen. Es komme vor, dass potenzielle Gäste im angrenzenden Euroraum übernachten statt in Egerkingen. «Wenn der Euro weiterhin schwach bleibt, sind die Aussichten für Geschäftsabschlüsse mit Gästen und Firmen aus Euroländern nicht positiv.» Trotzdem konnte Mövenpick 2012 die Belegung um zwei Prozent steigern. Denn die Anzahl der Gäste aus Asien und Südamerika nehme stetig zu.

Auch im laufenden Jahr hat sich die positive Entwicklung mehrheitlich fortgesetzt. Die meisten Städte konnten im Januar bei den Übernachtungszahlen zulegen. In Bern kündigte Tourismus-Chef Markus Lergier an, die Marke von 700 000 Logiernächten ins Visier zu nehmen. Übrigens: Schweizweit verzeichnete die Hotellerie im Januar einen Rückgang von 1,4 Prozent.