Hans Haidegger (1913–1991) kam im Alter von sechs Monaten mit seinen Eltern aus Bludenz (Ö) in die Schweiz. Sein Vater Johann Nepomuk Haidegger, Berufsoffizier bei den Kaiserjägern, hatte im Ersten Weltkrieg eine Augenverletzung erlitten und wollte sich hier behandeln lassen. Hans wurde nach technischer Ausbildung Chefkonstrukteur beim Uhrenhersteller Ebauches SA, später Direktor einer Tochterfirma und Leiter des Büros für Automatisierung. Er war ein Tüftler und Erfinder, der für seine Firma viele Patente erwarb.

Die 2621 Meter hohe Kingspitz-Nordostwand war 1938 noch eine grosse alpinistische Herausforderung

Die 2621 Meter hohe Kingspitz-Nordostwand war 1938 noch eine grosse alpinistische Herausforderung

Schon früh begann er mit Klettern im Jura, wo ihm eine Reihe von Erstbegehungen in den damals höchsten Schwierigkeitsgraden gelangen, vor allem in der Umgebung von Solothurn, wo er wohnte. Der Alpinhistoriker und Kletterer Claude Rémy nennt ihn «Père de l’escalade dans le Jura». Im Berner Oberland gelangen ihm in den 30er-Jahren schwierige kombinierte Wände, darunter mehrere Erst- und Zweitbegehungen. Oft begleiteten ihn dabei Frauen, vor allem Mäusi Lüthi, eine der ersten Extremkletterinnen der Schweiz, und die Baslerin Lucie Durand.

Anfang August 1937 kletterte er allein in der Eigernordwand bis etwa zur halben Wandhöhe – also noch vor der Erstbegehung 1938 – um die Route für eine mögliche Schweizer Begehung zu erkunden. Dabei kletterte er östlicher als die heute übliche Route direkt zum ersten Eisfeld hinauf.

Vermutlich erreichte er die Höhe des sogenannten Todesbiwaks. Wenige Tage später, am 5./6. August 1937, versuchte er mit Lucie Durand die Zweitbegehung der Nordostwand des Eigers. Wegen der schlechten Verhältnisse stiegen sie zum Mittellegigrat aus. Der Ansturm von Deutschen und Österreichern auf die Eigernordwand vermieste Haideggers Pläne einer Erstbegehung.

Im Herbst 1938 gelang ihm mit dem Berner Oberländer Bergführer und Skirennfahrer Hermann Steuri sowie Mäusi Lüthi die Erstbesteigung der Kingspitz-Nordostwand in den Engelhörnern, damals eine der schwierigsten Felsrouten der gesamten Alpen.

Hans Haidegger, der sich immer als Schweizer gefühlt hatte, wurde 1942 eingebürgert und leistete Militärdienst als Funker bei den Übermittlungstruppen. 1943 heiratete er Lily Zurmühle aus Solothurn – eine begeisterte Kletterin. Der Ehe entsprossen drei Töchter, darunter die Anwältin und Politikerin Lili Nabholz-Haidegger und die Chemikerin Eva-Maria Rossi-Haidegger. Nach der Heirat gab er das extreme Bergsteigen auf, blieb aber zeitlebens der Natur und den Bergen verbunden.

*Der Autor ist Kommunikationsbeauftragter des SAC Weissenstein.