Notlandung

Vor 70 Jahren musste ein amerikanischer Bomber in Utzenstorf notlanden

Vor 70 Jahren musste eine «fliegende Festung» in einem Kartoffelacker bei Utzenstorf notlanden. Wer konnte, machte so rasch als möglich ein Foto.

Vor 70 Jahren musste eine «fliegende Festung» in einem Kartoffelacker bei Utzenstorf notlanden. Wer konnte, machte so rasch als möglich ein Foto.

Am 17. August 1943 musste die Besatzung des amerikanischen B-17-Bombers «Battle Queen – Peg of my Heart» in Utzenstorf notlanden – die Besatzungsmitglieder wurden interniert, das Flugzeug demontiert und nach dem Krieg verschrottet.

Es war ein heisser Tag, die Kartoffelernte war gerade in vollem Gange, als plötzlich das Brummen eines grossen Flugzeugs zu hören war. Ein amerikanischer B-17-Bomber – landläufig als «Fliegende Festung» bezeichnet – setzte von Kirchberg her beim Oeschsträsschen zur Landung an und kam schliesslich auf einem Kartoffelfeld nahe der grossen Eiche beim Schützenhaus Utzenstorf zum Stillstand. Nachdem die Bauern den Besatzungsmitgliedern mit Händen und Füssen und einer auf ein seidenes Halstuch gedruckten Landkarte erklärt hatten, dass sie in der neutralen Schweiz gelandet seien, unterliessen es die amerikanischen Soldaten, das Flugzeug in Brand zu stecken.

Von überall her kamen Neugierige, um diesen Bomber, der notgelandet war, aus der Nähe anzusehen – und wer einen Fotoapparat besass, machte auch gleich Bilder. Doch schon bald tauchte die Ortswehr auf, entwaffnete die Mannschaft und quartierte die zehn Besatzungsmitglieder vorläufig im Landgasthof Bären und im Hotel Bahnhof ein. Der Landeplatz wurde mit Stacheldraht gesichert, sämtliche Fundgegenstände und auch die Filme aus den Fotoapparaten mussten abgegeben werden. Der Bomber wurde schliesslich demontiert, der Rumpf per Bahn und die Flügel per Lastwagen nach Dübendorf transportiert.

Am nächsten Samstag, dem 17. August, sind es genau 70 Jahre her, seit der B-17-Bomber «Battle Queen» in Utzenstorf notlandete. Der Utzenstorfer Rolf Zaugg, der seit gut zwanzig Jahren Akten und Fundgegenstände sämtlicher in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs niedergegangenen Bomber und Jagdflugzeuge sammelt und zu einer grossen Anzahl von amerikanischen Kriegsveteranen und deren Nachkommen Kontakt hatte und hat, weiss, dass die Utzenstorfer Notlandung – wie auch andere Landungen und Abstürze – in den Familiengeschichten der ehemaligen Besatzungsmitglieder Spuren hinterlassen haben.

«Mich beeindruckt, wie tief gerührt Enkel und Urenkel sind, wenn ich sie an die Stellen führe, wo einst ihre Grossväter und Urgrossväter standen», erzählt der gelernte Hochbauzeichner. «Wenn ich ihnen die Geschichten erzähle, die ich von den Veteranen erfahren habe, Fotos der Besatzungsmitglieder zeige, die sie noch nie gesehen haben, oder lange unter Verschluss gehaltene Unterlagen vorlege, merke ich immer, wie wichtig die Aufarbeitung dieser Familiengeschichten ist.» Aus diesem Grund ist er auch immer gerne bereit, mit Interessierten die Notlande- und Absturzstellen nicht nur in Utzenstorf, sondern auch an anderen Orten in der Schweiz zu besuchen – oder eine Führung durch sein privates B-17-Museum zu machen.

Besuche und Führungen in Rolf Zauggs Privatmuseum auf Anfrage, Tel. 079 653 13 57.

Weitere Infos: www.warbird.ch, http://swissinternees.tripod.com

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