Ingenieurschule
Vor 50 Jahren begann die Ingenieurausbildung in der Nordwestschweiz

Im Kanton Solothurn werden seit 50 Jahren Ingenieure ausgebildet. Der ehemalige Direktor der Ingenieurschule Grenchen-Solothurn HTL schaut zurück in die Vergangenheit.

Andreas Toggweiler
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Fritz Glarner vor dem Parktheater Grenchen, wo die erste Diplomfeier stattfand. Morgen feiern hier die «Ehemaligen».

Fritz Glarner vor dem Parktheater Grenchen, wo die erste Diplomfeier stattfand. Morgen feiern hier die «Ehemaligen».

Hanspeter Bärtschi

Mit der Gründung des Abendtechnikums Grenchen-Solothurn (ATGS) hat vor 50 Jahren die Ingenieurausbildung in der Nordwestschweiz ihren Anfang genommen. Das geflügelte Wort, «dem Ingenieur ist nichts zu schwör» aus dem Schnabel des berühmten Entenhauseners Daniel Düsentrieb war damals auf zahlreiche Männer und vereinzelte Frauen aus dem Mittelland bestimmt zutreffend: Sie entschieden sich für eine anforderungsreiche, viereinhalbjährige (ab 1976) berufsbegleitende Ausbildung zum Maschinen- oder Elektroingenieur oder später zum Informatiker.

«Abendtech»

«Viele arbeiteten während des Studiums voll und hatten auch noch Familie», erinnert sich Fritz Glarner, Direktor der Ingenieurschule Grenchen-Solothurn HTL von 1975 bis 1997. Bis zur Gründung der Ingenieurschule Oensingen (eine Tagesschule) haben rund 1000 Absolventen das «Abendtech» in Grenchen und Solothurn besucht. Viele von ihnen treffen sich heute in Windisch und morgen in Grenchen zu Jubiläumsveranstaltungen.

Industrie mochte nicht warten

«Nach erfolglosen Bemühungen der Politik für die Gründung einer interkantonalen Ingenieurausbildung anfangs der 60er-Jahre mochte die boomende Industrie am Jurasüdfuss nicht mehr länger warten», erklärt Glarner. Er ist OK-Präsident des Jubiläums und Mitverfasser einer Festschrift. Der Mangel an gut ausgebildeten Berufskadern war auch damals eklatant. So wurde am 15. Mai 1963 in der «Krone» Solothurn die Gründungsversammlung eines Trägervereins abgehalten. Verein und Aufsichtskommission waren stark von Vertretern von Industriefirmen wie Ebosa und Schild SA (Grenchen) oder Scintilla und Sulzer (Solothurn/Zuchwil) geprägt. Erster Direktor war Fritz Grütter.

Der Unterricht startete am 23. Oktober 1963 in den Schulhäusern III + IV in Grenchen und im Gewerbeschulhaus Solothurn. Zu Beginn des 5. Schuljahres wurde erstmals der Vollbestand von 266 Studenten, darunter 49 Diplomanden erreicht. Die erste Diplomfeier fand am 4. Dezember 1967 im Parktheater Grenchen statt.

Festakt in Grenchen

Hier werden sich morgen 240 Ehemalige und Gäste zu einem «Tag der Geselligkeit» treffen. Bereits heute findet in der Fachhochschule in Windisch – hier erfolgt heute die Ingenieurausbildung der Nordwestschweiz schwergewichtig – ein «Tag der Technik» abgehalten mit Vorträgen und Kolloquien zu technischen Themen. Unter anderem wird Walter Steinmann, Chef des Bundesamtes für Energie, einen Vortrag halten.

«Wir feiern eigentlich etwas, was heute so nicht mehr existiert», erklärt Glarner. Denn das Abendtechnikum Grenchen Solothurn, ab 1976 HTL, wurde 1994 in die Ingenieurschule des Kantons Solothurn in Oensingen integriert. Diese wurde 1998 Teil der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz und diese ging 2006 ganz in der Fachhochschule Nordwestschweiz auf.

Von der HTL zur Fachhochschule

Eine treibende Kraft der Gründung der Schweizer Fachhochschulen waren die Rektoren der Ingenieurschulen. Glarner, damals Präsident der Schweizer Abendtechnika, erinnert sich, wie die Ingenieurschulen 1986 an den Bundesrat gelangten und die Schaffung der Berufsmatura initiierten. «Uns ging es um strukturelle Verbesserungen und um eine Grundlage für eine Anerkennung des Schweizer Ingenieurstudiums im Ausland.» Dass dies wiederum im Inland eine turbulente (Standort-)Bereinigungsphase nach sich zog, davon kann nicht nur Glarner ein Lied singen. Ein kritischer Beitrag in der Festschrift trägt den Titel «Fusionen aus der Sicht eines Dozenten.»

Die erste Frau, Anita Jacober, erwarb übrigens 1979 das Diplom als Maschineningenieurin HTL. Ein Jahr später verzeichnete man den 500. Diplomanden am «Abendtech».

Wieder berufsbegleitend

Mit den Jubiläumstagen werden die Ehemaligen auch Teil der Technik-Alumni-Familie der Fachhochschule Nordwestschweiz mit einem grossen Netzwerk für Industrie und Wirtschaft. Dass die berufsbegleitende Ausbildung noch immer gefragt ist, zeigt auch die höhere Fachschule für Technik Grenchen/Biel, die letztes Jahr als fusionierte Schule neu startete.

Und auch die Fachhochschule Nordwestschweiz Technik entdeckt das berufsbegleitende Studium wieder. Den Bachelor of Science in verschiedenen Bereichen kann man jetzt in vier Jahren bei einem beruflichen Arbeitspensum von 50 bis 80 Prozent erwerben.

Weitere Informationen unter: www.verein2013.ch,
www.alumni-fhnw-technik.ch

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