Die stationäre Massnahme werde um ein Jahr verlängert, erklärt Daniel Kiefer, Referent des Obergerichts im Fall Karl*, der 1996 seinen Nachbarn erschossen hatte. Die Verlängerung wird rückwirkend angeordnet; die Jahresfrist läuft am 15. Dezember 2013 ab. Damit ist Karl, der sich ohnehin seit Mitte September in Freiheit befindet, faktisch entlassen.

Nachdem der ehemalige Kantischüler 1999 zu einer stationären therapeutischen Massnahme verurteilt, und diese Massnahme mehrfach verlängert worden war, hatte das Amtsgericht Olten-Gösgen vergangenes Jahr auf eine weitere Verlängerung der stationären Therapie verzichtet. Die Staatsanwaltschaft hielt den Entscheid für falsch, am Montag dieser Woche wurde der Fall vor dem Obergericht verhandelt (wir berichteten).

Entscheid richtig

Nun ist das Obergericht zwar nicht mit der Beweiswürdigung einverstanden, die das Amtsgericht vor über einem Jahr vorgenommen hatte - damals sei die Aktenlage unklar gewesen, erläutert Oberrichter Kiefer. Nachdem man aber in der Zwischenzeit ein neues Gutachten erstellt habe, habe sich der Entscheid, die Massnahme für Karl nicht zu verlängern, als richtig erwiesen.

Jenes Gutachten wurde an der Verhandlung am Montag von der Staatsanwaltschaft als mangelhaft kritisiert. Verteidigung und Vollzugsbehörde erachteten es hingegen als schlüssig. Auch das Obergericht hat das Gutachten jetzt «als beweiskräftig eingestuft», sagt Kiefer. Der Psychiater verneine darin eine schwere psychische Störung Karls und schätze die Rückfallgefahr für Gewaltdelikte als gering ein. Eine stationäre Massnahme wäre unverhältnismässig.

Die Verlängerung der Massnahme bis Mitte Dezember ist damit quasi eine formelle Richtigstellung des vorinstanzlichen Urteils. Wie genau sich Karls Leben in Freiheit gestalten wird, hängt nun von der Vollzugsbehörde ab, die wohl im Sinn einer bedingten Entlassung Karl begleiten und kontrollieren wird.

Karl hatte als 19-jähriger Oltner Kantischüler im März 1996 seinen ehemaligen Nachbarn mit einer Schrotflinte erschossen.