Jugendkriminalität
Von wegen verdorbene Jugend: Teenies im Kanton sind braver geworden

Die Jugendanwaltschaft hatte 2014 weniger Fälle zu behandeln und so mehr Zeit, um auf die Jugendlichen einzugehen. Als Grund für die sinkende Zahl der Fälle wird die wirksame Präventionsarbeit von Polizei und Schulen vermutet.

Lucien Fluri
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Gesunken sind im Kanton Solothurn 2014 die Zahlen in den Bereichen Gewalt und Pornographie (gestellte Szene).

Gesunken sind im Kanton Solothurn 2014 die Zahlen in den Bereichen Gewalt und Pornographie (gestellte Szene).

KEYSTONE

Weniger Körperverletzungen, weniger Sachbeschädigungen, weniger Handybilder mit pornographischem Inhalt: Auch 2014 zählte die Solothurner Jugendanwaltschaft weniger Fälle als in den Jahren zuvor. 936 Straffälle waren es genau.

«Das sind ungemein wenige Strafuntersuchungen», kommentiert die Leitende Jugendanwältin Barbara Altermatt die Zahl. Zum Vergleich: 2008 zählte sie noch 1733 Fälle. Den Grund dafür sieht Altermatt unter anderem in einer wirksamen Präventionsarbeit von Polizei und Schulen. «Ewig werden die Zahlen aber nicht sinken», warnte am Montag bei der Präsentation des Jahresberichtes. In anderen Kantonen steige die Zahl der Fälle wieder an.

Die Rückfallquote ist tief

Erfreulich für Altermatt: Gesunken sind im Kanton 2014 die Zahlen in den Bereichen Gewalt und Pornographie. «Die Zahlen sind auch von Zufällen abhängig», relativierte Altermatt allerdings. Ein grösserer Fall kann die ganze Statistik aufwühlen, da es in Solothurn absolut gesehen wenig Fälle gibt. Nicht zuletzt würden die Zahlen mit der Geburtenrate und insbesondere mit der Beschäftigungslage zusammenhängen: Finden weniger Jugendliche eine Lehrstelle, spürt dies auch die Jugendanwaltschaft.

18 Prozent der Jugendlichen waren zuvor schon einmal straffällig geworden. «Die Rückfallquote ist sehr tief», so Altermatt. «Für uns ist dies ein wichtiger Gradmesser, ob die Ressourcen gut eingesetzt werden.» Und aus der tiefen Rückfallquote folgertedie Leiterin der Jugendanwaltschaft: «Unsere Interventionen scheinen richtig zu sein.» Die eine Hälfte der Mitarbeitenden auf der Jugendanwaltschaft sind Anwälte, die andere Sozialarbeiter.

«Fördern und abholen» laute das Motto. Die sinkende Fallzahl habe es der Jugendanwaltschaft ermöglicht, gezielter auf die einzelnen «Kunden» einzugehen. «Das kann bis zu mehreren persönlichen Kontakten pro Woche reichen.» Ziel sei es, die Jugendlichen zur Mitarbeit zu aktivieren. «Kommen wir zu schnell mit zu harten Massnahmen, besteht die Gefahr, die Mitarbeit der Jugendlichen zu verlieren.»

Weniger stationäre Massnahmen

90 Prozent der Fälle erledigt die Jugendanwaltschaft innert dreier Monate. «Von Interesse sind aber oft die anderen zehn Prozent», so die Leitende Jugendanwältin. Dass fünf Prozent der Fälle länger als sechs Monate dauern, hängt laut Altermatt auch damit zusammen, dass die Jugendanwaltschaft in einigen Verfahren bewusst warte, bevor sie dieses zum Abschluss bringe. Zuerst will sie sehen, ob eine vorgesehene Massnahme wirkt.

3,7 Mio. Franken gab die Jugendanwaltschaft 2014 für stationäre Massnahmen aus. «Vor fünf Jahren waren es fünf Millionen». Rund 800 Franken koste der Tag in einem geschlossenen Massnahmenzentrum, so Altermatt. Plätze zu finden, sei nicht einfach. «Es gibt kein Überangebot.» Ziel sei es, Fälle - sofern möglich - ambulant zu lösen. «Für eine relativ kleine Gruppe jugendlicher Straftäter aber wird auch weiterhin ein stationärer Betreuungsrahmen notwendig sein.» 39 platzierte Jugendliche zähle die Jugendanwaltschaft 2014. Die Zahl neuer stationärer Unterbringungen nimmt ab.

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