Von Solothurn nach Pristina
«Dance for Hope»: Ein humanitäres Projekt der Solothurner Tanztage

Viele Kinder auf der Welt leben in prekären Zuständen. Mit dem Projekt «Dance for Hope» will der Solothurner Tanzlehrer Elvis Petrovic Hoffnung machen.

Andri Morrissey
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Elvis Petrovic, Präsident der Solothurner Tanztage organisiert jedes Jahr das humanitäre Tanzprojekt "Dance for Hope"

Elvis Petrovic, Präsident der Solothurner Tanztage organisiert jedes Jahr das humanitäre Tanzprojekt "Dance for Hope"

Tom Ulrich / Fotomtina / Solothurner Zeitung

Bilder von Kindern aus Drittweltländer sind selten etwas aufstellendes. Man wird an die eigenen Privilegien erinnert und daran, dass es vielen, vermehrt jungen Menschen auf der Welt, viel schlechter geht als es viele von uns es sich jemals vorstellen können. Die Bilder, die Elvis Petrovic aus dem Waisenhaus der Hilfsorganisation SOS Kinderdorf in Kosovo vorweist, zeigen ein ganz anderes Bild. Zu sehen sind Kinder, die Breakdance üben und Geschenke erhalten. Die ganze Aktion wurde von «Dance for Hope» organisiert und von Elvis Petrovic über die Bühne gebracht.

Elvis Petrovic, Tanzlehrer aus Solothurn, ist der Leiter dieser Gruppe. Er selber beschreibt «Dance for Hope» als ein «Nebenprojekt» der Solothurner Tanztage. Mit der Reise nach Pristina hat die Gruppe zum zweiten Mal einen Workshop in Osteuropa organisiert. Insgesamt ist es das dritte Mal, dass die Kunstschaffenden dieses Projekt durchführen.

Was ist «Dance for Hope»?

«Dance for Hope» ist ein Projekt der Solothurner Tanztage. Das siebenköpfige Team besteht aus professionellen Tänzerinnen und Tänzern, die seit 2019 jährlich Workshops mit Kindern aus prekären Verhältnissen durchführen. Das Team arbeitet jährlich mit einer anderen Stiftung, beispielsweise mit dem SOS Kinderdorf oder mit dem Hilfswerk Kenyan Children Help. Das Ziel ist es, den Hilfswerken Aufmerksamkeit zu schenken und die Kinder fürs Tanzen zu begeistern.

SOS Kinderdorf, die Stiftung die dieses Jahr von «Dance for Hope» unterstützt wird, ist eine weltweite Organisation, die sich für Waisenkinder einsetzt. Die Organisation prahlt auf ihrer Webseite mit über einer Million behüteten Kindern und Jugendlichen weltweit in 541 Kinderdörfern. Die Idee dieser Dörfer ist, wie SOS Kinderdorf weiter auf ihrer Webseite schreibt, dass jedes Kind mit Betreuung und «mit Geschwistern in einem eigenen Haus innerhalb der Gemeinschaft» aufwachsen kann.

Petrovic strahlt, wenn er von den Kindern in Pristina erzählt. Er gab dort Workshops in einer Tanzschule, sowie im Kinderdorf. Die Arbeit habe sich zwischen Tanzschule und Kinderdorf dahingehend unterschieden, dass bei der Tanzschule konkrete Trainingsziele vorhanden gewesen waren. Im Kinderdorf ging es aber in erster Linie um Spass.

«Im Kinderdorf ging es einfach darum, Spass zu haben. [...] Es war eine sehr durchmischte Gruppe. Die jüngsten, die mitgemacht haben waren etwa dreijährig und die ältesten etwa sechzehn.»

Jedoch besteht in der heutigen Zeit immer mehr Kritik gegenüber europäischen Hilfsorganisationen in Drittweltländern. Vorwürfe aus linken Ecken betonen die Privilegien, die überhaupt vorhanden sein müssen, um solche Reisen und Projekte durchzuführen.

Petrovic ist mit seinen Privilegien im reinen. Er hätte dies beim letztjährigen «Dance for Hope» in Kenia auch angesprochen, jedoch hätten ihre Gastgeber ihn darauf aufmerksam gemacht, dass die Aktionen massgebend seien, nicht die Geldbeträge, die seine Gruppe mitbringt.

Hilfsarbeit zu Zeiten der Coronapandemie

Die Reise hat das «Dance for Hope»-Team auch mit diversen Hindernissen konfrontiert. Neben den Kommunikationsproblemen, die von einem alten kosovarischen Freund von Petrovic gelöst wurden, spielte auch die anhaltende Coronaviruspandemie eine Rolle.

Gleichzeitig, erzählt Petrovic, sei Covid ein Ansporn gewesen, das Projekt voranzutreiben. «Wenn ich meinen Sohn anschaue sehe ich, was ihm möglich ist. Er kann fernsehen, in den Garten, ins Zimmer und wenn es [in Kosovo] einen Lockdown gibt, kann man nicht mehr raus.», sagt Petrovic. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass es jetzt umso wichtiger ist, aufgrund dieser Situation.» Deshalb ist Petrovic alleine nach Kosovo gereist, um das Infektionsrisiko einzudämmen.

Schliesslich zieht Petrovic eine positive Bilanz. Die Spenden im Form von Spielzeug, Büchern und Elektronik-Geräten oder auch Geldbeträgen für das Kinderdorf, seien innert Tagen von Schweizer Spendern zusammengekommen und die Reise verlief ohne Zwischenfall. Auch nächstes Jahr soll das Projekt stattfinden, jedoch ist noch nicht bekannt wo oder mit welcher Stiftung.

«Dance for Hope» wird eine Dokumentation über Petrovics Reise nach Kosovo veröffentlichen. Diese wollen die Organisatoren am 20. März ins Netz stellen.