Studie
Von Solothurn aus pendeln – oder ab nach Zürich? Ein Kostenvergleich

Per Auto oder lieber mit dem Zug zur Arbeit in der Limmatstadt? Ein Vergleich von Kosten und Zeit.

Lara Enggist
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Wenn schon pendeln, dann mit der Bahn, besagt die Studie.

Wenn schon pendeln, dann mit der Bahn, besagt die Studie.

Schweiz am Wochenende

In der Schweiz wird gependelt, dass sich die Gleise und Strassen biegen. 70 Prozent der Schweizer arbeiten laut dem Bundesamt für Statistik ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Nun hat die Online Sparplattform ‹CupoNation› am Beispiel der Pendlerstadt Zürich untersucht, ob sich das Pendeln aus den umliegenden Städten nach Zürich überhaupt lohnt. Sollte man als in Zürich arbeitender Solothurner besser gleich in die ‹teuerste Stadt der Schweiz› ziehen?

Laut der Studie kostet eine 3-Zimmerwohnung in der Stadt Zürich im Monat durchschnittlich 2 100 Franken – in Solothurn kostet eine vergleichbare Wohnung etwa 1'250 Franken. Der Fall scheint klar zu sein: Niemand gibt im Monat für die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz 850 Franken aus. Dies bedeutet, dass das Pendeln nach Zürich in jedem Fall günstiger ist, als dort zu wohnen. Stimmt das wirklich?

Die Studie zeigt, dass sich die Pendlerkosten per Bahn für Solothurner, die in Zürich arbeiten, auf durchschnittlich 300 Franken belaufen. Solothurner, welche mit dem Auto unterwegs sind, müssen laut der Studie mit durchschnittlich 1'400 Franken Ausgaben pro Monat rechnen. Bei dieser Rechnung wurden Betriebskosten wie Abschreibungen, Steuern, Versicherungen, Treibstoff und Reparaturen miteinbezogen. Wer also in Zürich wohnt und mit dem Velo zur Arbeit fährt, kommt günstiger weg, als ein mit dem Auto nach Zürich pendelnder Solothurner.

Schneller mit dem Auto?

Laut Melanie Schulz vom schweizerischen Forschungsteam der ‹CupoNation› stehe die Studie vor allem bei Autofahrern in der Kritik. Diese behaupten, dass man mit dem Zug für diese Strecke deutlich länger brauche, als mit dem Auto. «Viele können sich nicht vorstellen, dass man mit der Bahn kaum länger unterwegs ist als mit dem Auto», erklärt Melanie Schulz.

Doch genau dies besagt die Studie. Ab einer Distanz von 85 km könne man mit der Reise per Bahn sogar Zeit sparen. Wer mit dem Zug von Solothurn nach Zürich reist, benötigt dafür von Bahnhof zu Bahnhof 53 Minuten. Mit dem Auto brauche man von Stadtzentrum zu Stadtzentrum eine Stunde und acht Minuten. Und da ist die Zeit, welche man fürs Parkplatzsuchen benötigt, noch nicht dabei.

Wer in Zürich wohnt und arbeitet und trotzdem mit dem Auto zur Arbeit fährt, muss laut der Studie pro Monat mit rund 2'700 Franken Kosten für die Wohnung und die Fahrt zum Arbeitsplatz rechnen. In diesem Fall schneidet man als Pendler besser ab – ob mit Auto oder Zug. Wer hingegen in Zürich wohnt und mit öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit pendelt, kommt günstiger weg, als jemand, der in Solothurn wohnt und mit dem Auto nach Zürich reist.

Wichtige Aspekte fehlen

Als Kritikpunkt an der Studie könnte das fehlende Miteinbeziehen der kantonalen Steuersätze genannt werden. «Die Studie wäre unserer Meinung nach zu komplex geworden und die Kernaussage verschleiert worden», begründet Schulz die fehlenden Angaben. Eine vergleichbare Studie, bei welcher die Steuersätze berücksichtigt werden, sei aber in Planung.

Wer in Zürich arbeitet und wirklich wissen will, welcher Wohnort am günstigsten ausfällt, müsste wohl auch übrige Lebenshaltungskosten oder Kosten für Freizeitbeschäftigungen miteinbeziehen. Die Studie sei laut Schulz übrigens von ‹CupoNation› selbst in die Wege geleitet worden.

«Sie wurde weder durch die SBB noch durch anderen Organisationen in Auftrag gegeben», stellt Melanie Schulz klar. Olten und Grenchen wurden in der Studie nicht berücksichtigt, die zwei nächsten Ortschaften sind Oftringen und Biel.