Nord-Süd-Verbindung
Von Oberdorf nach Subingen: Gibt es eine neue S-Bahn in der Region Solothurn?

Mit der Reaktivierung der Buchsibahn haperte es bisher, die Moutierbahn war ihrem Ende sehr nahe. Doch nun herrscht Aufbruchstimmung: Der Kanton will eine S-Bahn-Linie von Oberdorf nach Subingen.

Sven Altermatt
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Die neue S-Bahn-Linie würde vom Südportal des Weissensteintunnels beim Bahnhof Oberdorf via Solothurn im 30-Minuten-Takt bis nach Subingen verkehren.

Die neue S-Bahn-Linie würde vom Südportal des Weissensteintunnels beim Bahnhof Oberdorf via Solothurn im 30-Minuten-Takt bis nach Subingen verkehren.

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Stolz waren die Wasserämter auf ihre Buchsibahn, sehr stolz sogar. Kein Wunder, regte sich Widerstand, als die Bahnlinie zwischen Solothurn und Herzogenbuchsee im Frühling 1992 stillgelegt und durch einen Busbetrieb ersetzt wurde.

14 Jahre später kamen zwar wieder Züge ins äussere Wasseramt. Mit 140 Stundenkilometern verkehren sie seitdem auf dem Abschnitt zwischen Derendingen und Subingen. Doch ein Halt ist nicht vorgesehen. Denn die «Bahn 2000» nutzt bloss einen Teil des Trassees der früheren Buchsibahn auf ihrem Weg durch das Mittelland.

Bald jedoch soll die Strecke auch im Regionalverkehr wieder von Bedeutung sein. Zumindest, wenn es nach den Planspielen des Kantons Solothurn geht. Und diese gehen offenbar deutlich weiter als bisher angenommen: Die Region Solothurn könnte eine neue Nord-Süd-Verbindung zwischen Subingen und Oberdorf erhalten. Eine Achse Leberberg–Wasseramt, wenn man so will. Von einer «zweiten Durchmesserlinie» spricht Ludwig Dünbier, Abteilungsleiter öffentlicher Verkehr beim Kanton. Er bestätigt entsprechende Überlegungen.

Die Buchsibahn spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Moutierbahn. Zur Erinnerung: Im Februar dieses Jahres entschied das Bundesamt für Verkehr, dass der Weissensteintunnel für 85 Millionen Franken saniert wird. Die von der Stilllegung bedrohte Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier ist dank des Entscheids gerettet. Mit der Sanierung des Tunnels soll im Juni 2020 begonnen werden. Im Dezember 2021 werden die Züge gemäss offiziellen Zeitplan wieder durch den Tunnel rollen.

Eine zweite Durchmesserlinie

Man verschmelze eine tote mit einer todgeweihten Linie? Zumindest die Reaktivierung des Abschnitts zwischen Solothurn und Subingen ist bereits im jüngsten Agglomerationsprogramm des Kantons aufgeführt. Darin erläutern die Behörden, wo die Infrastruktur verbessert werden soll. Was nicht mittelfristig realisiert werden kann, wird als sogenannte «C-Massnahme» bezeichnet. Dazu zählt ein S-Bahn-Ast Solothurn–Subingen.

In dieser abgespeckten Form schlummert die Idee also schon länger vor sich hin. Dass nun eine erweiterte Nord-Süd-Verbindung im Fokus steht, hat sich während der Abklärungen zur Zukunft der Moutierbahn abgezeichnet. Das Beratungsbüro Infras skizzierte die Variante in einer Studie im Auftrag des Kantons. Mit einer «Durchbindung im Knoten Solothurn» könnte das Strassennetz in der Agglomeration entlastet werden.

Eine entsprechende S-Bahn-Linie südlich der ersten Jurakette hätte selbst nach der Schliessung des Weissensteintunnels in Angriff genommen werden können, betonen die Studienautoren. «Allerdings würde das Potenzial in diesem Fall geschmälert.» Denn auch Reisende von der Nordseite des Tunnels, namentlich aus dem Thal, profitierten von der schlanken Verbindung ins Wasseramt. Nach dem Ja zur Tunnelsanierung wolle man grundsätzliche Überlegungen anstellen, heisst es seitens des Kantons. Abteilungsleiter Dünbier: «Die Idee einer neuen S-Bahn-Linie geniesst bei uns einen hohen Stellenwert.»

Anfang Oktober hat der Bundesrat die Vernehmlassung zum nächsten Ausbau des Schienennetzes eröffnet. Bis ins Jahr 2035 sind Investitionen in der Höhe von insgesamt 11,5 Milliarden Franken vorgesehen. Welche Projekte definitiv unterstützt werden, entscheidet die Landesregierung im Verlaufe des Jahres 2018. Ob die Region Solothurn eine neue S-Bahn-Linie bekommt, soll laut derzeitigen Plänen erst in einem der nächsten Ausbauschritte festgelegt werden. Die «Angebotserweiterung» befinde sich noch in der Prüfung, hält der Bundesrat in seiner Botschaft fest. In einer ersten groben Schätzung werden die Kosten auf 87 Millionen Franken beziffert.

Grosser Vorteil für Grossgemeinde

Die Rede ist von einem möglichen Halbstundentakt, von einer Doppelspur bis Derendingen und einem Wendegleis in Subingen. Zudem müssten neue Haltestellen gebaut werden. Davon würde besonders Zuchwil profitieren. Obwohl von drei Bahnlinien durchzogen, besitzt die viertgrösste Gemeinde des Kantons bisher keine eigene Station. Mit der Reaktivierung des Regionalverkehrs auf dem Trassee der Buchsibahn könnten die Haltestellen Zuchwil, Derendingen Dorf, Derendingen Ost, Subingen Wissensteinfeld und Subingen Dorf bedient werden. Die Linie von Oberdorf nach Subingen hätte eine Streckenlänge von insgesamt 16 Kilometern.

Die Verkehrsplaner des Kantons arbeiten derzeit an einer Stellungnahme zu der Botschaft des Bundesrats. Anschliessend muss die Vernehmlassungsantwort noch vom Regierungsrat verabschiedet werden. Ludwig Dünbier erklärt, darin wolle man abermals deutlich machen, welche Chancen eine neue S-Bahn-Linie eröffnen würden. Noch trägt sie den Status einer planerischen Vision.

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