Ursprünglich ist Amy Manning aus den USA, von North Carolina. Heute lebt sie im Kanton Solothurn, Luterbach und arbeitet für den Konzern Biogen, der hier einen Produktionsstandort aufbaut. Die 38-jährige Manning ist eine von bisher rund 200 Angestellten. Der Weg zu ihrem Arbeitsplatz führt durch eine Sicherheitskontrolle, vorbei an Bauarbeitenden in Leuchtwesten, über ein Gerüst in einen Container südlich des Attisholz-Areals. Manning arbeitet seit rund 9 Monaten hier. Seit fünfeinhalb Jahren ist sie für Biogen tätig. Sie spricht im Interview von «journey» – einer aufregenden Reise, die sie überhaupt in die Biotechnologie gebracht hat und schliesslich auch nach Luterbach.

Zu dieser Reise kam es auch, weil Amy Mannings Mann – der ebenfalls für Biogen arbeitet – eine Stelle als Expat in Luterbach angeboten wurde. «What about me?», fragte sich Manning; was sei jetzt mit ihr? Nach einer Anfrage beim Arbeitgeber erhielt sie ebenfalls eine Stelle. «Das ist eine einmalige Gelegenheit», erzählt sie. Sie habe immer davon geträumt, einmal im Ausland zu leben. Hier in Luterbach hat sich dieser Traum als Expat – eine ausländische Arbeitskraft, die bis zu drei Jahre lang bleiben kann – erfüllt.

Das Ehepaar hat einen kurzen Arbeitsweg. Und auch die zweisprachige Tagesschule «International School Solothurn», die die vierjährige Tochter und der zehnjährige Sohn der Mannings besuchen, ist nicht weit. Beide Ehepartner arbeiten 100 Prozent. Das sei manchmal «challenging» – eine Herausforderung. Auch, weil es in den Staaten etwa mehr Angebote zur Unterstützung für arbeitstätige Eltern gebe als in der Schweiz, so Manning.

Nächstes Projekt: Deutsch lernen

Ansonsten spricht die 38-Jährige aber nur von Vorteilen der Region: Der Markt in der Solothurner Altstadt – Vergleichbares in der USA gebe es nicht; die kurzen Distanzen, nach welchen man in andere Kulturen eintauchen könne – «we love Ticino», sagt die zweifache Mutter – und die Landschaft. Die Familie hat hier die Liebe zum Wandern entdeckt. Auf dem Weissenstein waren die Mannings schon mehrfach. «Awesome» – als unglaublich fasst Manning diese Freiheiten zusammen. Freiheit bedeutet für sie auch, dass sie ihren zehnjährigen Sohn alleine mit dem Fahrrad das Dorf entdecken lassen oder zum Brot kaufen ins Coop schicken könne. In North Carolina, so die 38-Jährige, sei das für ein Kind zu gefährlich.

Die Kinder der Mannings haben bereits Spielgspändli im Quartier und in der Klasse gefunden und lernen laut Manning erschreckend schnell Deutsch. Sie selbst habe sich zuerst mit der veränderten Kultur, dem Umzug und dem neuen Arbeitsplatz beschäftigt. Jetzt stehe noch Deutsch lernen an. Die Solothurner Zeitung versuche sie aber bereits heute zu lesen.

Vorheriger Job: Spanisch lehren

Dabei hätte sie vor einigen Jahren noch gar nicht gedacht, in einem anderen Land – geschweige denn in dieser Branche zu landen, erzählt sie. Sie unterrichtete neun Jahre lang Spanisch an einer High School, bevor sie sich für eine Assistenzstelle bei Biogen bewarb. «Ich hätte nie gedacht, dass ich den Job kriegen würde», sagt sie. Das hat sie dann aber und noch den Master in Business Administration gemacht. So arbeite sie immer noch gerne mit Menschen – «einfach mit Erwachsenen, nicht mehr mit Teenagern», und habe das Gefühl, etwas Gutes in der Gesellschaft zu bewirken.

Heute ist die Amerikanerin «Leader of Business Planning, Alignment and Integration for Global Manufacturing Operations». Manning schmunzelt, das sei etwas kompliziert zu erklären. Einfach gesagt ist sie aber in der Strategie der Produktion der Firma tätig – und arbeitet an weltweiten Projekten an den Standorten in Zug, Dänemark und Amerika. So ist Manning ab und zu auch auf Geschäftsreisen. Seit sie in Luterbach ist, musste sie geschäftlich sogar einmal nach North Carolina zurück und konnte dort die Familie besuchen.

Ansonsten helfe vor allem die Technologie dabei, die Distanz von über 7000 Kilometer Luftlinie zu überwinden. Also etwa Videochat-Unterhaltungen mit Bruder, Eltern und Schwiegereltern. Den Kontakt zu ihnen wolle sie auch wegen ihrer Kinder pflegen. Ebenso sei ihr aber wichtig, ihrem Sohn und ihrer Tochter die Chancen aufzuzeigen, die diese Welt zu bieten habe, erklärt Manning. «Wenn du dort leben – dort arbeiten willst – dann tu das.» «Boarders» – Grenzen, seien für Kinder ohnehin noch leichter zu überwinden. Das sehe sie, wenn die kleinen Mannings mit Gspändli zusammen sind – egal, ob diese deutsch oder englisch reden.