Jubiläum

Von importierten Fischeiern und Atomkraftwerken: Der Fischereiverband wird 100

Eine zweijährige Bachforelle. (Symbolbild)

Eine zweijährige Bachforelle. (Symbolbild)

Der kantonale Fischereiverband feiert dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der Verband machte in dieser Zeit die verschiedensten Phasen durch: Auf seinem Höhepunkt waren sämtliche Fischereivereine Mitglied bei ihm, zuletzt kriselte der Verband aber. Nun soll es aber wieder bergauf gehen.

Am 26. Juli 1919 gründeten die Fischereivereine Olten, Altreu und Solothurn den kantonalen Fischereiverband. Dieses Jahr feiert er sein 100-jähriges Bestehen. Der Verband machte in dieser Zeit so ziemlich jede Phase durch, die man sich vorstellen kann. Vom Dachverband sämtlicher Fischereivereine im Kanton mit Fangzahlen auf dem Höhepunkt bis hin zum Verband, der knapp an der Bedeutungslosigkeit vorbeischrammte.

1919: Gründung wegen Gesetzesänderungen

Gegründet wurde der Verband einst als Antwort auf kantonale Vorschriften, wie der heutige Präsident Christian Dietiker weiss. «Bis 1893 war die Fischerei in der Aare für jedermann frei. Doch der Kanton war auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, teilte den Fluss in Abschnitte ein und verpachtete diese.» Um die Interessen der Fischer gegenüber dem stärker auftretenden Kanton zu vertreten, wurde deshalb einige Jahre später der Verband gegründet.

Eine weitere Aufgabe des neu gegründeten Verbandes war damals schon die Unterstützung der Vereine. Der Fokus in den Anfangsjahren lag dabei auf den Fischbeständen. «Darin wurde viel Geld und Zeit investiert», sagt Dietiker. «Das ging so weit, dass wider besseres Wissen Fischeier der Marmorata-Forelle aus Südtirol importiert wurden, um das Blut der einheimischen Bachforellen aufzufrischen.» Und auch Fressfeinden wurde der Kampf angesagt: Fischotter, Graureiher, Stockente. Der Graureiher verschwand deswegen fast ganz aus der Schweiz, der Fischotter galt vorübergehend sogar als ausgestorben.

Die 60er und 70er: Zeit der Kraftwerke

Rund 50 Jahre nach der Gründung verschoben sich die Schwerpunkte des Verbands. Der Gewässerschutz und die Verbesserung der Fischgängigkeit bei Kraftwerken rückte in den Fokus. Es war die Zeit, in der zahlreiche Wasserkraft- und auch Atomkraftwerke gebaut wurden. Gleichzeitig häuften sich Industrieunfälle. «Als schlimmstes Ereignis gilt sicher der Chemieunfall der Siegfried AG Zofingen im Jahre 1964. Schadensbilanz: Zwei Tonnen tote Fische», weiss Dietiker. All diese neuen Herausforderungen beflügelten den Verband geradezu. In den 80er- und 90er-Jahren befand er sich auf seinem Zenit. Alle Fischereivereine des Kantons waren Mitglied, die Fangzahlen befanden sich auf Rekordhöhe.

Die Nullerjahre: Eine Krise zieht auf

Dann kam allmählich die Wende. Oder in den Worten von Dietiker: «Der industrielle Fortschritt begann sich zu rächen.» Eindolungen, Begradigungen von Bächen, Dünger, Pestizide. Gleichzeitig mit den Gewässern ging es auch mit dem Verband bergab. Zum grossen Knall kam es nach 2009. Wer bis dahin fischen wollte, musste Mitglied in mindestens einem Fischereiverein sein. Doch dann änderte sich die Gesetzeslage. Neu braucht es nur noch einen «Sachkundeausweis». Wer diesen hat, bekommt ein Patent, damit darf im ganzen Kanton gefischt werden. Auf einen Schlag verloren die Fischereivereine drei Viertel ihrer Mitglieder. Und der Verband an Bedeutung, denn mehrere Vereine gaben den Austritt.

Und heute?

Heute soll es mit dem Kantonalverband wieder bergauf gehen. Dieses Ziel hat Präsident Christian Dietiker. 2017 übernahm er das Amt. Und er hat einiges vor.

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