Denkmalpflege Solothurn
Von Geröll, Staub und dicker Patina befreit

Das Kantonsgebiet ist eine wahre Fundgrube für Archäologen sowie Restauratoren mehr oder weniger alter Gemäuer. Die ganze Vielfalt dieser Arbeiten dokumentiert das Amt für Denkmalpflege und Archäologie in seiner jüngsten Ausgabe.

Katharina Arni-Howald
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Denkmalpflege Kanton Solothurn Jahresbericht 2016
7 Bilder
Der Bally-Park in Schönenwerd
Der Fund: Weintrauben an einer Girlande: Detail römischer Wandmalereien.
Blick in die neu renovierte Jesuitenkirche
Einweihung Jesuitenkirche Solothurn
 Vor 1900 Jahren wohnten Römer an der Sälistrasse 138 in Olten.
Die Überreste der römischen Villa an der Sälistrasse in Olten Kantonsarchäologie Solothurn

Denkmalpflege Kanton Solothurn Jahresbericht 2016

Denkmalpflege Kanton Solothurn

Pünktlich zur Jahreswende hat das Kantonale Amt für Denkmalpflege und Archäologie seinen Jahresbericht herausgegeben. Unter dem Titel «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» wird über Auswertungen von Grabungen und abgeschlossenen Restaurierungen in verschiedenen Regionen des Kantons Zeugnis abgelegt. Die 158-seitige Publikation im A-4-Format überzeugt einmal mehr durch seine fundierten und verständlichen Hintergrundberichte und ist reich an schönem Bildmaterial, Plänen und Zeichnungen.

Von Bally-Park bis Loretomatte

In ihrem Vorwort blicken der kantonale Denkmalpfleger Stefan Blank und Kantonsarchäologe Pierre Harb auf eine schweizweit durchgeführte Kampagne zurück, die sich mit dem Erhalt und der Entwicklung von Freiräumen wie Gärten, Parks, Plätzen und Grünflächen auseinandersetzte.

Auch der Kanton Solothurn besitzt ein reiches und lebendiges Gartenerbe, betonen die beiden Autoren. Die Palette reiche von allgemein bekannten Gärten im Umfeld von Schlössern und ehemaligen Patriziersitzen bis hin zu urbanen Freiräumen wie öffentliche Parkanlagen und Friedhöfen.

Die Erforschung von historischen Gärten begann im Kanton früh und hatte zur Folge, dass Solothurn heute neben Basel, Bern und Zürich zu den bedeutendsten Gartenstädten der Schweiz gehört. Als hervorragende Beispiele werden der Bally-Park in Schönenwerd und die geschützte Loretomatte in Solothurn erwähnt. Letztere lässt – im Gegensatz zur gegenüberliegenden Sphinxmatte – keine Überbauung zu.

Römische Wandmalereien

Viel Platz nimmt im neusten Jahresbericht die römische Vergangenheit der Region ein. So beschäftigte sich die Kantonsarchäologie mit der Ausgrabung eines römischen Gutshofes an der Sälistrasse in Olten, der im Sommer 2013 freigelegt wurde.

Zum Vorschein kam unter anderem die repräsentative Eingangspforte der dazu gehörenden Villa, bestehend aus seitlichen Turmbauten und einem Laubengang. Dank der terrassenartigen Bauweise an einem Hang waren die Räume des Untergeschosses gut erhalten und die zu Tage beförderten Mauern – geschützt vom Erdreich – über einen Meter hoch. Auch wenn die Anlage mit ihrem 21,6 Meter breiten Herrschaftshaus zu den kleineren Anlagen am Jurasüdfuss zählt, zeugen die qualitativ wertvollen Wandmalereien mit Weintrauben und Tieren von einer gehobenen Innenausstattung.

Ebenfalls in Olten kamen im Vorfeld eines Bauprojektes im Stadtzentrum zwei Töpferöfen zum Vorschein. Die Funde liegen innerhalb des sogenannten Vicus der römischen Kleinstadt. Dank der Baubegleitung wurde es möglich, einen grösseren Einblick in die römische Topografie und Vergangenheit des Ortes zu gewinnen.

Mit den Römern in Berührung kam die Grabungsleitung auch in Grenchen, wo innerhalb einer Villa ein Sammelbecken für Nutzwasser zum Vorschein kam, das wohl zum Landwirtschaftsbetrieb gehörte.

Dank Mithilfe der Denkmalpflege kann in vier Kellern eines 1842 erbauten, biedermeierlichen Wohnhauses in Messen nun wieder Wein eingekellert werden. Mit der Reaktivierung des Weinbaus im südlichen Bucheggberg wird demnächst auch Wein aus heimischer Produktion dazu kommen.

Das einst als Wohnhaus mit Weinhandlung erbaute Gebäude mit einem gediegen ausgestatteten Wohnbereich findet somit nach langer Zeit wieder zu seiner ursprünglichen Nutzung zurück.

Jesuitenkirche: Ein Highlight

Ein Denkmalpflege-Highlight war die 2015 umfassend durchgeführte Innenrestaurierung der Solothurner Jesuitenkirche samt Auffrischung der monumentalen Hauptfassade. Die Kirche ist eines der herausragenden Barockbauwerke der Schweiz, das Architektur, Malerei und Skulptur zu einem Gesamtkunstwerk vereint.

Der Restaurierung gingen umfangreiche Untersuchungen voraus. Diese betrafen insbesondere den Hochaltar, sowie die kostbaren Stuckaturen und die Deckenmalereien, deren Begutachtung von einer Hebebühne aus stattfand. Im Bericht erfährt man viel über die Bau- und Restaurierungsgeschichte des Bauwerks.

Dieses war nach Wegzug der Jesuiten nicht mehr unterhalten worden und wurde 1922 wegen herunterfallenden Stuckteilen aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen. 2015 neu unter Schutz gestellt wurden die Weidscheune «Klein Geissberg» in Beinwil, die Reformierte Markuskirche in Bettlach und die Reformierte Zwinglikirche in Grenchen.

Die Publikation kann beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Werkhofstrasse 55, 4500 Solothurn, für 20 Franken bezogen werden. Tel. 032 627 25 77.

Fundamentreste belegen, wo einst das mittelalterliche Berntor stand

Seit im Frühjahr 2012 bei Leitungsarbeiten in der Solothurner Vorstadt unerwartet gut erhaltene Mauerreste des mittelalterlichen Berntors zum Vorschein gekommen sind, verstummen die Stimmen derjenigen nicht, die einen Wiederaufbau des mächtigen Tores im Süden der einstigen Vorstadtbefestigung als realistisch betrachten.

In ihrem Aufsatz über die Grabungsarbeiten geht Ylva Backman von der Kantonsarchäologie auf Erkenntnisse aus früheren und gegenwärtigen Untersuchungen sowie die archäologischen Überreste ein und gibt einen Überblick über die Funktion des mächtigen, aus Kalksteinquadern mit gewölbter Aussenseite errichteten Stadttors aus dem 13. Jahrhundert, das das Stadtbild der Vorstadt bis ins späte 19. Jahrhundert prägte und später dem zunehmenden Verkehr weichen musste. Lesenswert ist auch der Bericht über die Vorstadtbefestigung im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.

Die Ostmauer des mittelalterlichen Berntors wurde beim ersten Aushub in der Berntorstrasse entdeckt. Das Mauerwerk war auf gut 10 Meter Länge und einem Meter Höhe erkennbar. Ganz im Süden kam die Süd-Ost-Ecke des Torturmes zum Vorschein.

Die Süd-Mauer war bedauerlicherweise nicht mehr erhalten. Stattdessen traten Mauerreste der frühneuzeitlichen Grabenbrücke und Stützmauern des Vorstadtgrabens zutage. Erfreulicherweise liegen ein unsignierter Schnitt und ein Grundriss mit Grössenangaben des Turms vor. (ka)