Theater
Von Geld, Freundschaft und Träumen: Neues Stück in der KreuzKultur

Premiere von Andreas Schertenleibs neuem Stück «Kamikaze» in der KreuzKultur.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Diesen Schuh hat Bruno in Handarbeit hergestellt. Doch niemand kauft ihn. Fotos: Hanspeter Bärtschi
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Andreas erzählt in Kamikaze von seinem Freund Bruno.
Andreas erzählt, wie Bruno den Sirtaki tanzt.

Diesen Schuh hat Bruno in Handarbeit hergestellt. Doch niemand kauft ihn. Fotos: Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Andreas zieht sich seine Converse-Schuhe aus und schlüpft in moderne, lederne Halbschuhe. Danach nimmt er ein paar gut hundertjährige, handgemachte Lederschuhe, die auf einem Podest stehen, zur Hand und erzählt: «Die haben damals gut einen Monatslohn gekostet, oder gar noch mehr». So startet Andreas Schertenleib sein neuestes Stück «Kamikaze». Ein Erzähltheater auch mit vielen autobiografischen Zügen, wie Schertenleib als Andreas gleich zu Beginn verrät.

Er erzählt darin die Geschichte seines guten Freundes Bruno, der - Schuhmacher aus Leidenschaft - in seinem Leben immer seinen Träumen folgt, ohne Rücksicht. Eine Geschichte, die noch nicht zu Ende ist, und von der Andreas auch noch nicht weiss, ob es ein Happy-End gibt.

10'000 Franken sind ja nur ein Häppli

Zuerst will sich Bruno als Schuhdesigner weltweit etablieren. Er schenkt Andreas ein paar Schuhe, die «mindestens 30'000 Franken Wert sind». Doch dann erwirbt er lieber ein heruntergekommenes Haus an der französischen Atlantikküste. Leider hat er gerade kein Geld, dieses Haus zu finanzieren. Und die Banken? Naja, denen kann man ja sowieso nicht trauen. Wofür hat man also Freunde? Andreas rechtfertigt, wie er seinem Freund 10'000 Franken leiht. «Ich brauchte es ja nicht gerade und es war ja nur ein ‹Häppli›. Bruno sagt, Geld ist Energie, es muss fliessen. Also.» Bruno macht, wovon andere nur träumen. Auch Andreas. Und dafür bewundert er ihn, auch wenn er weiss: Mein Geld sehe ich wahrscheinlich nicht wieder. Doch Bruno geniesst mit dem Geld anderer sein Leben.

«Bruno ist ein Kamikaze», sagt Andreas über seinen Freund. Das Wort aus dem Japanischen das bedeutet: «jemand, der sehenden Auges ins Verderben rennt.» Bruno verhält sich genau so. In seinen Taten und auch mit seinen Freunden. Er riskiert, dass sie ihm den Rücken kehren, weil er seine Versprechen nicht einhält. Weil er immer wieder einen neuen Traum hat und diesen auch verwirklichen kann. So verkauft er das Haus in Frankreich - er will nicht bloss Gastgeber für seine Freunde sein - und wendet sich wieder seiner Berufung zu, Schuhdesigner und -fabrikant zu werden. Doch dafür braucht es jetzt einen Businessplan und Investitionen. Also leiht Andreas seinem Freund ein weiteres «Häppli». Auch wenn seine Frau kein Verständnis mehr dafür aufbringt, denn Bruno hat inzwischen 200000 Franken Schulden bei seinen Freunden...

Jeder kennt einen solchen «Bruno»

Man spürt, es ist eine Geschichte, die Andreas Schertenleib wirklich erfahren hat - so wie alle Schertenleib-Geschichten, oder wichtige Teile daraus aus seinem Leben stammen. Aber diese geht ihm besonders nahe und man verfolgt sie gebannt, denn selbst kennt auch so einen «Bruno», der ein Leben auf Kosten anderer führt, dem man aber nicht böse sein kann. Wie bei vielen seiner Stücke hat auch hier Ueli Blum als Regisseur und Dramaturg mitgewirkt. Schertenleib vermag mit seinem körperbetonten Spiel die Spannung über gut eineinhalb Stunden aufrecht zu erhalten. Mit seiner Mimik, der Sprache, mit reduziert eingesetzter Musik und nur wenigen Requisten lässt man sich auf die Geschichte des Kamikaze-Bruno ein und schafft es nicht, genau wie Andreas, über ihn den Stab zu brechen.

Nachgefragt bei Andreas Schertenleib: «Erfindergeist ist der Motor»

Andreas Schertenleib, beruht «Kamikaze» tatsächlich auf einer wirklichen Freundschaft?

Ja. Den Gedanken, diese Geschichte als Stück auf die Bühne zu bringen, trug ich schon länger mit mir herum. Als ich «Bruno» über mein Vorhaben informierte, war er sehr begeistert.

Sie sind seit einigen Jahren als Ein-Mann-Theater unterwegs. Wie schafft man das?

Als ausgebildeter Schauspieler und Theaterpädagoge hat mich das Stücke-Schreiben sehr interessiert. Dieser «Erfindergeist» ist wohl mein Motor für diese Arbeit.

Wie hat sich ihre Theaterarbeit mit der Zeit verändert?

Zwei wichtige Dinge: Heute muss ich viel mehr administrative Hintergrundarbeit erledigen als früher. Und früher wurde ich engagiert, weil ich mit einem bestimmten Stück, eine bestimmte Aussage machte. Heute bin ich eher ein Dienstleister.

Welches ist ihr erfolgreichstes Stück?

«Onkel Ernst» habe ich rund 100 mal gespielt, «Mein Cohen» 50 mal. Ich kann zum Glück auf ein treues Stammpublikum in der ganzen Schweiz zählen.

Und eine treue Bühnencrew.

Ja. Regisseur Ueli Blum ist entscheidend für meine Stücke und mit Ausstatterin Valérie Soland achten wir darauf, unserer künstlerischen Handschrift treu zu bleiben. (frb)

Weitere Aufführungen: 29.2., 1.3., 5.3., 6.3. KreuzKultur Solothurn; danach im Kunst- und Kulturhaus visavis Bern und im Theater Carré Noir Biel.