Kanton Solothurn

Von der Uni in den Wald: Ein Student wird Forstwart

Unterwegs mit Forstwart-Lernendem Manuel Schmid; ein studierter 30-Jähriger, der später vielleicht Ingenieur werden möchte.

Als Forstwart muss es dir egal sein, wenn du mal nass wirst.» Die Worte von Forstwart-Vorarbeiter Samuel Storchenegger passen zu diesem Tag im April. Es regnet beinahe pausenlos. Das kann die Arbeiter des Forstbetriebes Bucheggberg aber nicht von ihrer Arbeit abhalten. Bereits um sieben Uhr beginnen Storchenegger, Forstwart Lukas Ortner und der Lernende Manuel Schmid ihre Tour.

Die erste Station: ein Feld in Aetigkofen. Die orangefarbigen Regentenues der Arbeiter leuchten zwischen Matsch, Gras und Ästen, die auf dem Boden liegen. Die Arbeiter räumen das Feld und werfen die Holzreste in einen Anhänger. Dann setzen sie sich wieder in ihr Geschäftsauto und fahren in den Wald. Dort ist es an diesem Tag nicht weniger nass. Und auch nicht weniger anstrengend. Die Arbeiter kippen den Inhalt des Anhängers in den Wald. Auch das braucht ein Forstwart: viel Kraft. «Und Durchhaltevermögen», fügt Storchenegger an. «Am Anfang war der Job schon ziemlich anstrengend», berichtet Manuel Schmid. «Aber man gewöhnt sich dran.» Der 30-Jährige ist im dritten Lehrjahr. Im Sommer wird er seinen Abschluss zum Forstwart EFZ machen.

Wenn das Wetter eine Woche lang so schlecht sei, dann hänge das an, erklärt der Lehrling. In solchen Fällen würden die Arbeiter teilweise aber auf Arbeiten in der Werkstatt ausweichen. Dort werden die Maschinen gelagert und unterhalten. Die meiste Zeit arbeitet das Team aber draussen. Die nächste Aufgabe führt die Arbeiter an diesem Tag in einen Waldabschnitt in Küttigkofen. Forstwart-Vorarbeiter Storchenegger erklärt, was zu tun ist. «Es gibt hier rund acht bis zehn verschiedene Baumsorten», sagt er.

«Fünf davon wollen wir helfen.» Arten fördern können die Forstwarte, indem sie andere Bäume fällen, wodurch die erwünschten Sorten mehr Licht zum Wachsen erhalten. Der Wald ist erfüllt von Motorgeräuschen und knackenden Ästen. Dazwischen sind kurze Rufe der Arbeiter zu hören, bevor ein Baum umknickt.

Aus dem Blätterdach fallen Regentropfen hinunter, auf dem Waldboden hat sich das Wasser bereits zu grossen Pfützen gebildet. «Und da sagen die Leute, im Wald seien wir im Trockenen», scherzt Forstwart Ortner.

Unterwegs mit dem Forstbetrieb Bucheggberg

Unterwegs mit dem Forstbetrieb Bucheggberg

Nach dem Bachelor in die Lehre

Vor seiner Lehre schloss Manuel Schmid ein Bachelorstudium in Geschichte und Politikwissenschaften ab. Was lockte ihn von der Uni in den Wald? Der Stoff an der Uni sei ihm nicht «handfest» genug gewesen. «Deshalb war eine Lehre als Forstwart naheliegend», sagt Storchenegger und lacht. Die drei jungen Männer harmonieren gut zusammen, jeder trägt seinen Teil zu den Aufträgen bei. «Als Forstwart ist Teamfähigkeit sehr wichtig», sind sie sich einig. Was für Eigenschaften braucht ein guter Forstwart sonst noch? «Man muss einen gewissen Druck aushalten können», so Storchenegger. Ansprüche in der Branche seien auch während der Lehre sehr hoch. Die Kenntnisse, die ein Lernender haben muss, sind relativ tiefgründig», weiss der Forstwart-Vorarbeiter. Dieses Wissen stellt Manuel Schmid derzeit an seinen Lehrabschlussprüfungen unter Beweis.

Ein angehender Forstwart muss rund 60 verschiedene Baum- und Strauchsorten kennen. Zu wenig Lernende gibt es deswegen aber nicht. Das Problem heute liegt laut den Forstarbeitern darin, dass die Ausgelernten den Beruf wechseln. Nach der Grundausbildung zum Forstwart EFZ gibt es diverse Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise zum Förster. Dieser übernimmt zusätzlich leitende Funktionen wie die Betriebsführung. Wird Manuel Schmid einmal Förster? Wahrscheinlich nicht, meint er. Zumindest nicht im Anschluss. Er sei nicht so der «Chef-Typ». Der Branche wird er aber treu bleiben. Bis im Dezember wird er weiter im Forstbetrieb Bucheggberg arbeiten. Danach könne er sich vorstellen, Forstingenieur zu werden.

Mehr Arbeit für weniger Personal

«Das Forstwesen ist ein sinnvolles Metier», sagt Storchenegger. Wer auf Nachhaltigkeit achte, könne immer wieder aus dem Wald ernten. Und einseitig würde der Beruf bestimmt nie. So gehört auch die Bekämpfung von Neophyten, Arten, die nicht hierhergehören und die einheimischen Pflanzen verdrängen, zu den Aufgaben des Forstpersonals. Gleichzeitig sorgen sie für Artenvielfalt im Wald. «So stirbt nicht der ganze Wald ab, wenn eine Art krank wird», erklärt Ortner. Zu diesen praktischen Arbeiten kommen Dienstleistungen wie Wanderwege oder Umweltschutzprojekte. Solche Arbeiten gehören heute zum Beruf, im Gegensatz zu früher. Diese Mehrarbeit würde von Waldbesuchern als Selbstverständlichkeit angesehen, so die Arbeiter. Und doch steckt Arbeit dahinter. Und Geld, zum Beispiel für Sicherheitsvorkehrungen. Diese sind heute ein wichtiger Bestandteil im Beruf.

«Es ist eine kleine Branche ohne grosse Lobby», berichtet das Team. Hinzu kommt, dass der Holzpreis derzeit sehr tief liegt. Durch all die Arbeiten, die mit den Jahren zum Aufgabengebiet des Forstpersonals dazugekommen sind, haben die Forstwarte aber nicht weniger Aufwand. Das liegt auch daran, dass es früher mehr Forstbetriebe und mehr Personal gab. «Früher war für dieselbe Arbeit in einem Forstbetrieb noch doppelt so viel Personal angestellt, wie heute», erzählt Storchenegger. Maschinen gebe es dafür umso mehr. Dass diese Forstwarte künftig die Arbeit nehmen könnten, daran glaubt das Team nicht. «Es wird immer Förster geben. Es ist unmöglich, dass sie eines Tages komplett durch Maschinen ersetzt werden.»

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