Jahresbericht
Von der Steinzeit-Axt bis zum Pracht-Boulevard

Ob Mümliswiler Münzschatz oder der Marmor von St. Ursen: Die Palette, die im Jahresbericht der Denkmalpflege und der Archäologie präsentiert wird, ist breit.

Katharina Arni-Howald
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Beispiel für eine geglückte Restaurierung: Das erste Schulhaus in Wolfwil wurde 1828 gebaut, seit dem späten 19. Jahrhundert dient es als Wohnhaus.
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Jahresbericht Denkmalpflege und Archäologie
Im Gheid zwischen Wangen und Olten wurde diese Lochaxt aus der Jungsteinzeit gefunden.
Endlich ein handfester Hinweis auf den Künstler: Mit einer UV-Strahlen-Untersuchung wurde in der Oberdörfer Michaelskapelle die übermalte Signatur GS – wohl für den Maler Gregor Sickinger – gefunden.
Der 1987 in Mümliswil gefundene Münzschatz wird im Jahresbericht detailliert beschrieben.Bilder:

Beispiel für eine geglückte Restaurierung: Das erste Schulhaus in Wolfwil wurde 1828 gebaut, seit dem späten 19. Jahrhundert dient es als Wohnhaus.

Bruno Kissling

Fundiert und anschaulich orientiert das kürzlich publizierte 18. Heft der Reihe «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» darüber, was Denkmalpflege und Kantonsarchäologie im vergangenen Jahr ergraben, erforscht, betreut und ausgewertet haben. Die Beiträge sind wie immer mit zahlreichen Fotos, Plänen und Zeichnungen illustriert.

Sie belegen, dass die Archäologen und Denkmalpfleger in sämtlichen Bezirken des Kantons unterwegs waren und sich mit viel Engagement den Zeugen der Vergangenheit unter und über dem Boden widmeten. Neu unter Schutz gestellt wurden die Villa Schürch in Biberist, das Franziskushaus in Dulliken, das ehemalige Kinderheim in Mümliswil und das Haus Schänzlistrasse 2 in Solothurn.

«Bei der Archäologie ist vieles nicht planbar und von der Bautätigkeit im Kanton abhängig», schreibt Kantonsarchäologe Pierre Harb im Vorwort der Schrift. In sein Aufgabengebiet gehörte unter anderem die Grabung im Gheid zwischen Wangen und Olten.

Aarhof-Turmzimmer untersucht

Wie die Restauratorin Brigitta Berndt im Jahresbericht schildert, wurden schon früh anonyme Wandmalereien aus dem beginnenden 17. Jahrhundert mit dem Solothurner Maler und Kupferstecher Gregor Sickinger in Verbindung gebracht. Dazu gehören die Ausmalungen von Kapellen in Oberdorf, Solothurn und Balsthal.

Neue Erkenntnisse und technische Untersuchungen legen nun nahe, dass auch die 1995 im Turmzimmer des Sommerhauses Aarhof in Solothurn entdeckten Malereien aus der Hand von Gregor Sickinger stammen. Dieser wurde in Solothurn geboren und schuf viele noch heute bekannte Werke, darunter zahlreiche Holzschnitte, Kupferstiche und Radierungen. Am bekanntesten sind seine Stadtansichten von Freiburg im Üechtland und Freiburg im Breisgau sowie Solothurn und Bern. (KA)

Dank einer Landumlegung wurden in dieser Gegend zahlreiche Befunde und Funde aus verschiedenen Epochen entdeckt. Darunter Feuerstellen und Gruben aus der Jungsteinzeit, der Bronze- und der Römerzeit. Ein absolutes Highlight war der Fund einer schnurkeramischen Lochaxt, die in die Zeit zwischen 2800 und 2500 v. Chr. zu datieren ist.

Balmfluh: Künstlich terrassiert

Interessantes berichtet die Kantonsarchäologie auch von der Balmfluh in Balm bei Günsberg. Bereits 1960 wurden dort Keramikscherben zu Tage befördert, die darauf hinwiesen, dass der markante Höhenzug in der Bronzezeit künstlich terrassiert wurde.

Anlässlich einer topografischen Neuaufnahme wurden hinter der Balmfluh nun weitere Siedlungsterrassen entdeckt. Obwohl diesmal nur wenige Funde zum Vorschein kamen, erhärtete sich die Annahme, dass auf den Terrassen Menschen wohnten.

Münzschatz umfassend untersucht

Ausgewertet ist inzwischen auch der Münzschatz von Mümliswil, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts vergraben wurde. Der Fund datiert ins Jahr 1987, als bei der Erschliessung eines neuen Wohngebietes Baumaschinen ein kleines Tongefäss mit Silbermünzen zum Vorschein brachten. Diese wurden in der Folge von den Bauarbeitern eingesammelt und in der Baubaracke aufbewahrt.

Dank Hinweisen eines Anwohners wurde der damalige Gemeindepräsident von Mümliswil auf die Münzen aufmerksam. Aber erst als der Bauleiter eingriff, händigten die Bauarbeiter die Münzen aus. Der Fund ist vor allem in seiner Gesamtheit ein wichtiges historisches Dokument, weil er einen Einblick in den Geldumlauf kurz nach der französischen Revolution vermittelt. Der Münzschatz ist heute als ständige Leihgabe der Kantonsarchäologie im Museum Schloss Waldegg ausgestellt.

Repräsentative Vorstadt-Häuser

Nebst ausführlichen Berichten über die Umgestaltung des einstigen St.-Ursen- und heutigen Kantonsratssaales und die Restaurierung des Rittersaals im Stadthaus von Roll in Solothurn befasst sich die Kantonale Denkmalpflege unter der Leitung von Stefan Blank mit der Innenrestaurierung des Franziskushauses in Dulliken und der Aussenrestaurierung des ersten Schulhauses von Wolfwil.

Besondere Beachtung findet auch die reiche Palette an farbigem Marmor, die die St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn einzigartig macht.

Bereits zur Bauzeit galten die polierten Steine an den Altären und der Kanzel als etwas Besonderes. Die Verwendung von Marmor als Verkleidungsmaterien von kirchlichen Einrichtungen war in der Eidgenossenschaft nördlich der Alpen zu jener Zeit eher die Ausnahme.

Dass nicht nur in der Altstadt, sondern auch südlich der Aare Stadtgeschichte geschrieben wurde, kann an den soeben restaurierten Eckhäusern Schänzlistrasse 2 und Hauptbahnhof-strasse 7 abgelesen werden. Während der Restauration wurde die ursprüngliche Fassadengestaltung aus dem frühen 20. Jahrhundert wieder hergestellt, lesen wir in einem spannenden Restaurierungsbericht.

Die beiden markanten Gebäude gehören zu den acht ungleich grossen Häusergevierten mit Hinterhof. Ausschlag zur grosszügigen Überbauung gab die Inbetriebnahme eines zweiten, grossen Bahnhofs im Jahre 1875. Die repräsentativen, an den baumbestandenen «Boulevard» von Neu-Solothurn grenzenden Wohn- und Geschäftsbauten sollten städtischen Charakter aufweisen und den Stadteingang für Bahnreisende attraktiv machen.

Die Publikation kann beim Amt für Archäologie und Denkmalpflege, Werkhofstrasse 55, Solothurn, bezogen werden.