Ein kleiner Vogel hat sich in einem Netz verfangen und kann sich nicht mehr selber befreien. Was herzzerreissend aussieht, ist nur halb so schlimm: Das kleine Tier wird in der Beringungsstation auf dem Subigerberg nahe Gänsbrunnen beringt und wieder freigelassen. Seit 50 Jahren finden auf dem Subigerberg im Herbst während vier Wochen Beringungen und Beobachtungen statt. Ab diesem Sonntag können Interessierte bis zum 19. Oktober die Station besichtigen und hautnah dabei sein. In einer Ausstellung erfahren die Besucher Spannendes über den Vogelzug. Zum 50-jährigen Bestehen lädt die Beringungsstation Subigerberg diesen Sonntagnachmittag zur Jubiläumsfeier ein.

«Mit unserer Arbeit leisten wir einen wichtigen Beitrag an die Zugvogelforschung», sagt Stationsleiter Patrick Frara aus Derendingen. Seit der ersten Beringung eines Stars 1968 seien bisher 70'000 Vögel von 93 verschiedenen Arten beringt worden. Das Ziel sei, möglichst viele Rückmeldungen zu erhalten; bis jetzt seien insgesamt 318 Rückmeldungen eingegangen. Anhand einer Nummer auf dem kleinen Aluring kann das Tier identifiziert werden. So sammelt die Station Daten über Zugwege, Rastplätze und Überwinterungsgebiete. «Leider fallen in Südfrankreich und Spanien sehr viele Vögel den Jägern zum Opfer», so Patrick Frara.

Sie fliegen nicht nur in den Süden

Dennoch gebe es immer wieder spannende Rückmeldungen, wie etwa 1970, als eine Rotdrossel zwei Monate nach der Beringung im Libanon gefunden wurde – sie hatte eine Distanz von 2800 Kilometern zurückgelegt. Oder das Rotkehlchen, welches innert dreier Tage ins 550 Kilometer entfernte Nakri in Tschechien geflogen sei. «Die meisten Vögel ziehen aber Richtung Südwesten bis nach Marokko.» Die Vogelart, welche am häufigsten beringt wird? Der Hausrotschwanz. Auf dem Subigerberg werde unter anderem erforscht, warum das Hausrotschwanz-Männchen in verschiedenen Federfarben auftritt. Die Forschungsergebnisse werden Frara zufolge direkt an die schweizerische Vogelwarte Sempach weitergeleitet. «Wird wie auf dem Subigerberg über viele Jahre immer mit der gleichen Methode beringt, kann man damit Veränderungen in der Vogelwelt sehr genau dokumentieren», ist er sich sicher.

Vogelwelt hat sich verändert

Einige Vogelarten haben Frara zufolge stark abgenommen, wie zum Beispiel die Feldlerche. Und einige sind häufiger geworden. «Die Lebensraumzerstörung ist der Hauptgrund, dass einige Arten selten geworden sind», so der Vogelkenner. Das Auftreten von neuen Arten lasse sich zu einem grossen Teil durch die Klimaerwärmung erklären. Es seien nämlich meist eher südliche Arten, die auf dem Subigerberg neu vorkommen. Bei den Arten, die im Mittelmeerraum überwintern, könne man gut feststellen, dass sie im Herbst durchschnittlich etwas später wegziehen als früher.

«Die Vögel müssen unbedingt besser geschützt werden – nicht nur die Zugvögel.» Wenn im Brutgebiet der Lebensraum durch den Menschen zerstört werde und auf dem Zug in den Süden ebenfalls hohe Verluste zu verzeichnen seien, würden viele Arten zwangsläufig immer seltener. Auf die Züge lauere Frara zufolge nebst den natürlichen Gefahren vor allem der Mensch. «Die Jagd, Vergiftungen und die Zerstörung der Rastgebiete – zum Beispiel die Entwässerung von Feuchtgebieten – setzen den Zugvögeln stark zu.»

Beringen geht auch in einem Zelt

Die Station war nicht immer so besucherfreundlich: Das jetzige Beringungsgebäude mit dem Ausstellungsraum existiert erst seit 2012. Die Helfer kommen in einem kleinen Holzchalet mit Platz für 10 Personen unter, das 1973 für den vierwöchigen Beringungsbetrieb erbaut wurde. «Im Jahr 1972 wurde sogar noch in einem Zelt beringt, welches in einer Scheune auf dem Subigerberg aufgestellt wurde», sagt Frara. Er selbst ist schon seit seiner Kindheit von der Vogelwelt fasziniert. «Als ich noch in die Schule ging, nahm uns der damalige Präsident des Natur- und Vogelschutzvereins Derendingen mit auf die Beringungsstation», erinnert er sich. Man entdeckte immer wieder Neues und wenn man am Morgen raus in die Natur gehe, wisse man nie, was einen erwartet.

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