Wie die Staatskanzlei in einer Medienmitteilung schreibt, thematisiert auch der jüngste Jahresbericht archäologische Grabungen und Auswertungen sowie Bauforschungen und Restaurierungen im gesamten Kantonsgebiet. Allgemeinverständlich geschrieben und grosszügig mit Fotos, Zeichnungen und Plänen gestaltet, richten sich die Beiträge an alle, die am solothurnischen Kulturerbe interessiert sind.

Kalkbrennöfen und gefälschte Münzen

Den Archäologie-Teil eröffnet ein grösserer Beitrag über zwei römische Kalkbrennöfen, die 2011 im Zentrum von Oensingen ausgegraben wurden. Besonders der eine, gut erhaltene Ofen gibt Einblicke in die Kalkbrennerei, die vor zweitausend Jahren mit den Römern in unser Gebiet gelangte. Dabei wurde in einem speziellen Ofen bei grosser Hitze Kalkstein zu Branntkalk umgewandelt. Aus diesem entstand in mehreren Arbeitsschritten Kalkmörtel. Dieser «antike Beton» war ein elementarer Baustoff in der römischen Architektur. Der Branntkalk aus den Oensinger Öfen dürfte in erster Linie für den Bau und Umbau der nahegelegenen römischen Villa verwendet worden sein, die über Mörtelgussböden, verputzte Wände und Gussmauerwerk verfügte.

Neue Erkenntnisse zum bislang wenig bekannten römischen Olten lieferte eine Ausgrabung im Jahre 2016 in der Oltner Innenstadt. Die Untersuchung an der Baslerstrasse 15 erbrachte einen Querschnitt durch den römischen Vicus, angefangen bei ersten Fachwerkhäusern des 1. Jahrhunderts bis zu massiven Steingebäuden des 2./3. Jahrhunderts. Die Archäologen trafen ausserdem auf Reste der römischen Hauptstrasse, die von Olten in Richtung Hauenstein führte. Die rund siebzig Fundmünzen werfen ein Licht auf den Geldumlauf im römischen Olten, wo in gewissen Zeiten auffällig viele Münz-Imitationen auftraten.

Im vierten Beitrag wird eine seltene Gewandspange aus dem Grab eines Kelten aus Recherswil vorgestellt. Der verschollen geglaubte Altfund aus den 1920er-Jahren fand dank intensiven Nachforschungen seinen Weg zurück in die Archäologische Sammlung des Kantons. Nach ihrer Wiederentdeckung konnte die Gewandspange nun erstmals genau untersucht werden. Sie ist jetzt im Museum Pächterhaus in Solothurn ausgestellt.

Drei neuzeitlichen Fundobjekten, dem Zapfhahn eines Giessfässchens und der Schraube eines Weinfasses aus Flumenthal sowie einer tönernen Spielfigur aus Olten, ist je ein kurzer Beitrag gewidmet. Kurzberichte zu Fundmeldungen und aktuellen Untersuchungen sowie der Tätigkeitsbericht runden den archäologischen Teil ab.

Fünffacher Blick auf die Denkmalpflege

Das Arbeitsfeld der Denkmalpflege wird gleich aus fünf Perspektiven beleuchtet: Zum Auftakt schildert eine Restauratorin aus Sicht der Eigentümerin, wie sie und ihr Mann den Bromegghof in Biberist, der vielen als Abbruchobjekt galt, erwarben und mit minimalsten Eingriffen vorbildlich restaurierten. Im zweiten Bericht stellt der ausführende Zimmermann nicht nur die Methoden vor, die er bei der Restaurierung des Speichers im Bally-Park in Schönenwerd anwandte, sondern auch die grundlegenden denkmalpflegerischen Leitsätze.

Zwei weitere Beiträge stammen aus der Feder des Bauforschers. Im ersten präzisiert er dank Bauuntersuchungen die Baugeschichte des Aarhofs in Solothurn. Mit den neuen Befunden lieferte er wichtige Hinweise für die Restaurierung und Umnutzung dieses ehemaligen Patrizierlandsitzes. Im zweiten Bericht gibt er einen Überblick über die Wandmalereifunde der letzten Jahre in der Stadt Solothurn. Er wirft damit auch einen Blick in die Entwicklungsgeschichte des Malergewerbes und der Wanddekoration im baufreudigen 17. Jahrhundert.

Im Weiteren berichtet der Denkmalpfleger über die Restaurierung der Solothurner Marienkirche, bei der es sich im Wesentlichen um eine behutsame Reinigung handelt. Schliesslich schildert ein Burgenspezialist die Unterhaltsarbeiten auf der Frohburg in Trimbach. Dank gezielten Reparaturen und kontinuierlicher Pflege erübrigt sich hier eine kostspielige Grosssanierung, die in einigen Jahren fällig gewesen wäre.

Das Heft schliesst mit den Kurzberichten und dem Tätigkeitsbericht der Denkmalpflege. (mgt)