Auf einen Kaffee mit...
Vom Restaurant in die Kirche: Teresa Ackermann ist seit 16 Jahren Sakristanin der Pfarrei St. Niklaus

Auf einen Kaffee mit ... Teresa Ackermann, Sakristanin in der Pfarreikirche St. Niklaus.

Alice Guldimann
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Mag es, wenn es blinkt und leuchtet: Sakristanin Teresa Ackermann.

Mag es, wenn es blinkt und leuchtet: Sakristanin Teresa Ackermann.

Hansjörg Sahli

Eine Woche vor Heiligabend. In der katholischen Pfarrkirche in St. Niklaus liegt ein Weihnachtsbaum bereit und wartet darauf, aufgestellt und geschmückt zu werden. Sakristanin Teresa Ackermann hat sich einen Nachmittag Zeit genommen, um ihn zu dekorieren und die Krippenszene aufzubauen. «Für manche Leute ist es vielleicht kitschig, wenn es Engelshaar im Baum hat und alles etwas glitzert», sagt Ackermann. Ihr gefällt es aber, wenn es blinkt und leuchtet, solange es zur Atmosphäre der Kirche passt.

In der Advents- und Weihnachtszeit gibt es rund um die Kirche immer viel zu tun. Zur Dekoration mit Krippe, Baum und Kerzen kommen Gottesdienste und andere Anlässe wie Konzerte. Es sei schon etwas anstrengender als sonst, sagt Ackermann, aber mit guter Planung sei das alles kein Problem.

Die weihnächtlich geschmückte Kirche hat für die Sakristanin einen ganz besonderen Zauber in sich. «Ich spüre, dass sich die Leute mehr bemühen, gesprächiger und offener sind», sagt sie. Für sie sei es besonders schön, wenn die Menschen in die Kirche kommen und Stress und Sorgen des Alltags für eine kurze Zeit vergessen können.

Vom Restaurant in die Sakristei

Es ist bereits das 16. Mal, dass Teresa Ackermann die St. Niklaus-Kirche für Weihnachten vorbereitet. Doch auch das ganze Jahr hindurch trifft man die Sakristanin fast jeden Tag einmal hier an. Jeden Morgen, zwischen sieben und acht Uhr, öffnet sie die Türen für die Gläubigen, zündet eine Kerze an und macht ihren ersten Kontrollrundgang. Als Ackermann vor 24 Jahren aus Polen in die Schweiz zog, wusste sie noch nicht, dass sie einmal für die Kirche arbeiten würde. «In Polen gab es damals noch keine Frauen als Sakristaninnen, daran hätte ich überhaupt nicht gedacht.» Nach acht Jahren in der Schweiz, in denen sie Deutsch gelernt und in einem Restaurant im Service gearbeitet hatte, stiess sie auf ein Inserat, in dem nach einer Sakristanin in St. Niklaus gesucht wurde.

Die Rituale und Gepflogenheiten der Kirche waren nichts Neues für Ackermann, die mit dem katholischen Glauben aufgewachsen und verbunden war. Lediglich das deutsche Vokabular musste sie neu lernen und liess es sich zuerst von ihrem Mann vorlesen, um sich die Betonungen richtig anzugewöhnen. Heute ist die Sprache für sie kein Problem mehr. Nur die Umlaute, mit denen habe sie auch nach 16 Jahren manchmal noch Mühe.

Kerzenvertreter und Glockenreparaturen

Ansonsten kennt Teresa Ackermann ihre Kirche in- und auswendig. Während die Pfarrer wechseln, ist sie immer da, zu allen Anlässen. «Ich kann mich diskret hinter den Kulissen bewegen und dem Pfarrer bringen, was er braucht.» Sie springt ein, wenn eine Lektorin oder ein Lektor ausfällt, oder hilft wenn nötig mit, die Kommunion zu verteilen.

Ihre Arbeit ist nur schwer planbar wegen kurzfristiger Termine oder Anlässe wie Beerdigungen. Ihr 45-Prozent-Pensum verteilt sich auf sechs Arbeitstage. «Wenn das Telefon klingelt und ein Kerzenvertreter kommt, eine Glockenreparatur oder eine Revision der Kirchturmuhr ansteht, dann muss ich da sein.»

Doch Ackermann gefällt ihre Arbeit. Ihr fällt gar nichts ein, was sie daran nicht mag. In der Struktur des kirchlichen Jahres mit Weihnachten, Ostern und Fronleichnam fühlt sie sich wohl. «Hier geht es nicht nur um Arbeit, Geld und schöne Autos und Kleider.» In der Kirche spüre sie etwas, das sie mit Worten nicht erklären oder festhalten kann.

Ackermann ist es wichtig, trotz der intensiven Zeit auch zu Hause Weihnachten zu feiern. Sie kauft ein und kocht am 24. Dezember ein reichhaltiges Weihnachtsmenu. Es müsse nicht das Grösste und Beste sein, wichtiger seien ihr die Gesellschaft und die Gespräche, ob sie zu zweit, zu sechst oder zu acht seien. Für spontane Gäste ist dabei stets ein Teller reserviert. «Wir haben immer noch einen Platz frei.»