Austausch
Vom Regenwald in den Schnee: Paraguayerin lebt für ein Jahr in Aeschi

Lourdes Soledad Jara Yega lebt als Austauschschülerin aus Paraguay ein Jahr im Kanton Solothurn, genauer gesagt in Aeschi. Raclette und Fondue zählt sie schon jetzt zu ihren Lieblingsgerichten.

Daniela Zimmermann
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Kommt aus Paraguay: Lourdes Soledad Jara Vega in Solothurn.

Kommt aus Paraguay: Lourdes Soledad Jara Vega in Solothurn.

Daniela Zimmermann

Es war bereits dunkel, als das Flugzeug an einem Abend im letzten August in Zürich landete. Mit an Bord war die 17-jährige Austauschschülerin Lourdes Soledad Jara Vega aus Paraguay. Am Flughafen wartete eine Solothurner Familie auf das neue Familienmitglied. Nach einem herzlichen Empfang fuhr man gemeinsam nach Aeschi. «Das Erste, was mir am nächsten Morgen auffiel, waren die vielen Hügel», erinnert sich Soledad, die sich im flachen Paraguay eine weite Sicht gewöhnt war. «Ich verstand kein Wort Deutsch, war aufgeregt und fragte mich, was ich bloss getan habe.»

Ein ganzes Jahr in der Schweiz hatte sie zu diesem Zeitpunkt vor sich, in dem sie in einer Familien leben und die 3. Klasse der Kantonsschule Solothurn besuchen würde. Organisiert wird der Austausch von der Organisation AFS. «Ich hatte überall schneebedeckte Berge erwartet», schmunzelt Soledad. Doch so anders war es nicht, nur die Sprache bereitete ihr in den ersten Wochen Kopfzerbrechen. «Ich hatte das Gefühl, es nie zu lernen», erzählt sie acht Monate später in überraschend akzentfreiem Deutsch. «Wenn ich nun mit meiner Familie skype, benutze ich immer wieder deutsche Wörter und sorge für Verwirrung», lacht sie.

Lieblingsgerichte: Fondue und Raclette

Zu erzählen gibt es viel: Seit sie hier ist, hat Soledad verschiedene Städte besucht, zum ersten Mal Schnee erlebt, ist Ski gefahren und zählt Fondue und Raclette zu ihren Lieblingsgerichten. «Mit AFS haben wir eine Schokoladenfabrik und das Bundeshaus besucht, das war super», schwärmt die aufgestellte 17-Jährige. Täglich fährt sie mit dem Bus von Aeschi nach Solothurn, um dort die Kantonsschule zu besuchen, einmal die Woche turnt sie in einem Verein. «Ich mag die öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz sehr, das gibt es in Paraguay nicht.»

Die Austauschschülerin kommt aus Ayolas, einer Stadt im Süden Paragugays, mit etwa gleich vielen Einwohnern wie Solothurn. Wie es dort ist? «Anders», lacht Lourdes. Es gebe keinen historischen Kern, und ausserhalb der Stadt gebe es keine Dörfer wie Aeschi, nur Regenwald. Es könne Stunden dauern, bis man auf ein Dorf trifft. In Ayolas befindet sich ein Staudamm zur Stromproduktion, bei dem auch Soledads Eltern arbeiten. Natürlich vermisse sie ihre Familie, doch momentan geniesse sie ihren Aufenthalt in vollen Zügen.

Doch wieso sollte es gerade die Schweiz sein? Auch Italien oder Deutschland wären infrage gekommen, sagt sie. «Aber die Schweiz schien mir klein, überschaubar und es ist ein Binnenstaat, wie Paraguay. Ausserdem wusste ich wenig darüber.» Ob sie zurück in Paraguay etwas vermissen wird? «Den langen und kalten Winter bestimmt nicht», lacht sie, «aber meine neue Familie und Freunde. Und die Schule, das Essen und die Selbstständigkeit.»

www.afs.ch/gastfamilie