Mit einer Alkoholvergiftung und 3.3 Promille im Blut wurde Laura F. von der Polizei ins Spital gebracht. Da hatte sie ihre Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Wasseramt schon in Brand gesetzt. Es entstand ein Sachschaden von 310'000 Franken. Vom Balkon aus konnte die damals 27-Jährige mithilfe einer Leiter von der Feuerwehr evakuiert werden, der Brand wurde rasch gelöscht. Sie behauptet, sich nicht daran erinnern zu können, den Brand gelegt zu haben. Dies geschah am frühen Abend des 21. Januar 2016. Später im selben Jahr, von Februar bis Mai, hatte sie sich in einer psychiatrischen Klinik aufgehalten und machte zudem einen Alkoholentzug.

«Ich trinke keinen Alkohol mehr», antwortet sie auf die Frage von Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker. Am Montag stand Laura F. vor Gericht. Hauptanklagepunkt ist die Brandstiftung. Seit dem Vorfall sind jedoch noch andere Vorhalte hinzugekommen. Zum einen soll sich Laura F. von der zweiten Vorladung des Betreibungsamtes gedrückt haben, zum anderen machte sie sich mehreren Verkehrsdelikten schuldig. So fuhr sie am 28. April 2018, ohne einen Führerausweis zu besitzen, mit dem Auto einer Verwandten, kollidierte unterwegs mit einem parkierten Fahrzeug und später mit einem Verkehrsschild. In beiden Fällen verständigte sie nicht die Polizei und entfernte sich von der Unfallstelle. Auf die Frage von Ueli Kölliker, wieso sie sich nicht gemeldet habe, antwortete sie: «Ich hatte Angst.»

Unklares Spurenbild

Verteidigt wurde Laura F. von Rechtsanwältin Eveline Roos. «Das Spurenbild ist meiner Meinung nach nicht eindeutig für die vorsätzliche Brandstiftung», sagt Roos. Ihr sei der mildere Tatbestand «Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst» anzulasten, da es keine Hinweise dafür gebe, dass Laura F. anderen Personen vorsätzlich Schaden zufügen wollte.

Zudem habe sie eine schwierige Kindheit gehabt, war zur Zeit der Brandstiftung von ihrem Freund verlassen worden. Ohne den zweiten Mietbeitrag ihres Freundes hätte sie die Miete nicht mehr zahlen können. In der Verzweiflung und dem Alkoholrausch habe Laura F. begonnen, Erinnerungsstücke anzuzünden. Postkarten, Kleidungsstücke, Dokumente. An drei verschiedenen Stellen in der Wohnung. «Aufgrund des hohen Alkoholpegels konnte Laura F. die nötige Sorgfalt nicht mehr gewährleisten, um den Brand zu verhindern», sagt Roos.

«Gewisse Gewaltbereitschaft

Das Urteil kam jedoch anders. Der Tatbestand Brandstiftung traf zu. «Das Spurenbild hat klar eine gewisse Gewaltbereitschaft von Laura F. aufgezeigt», sagte Ueli Kölliker bei der Urteilsverkündung. Vor der Brandlegung hatte sie einen Seifenspender durch die Fensterscheibe der Wohnung geworfen. Zudem habe sie später im Spital an ihren Infusionsschläuchen gerissen. Dieses Verhalten zeige sehr wohl eine vorsätzliche Tätigkeit.

Ebenso wurde sie in den Verkehrsdelikten schuldig gesprochen. Der Tatbestand «Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren» wurde jedoch fallen gelassen, da Laura F. die zweite Vorladung des Betreibungsamtes nicht erhalten konnte, da sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Klinik aufhielt. Die Strafe sieht 300 Tagessätze à 60 Franken vor, bedingt aufgeschoben auf drei Jahre, sowie eine Busse von 500 Franken.