Buch

Vom Fahrlehrer zum Romanschreiber: «Ich bin ein leidenschaftlicher Leser und Zuhörer»

Emil Allemann (80) aus Rüttenen freut sich über sein zweites Buch.

Emil Allemann (80) aus Rüttenen freut sich über sein zweites Buch.

Emil Allemann (80) aus Rüttenen legt sein zweites Buch vor.

Ganz stolz ist der pensionierte Fahrlehrer Emil Allemann auf sein zweites Buch. «Szallito – der Ausläufer» heisst es und ist ein knapp 400-seitiger Roman über einen jungen Ungarn, der 1956 als 17-Jähriger in die Schweiz flüchtete. «Natürlich hatte ich ein reales Vorbild für meine Hauptfigur», erzählt der 80-Jährige. Dies sei sein bester Freund aus Jugendtagen. Eben ein Ungar, der genau wie die Romanfigur nach dem Ungarn-Aufstand über Österreich in die Schweiz flüchtete und in Solothurn «landete».

Allemann berichtet, wie er seinen Freund in späteren Jahren, als dieser bereits nach Australien ausgewandert war, immer wieder nach seinen Erlebnissen auf der Flucht befragte. Und tatsächlich sind es genau diese Beschreibung der Flucht sowie die Vorgänge in Budapest, die das Buch zu Beginn sehr spannend machen und packen.

Emil Allemann freut sich, wenn er auf Interesse mit seinem Roman stösst. «Ich bin ein leidenschaftlicher Leser und Zuhörer.» Geschrieben habe er während seines Berufslebens aber nur wenig. Etwa kleine Erzählungen oder Gedichte, erzählt der ehemalige Wirte-Sohn. Im vor Jahren abgebrannten «Sternen» in Rüttenen ist er mit zwei Brüdern aufgewachsen, und schon immer haben ihn die Geschichten und Erzählungen, die er in der Wirtschaft hörte, begeistert.

So hat er im Jahr 2008 denn auch sein erstes Buch «Fallernleben» geschrieben. Geschichten und Erzählungen aus dem früheren Rüttener Dorfleben – wie er es selbst noch erlebte oder wie es ihm erzählt worden war. Mit diesem Buch hatte er einen beachtlichen Erfolg erzielt.

Wenn ihn die Muse küsst

«So wurde ich ermutigt, mein zweites Projekt, über das ich schon länger sinnierte, in Angriff zu nehmen.» Vor vier Jahren habe er mit der Niederschrift begonnen und immer dann geschrieben, wenn ihn «die Muse küsste». «Es gibt ja Schriftsteller, die nach einem exakten Stundenplan schreiben. Das funktioniert bei mir nicht», sagt Allemann und lacht. Schliesslich stand sein Roman über das Leben seiner Hauptperson in Solothurn. Nach seiner dramatischen Flucht wird der Ungar Uhrmacher, hat Erfolg bei den Frauen, arbeitet wie ein Besessener und hat darüber hinaus ein grosses Hobby: schnelle Autos.

Jugend in den Sechzigern

Das Buch ist auch ein Zeitdokument der Jugendkultur der Fünfziger- und Sechzigerjahre in unseren Breitengraden. Ein Zeugnis darüber, wie sich die junge Generation noch vor Beatles und den 68ern den strengen Regeln ihrer Eltern entgegenstellte.

Der junge Ungar war frei und er und seine Freunde genossen das Leben. Emil Allemann konnte sein Manuskript im Book-on-demand-Verlag Novum aus Österreich herausgeben. «Ich habe zwölf Verlage angeschrieben; vier wollten es drucken», berichtet er.

Eine gute Geschichte ist dem Amateur-Autor hier gelungen; leider manchmal mit etwas Längen. Hier wäre ein professionelles Lektorat hilfreich gewesen.

Meistgesehen

Artboard 1