Nachbarschaftshilfe
Vom Einkauf zu Dienstbotengängen: Corona-Virus löst Solidaritätswelle im ganzen Kanton Solothurn aus

Wer schaut auf die Kinder? Wer kann einkaufen gehen oder Medikamente holen? Die Aufforderung zu «Social Distancing» und die Schliessung der Schulen stellt viele Menschen vor Probleme. Auf Sozialen Netzwerken hat sich eine regelrechte Solidaritätswelle entwickelt.

Rebekka Balzarini
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Der Facebook-­Gruppe «Gärn gscheh – Solothurn hilft» waren bis gestern Mittag fast 300 Personen beigetreten. (Symbolbild)

Der Facebook-­Gruppe «Gärn gscheh – Solothurn hilft» waren bis gestern Mittag fast 300 Personen beigetreten. (Symbolbild)

KEYSTONE/AP/JENNY KANE

Nachbarschaftshilfe Keine Panik, aber solidarisches Miteinander: das forderte am letzten Freitag der Bundesrat. Durch Massnahmen wie «social distacing» – also Abstand halten – sollen Ansteckungen mit dem Corona-Virus verhindert werden. Von dieser geforderten Solidarität war am Sonntagnachmittag am Solothurner Aaremüürli nichts zu sehen. Die Menschen sassen dicht gedrängt in der Sonne, Umarmungen und Küsschen zur Begrüssung wurden rege verteilt.

Und doch gibt es sie, die Solidarität mit den Risikogruppen: Klar sichtbar wird sie im Internet, in den sozialen Medien. Auf Facebook haben sich Gruppen gebildet, in denen freiwillige Helferinnen und Helfer den Menschen ihre Hilfe anbieten, die zu einer Risikogruppe gehören und sich entsprechend den Empfehlungen des Bundesrates nicht mehr unter die Leute mischen wollen.

«Gärn gscheh – Solothurn hilft»

Auch im ganzen Kanton Solothurn gibt es Menschen, die ihre Hilfe anbieten. Zum Einkaufen etwa, aber auch als Fahrerinnen oder Fahrer oder für Dienstbotengänge. Der Facebook-­Gruppe «Gärn gscheh – Solothurn hilft» waren bis am Sonntag Mittag fast 300 Personen beigetreten. In der Gruppe bieten sie ihre Hilfe an und überlegen ­gemeinsam, wie man Betroffene am besten erreichen kann. Mittlerweile existiert auch eine gleichnamige Whats­app-Gruppe mit über 100 Mitgliedern und ein Google Spread Sheet, auf welchem sich freiwillige Helferinnen und Helfer eingetragen haben.

Gegründet hat die Facebook-Gruppe die Studentin Lena Lang. Dass gerade ältere Menschen häufig nicht auf Facebook sind, ist Lang bewusst, deshalb appelliert sie in der Gruppe auch dafür, die eigene Hilfe nicht nur digital anzubieten. In der Gruppe teilt sie deshalb auch einen Quartier-Brief – also ein Schreiben, das freiwillige Helferinnen und Helfer ausdrucken, ausfüllen, aufhängen oder in die umliegenden Briefkästen verteilen können.

Schreiben zur Solidarität fordert freiwillige Helfer sich zu melden

Neben den Usern auf Social Media machen sich auch die Gemeindekanzleien Gedanken darüber, wie Menschen, die einer der Risikogruppen angehören, möglichst gut unterstützt werden können. Die Gemeinde Subingen fordert die Bevölkerung im Dorf mit einem Schreiben zur Solidarität auf und bittet freiwillige Helferinnen und Helfer, sich auf der Gemeindekanzlei zu melden. Auch Betroffene können sich bei der Gemeindekanzlei melden, in Notfällen auch ausserhalb der Bürozeiten. Auch die Pfadi Phoenix Niederamt bietet ihre Hilfe an. In Niedergösgen und den umliegenden Gemeinden nimmt sie unter der Woche Bestellungen entgegen und bringt Esswaren und Haushaltsartikel am nächsten Samstagnachmittag vorbei.