Auch der jüngste Jahresbericht thematisiert archäologische Grabungen und Auswertungen sowie Bauforschungen und Restaurierungen im gesamten Kantonsgebiet. Allgemein verständlich geschrieben und grosszügig mit Fotos, Zeichnungen und Plänen gestaltet, richten sich die Beiträge an alle, die am solothurnischen Kulturerbe interessiert sind.

Von Kelten und Römern

Die ersten drei Beiträge der Archäologie widmen sich einem römischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude, das 2015 in Erschwil ausgegraben wurde. Mit dieser Entdeckung zeigte sich, dass die Besiedlung zur Zeit der Römer weiter in den Jura hineinreichte, als bisher angenommen. Das einfache Gehöft bestand aus einem zweigeschossigen Wohntrakt und einem Wirtschaftsteil, in dem sich unter anderem eine kleine Schmiedewerkstatt befand. Die Fundstücke geben Einblicke in den Haushalt einer römischen Villa auf dem Land: Neben Krügen und Bechern aus Ton gehörte etwa eine exquisite, aus Italien importierte Blechkanne zum Trinkgeschirr.

Gemäss den Tierknochen hielten die Bewohner vor allem Schafe und Ziegen, die sich für die Beweidung der steilen Hänge bestens eigneten. Wie eine Handspindel zeigt, verarbeiteten die Bewohnerinnen die Wolle vor Ort zu Garn.

Zu den bekanntesten Inschriftensteinen aus dem römischen Solothurn gehört ein Weihaltar für die Pferdegöttin Epona. So liefert die Inschrift aus dem Jahr 219 n. Chr. den ältesten datierten Nachweis des Ortnamens Salodurum, dem antiken Namen von Solothurn. Die im Artikel vorgestellte Neulesung sieht im Stifter des Weihaltars einen gewissen Marcus Aurelius Aprilius Restio, einem aus der Gegend von Mainz nach Solothurn abkommandierten Legionssoldaten.

Ein weiteres Thema sind die keltischen Fundmünzen aus dem Kanton Solothurn, angefangen bei den schon lange bekannten Goldmünzen aus Schönenwerd bis hin zu den jüngst in Deitingen gefundenen Silbermünzen.

Kurzberichte zu elf Fundstellen sowie der Tätigkeitsbericht des Jahres 2016 runden die Beiträge der Kantonsarchäologie ab.

Jedes Baudenkmal hat seine Geschichte

Die Berichte der Denkmalpflege beschränken sich nicht auf Restaurierungen, sondern geben auch einen Einblick in die Bau- und Eigentumsgeschichte der Häuser. Wie entscheidend diese für den Erhalt des Kulturgutes sein kann, zeigen zwei Beispiele von Bauten, die über lange Jahre in der Hand der jeweiligen Eigentümerfamilien verblieben und von ihnen sorgsam gepflegt wurden: Sowohl die ehemalige Arztvilla Baslerstrasse 5 in Balsthal als auch der Wohnstock in Balm bei Messen konnte nun behutsam restauriert werden. Wechselvoller hingegen ist die Geschichte der Pfarrkirche St. Martin in Laupersdorf. Der Sakralbau erhielt zunächst einen neuen Standort und danach mehrmals ein zeitgemässes Innenkleid. Bei der jüngsten Renovation musste der Innenputz neu erstellt werden. Dieser bringt nun die Wandbilder von 1953 wieder bestens zur Geltung.

Zwei Beiträge beleuchten nicht alltägliche Seiten denkmalpflegerischer Arbeit: In der geschützten Arbeitersiedlung Elsässli in Derendingen bereiten schadstoffbelastete Böden einiges Kopfzerbrechen. Das vorgestellte Gartenleitbild soll helfen, die notwendigen Sanierungen denkmalverträglich umzusetzen. Mit dem Beitrag zu den historischen Architekturplänen für das Krematorium in Solothurn kann die Denkmalpflege eine kleine Forschungsarbeit zu ihrem Archivbestand präsentieren. Breiten Raum nimmt sodann der detaillierte Bauforschungsbericht zum Gasthof Krone ein, dem Solothurner Traditionshaus, das als Hotel La Couronne im Frühjahr 2017 wiedereröffnet wurde.

Das Heft schliesst mit Kurzberichten der Denkmalpflege zu vierzehn Objekten – von der Kirchturmsanierung bis zum restaurierten Gartenzaun – und mit dem Tätigkeitbericht über das Jahr 2016.