Jungendpsychiatrie
Vom «Beobachtungshaus» zur Jugendstation

Noëlle Karpf
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Die Waisenhausstrasse in Solothurn: Hier befindet sich die heutige Kinder und Jugendpsychiatrie – inklusive Schule und Turnhalle.

Die Waisenhausstrasse in Solothurn: Hier befindet sich die heutige Kinder und Jugendpsychiatrie – inklusive Schule und Turnhalle.

hanspeter baertschi

Die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik (KJPK) an der Waisenhausstrasse in Solothurn gibt es seit 2004. Heute ist die Klinik der Solothurner Spitäler AG angehängt. Früher wurden Kinder und Jugendliche im Kanton noch auf einer sogenannten «Beobachtungsstation» im Gotthelf-Haus in Biberist stationär behandelt.

Dieses wurde 1937 vom Schweizer Psychiater Moritz Tramer – welcher auch Direktor der damaligen Heilanstalt «Rosegg» in Langendorf und des kantonalen Pflegeheims «Fridau» in Egerkingen war – eröffnet. Die dortigen Hauseltern waren für die psychisch erkrankten Bewohner zuständig – und zogen im Haus gleichzeitig den eigenen Nachwuchs gross.

 Das Gotthelfhaus in Biberist: Hier wurden psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche auf der «Beobachtungsstation» untergebracht.                

Das Gotthelfhaus in Biberist: Hier wurden psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche auf der «Beobachtungsstation» untergebracht.                

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Die Erziehungsberatungsstelle des Gotthelf-Hauses wurde in den 60er-Jahren zum Schulpsychologischen Dienst in Solothurn. 1983 begann das restliche Gotthelf-Haus aus finanziellen Problemen mit dem damaligen Psychiatrischen Dienst für Kinder und Jugendliche (PDKJ) zusammenzuarbeiten. Das Haus wurde so zu einer kinderpsychiatrischen Station mit einer internen Heimschule.

Seit 1996 gehören Kinder- und Erwachsenpsychiatrie im Kanton zur selben Dachorganisation. Vier Jahre später wurde ein Kredit für die Gesamtsanierung des ehemaligen Arbeitslehrerinnenseminars an der Waisenhausstrasse gesprochen – dem heutigen Standort der KJPK.

Kanton zahlt auch künftig für die Klinik-Schule

An der Solothurner Waisenhausstrasse gibt es in der Klinik für Kinder und Jugendliche auch einen Pavillon mit Schulzimmern und Turnhalle. Während ihrer Therapie sollen die Jugendlichen nämlich auch zur Schule gehen können. Bis 2008 übernahm die IV grösstenteils die Kosten für Schulplätze in der Klinik. Danach zahlten der Kanton und die Gemeinden. Die Einrichtung wurde 2010 vom Regierungsrat als Sonderschule anerkannt – damit diese Beiträge für «sonderpädagogisches Angebot» gesprochen werden konnten.
Dem setzte die Änderung des Solothurner Volksschulgesetzes ein Ende. Die Schule auf der KJPK gleiche mehr einer Privatschule als einer sonderpädagogischen Institution, befand der Regierungsrat. Der Sonderschulstatus wurde der KJPK aberkannt. Im letzten Jahr gab es noch eine Übergangslösung in Form einer Pauschale durch den Kanton. Und wer zahlt weiter für den Schulbetrieb in der Klinik? Das wollte SP-Kantonsrätin Franziska Roth nun vom Regierungsrat wissen. Man arbeite derzeit an einer gesetzlichen Grundlage, antwortete die Regierung. Das bestätigt Martin Hatzinger, Direktor der psychiatrischen Dienste im Kanton Solothurn.

Für den Klinikaufenthalt zahlt standardgemäss die Krankenkasse. Für die Schule weiterhin der Kanton. Derzeit läuft noch die Referendumsfrist für das vom Kantonsrat angenommene Volksschulgesetz. Nach der Frist gebe es eine neue Vereinbarung – man befinde sich derzeit noch in Gesprächen mit dem Kanton. «Die Verantwortlichen der soH und des Volksschulamtes arbeiten zurzeit gemeinsam an einer neuen Vereinbarung», so Hatzinger. (NKA)