Die gebürtige Emmentalerin, seit Jahren in vielen Projekten der Volksmusik beteiligt, zog 1992 in den Kanton Solothurn und ist in der Leitung der Tanzgruppe Buechibärg sowie als kantonale Volkstanzleiterin tätig.

Jutzi wuchs in einer volkstümlich geprägten Familie auf, wo zu Hause flott das Tanzbein geschwungen wurde. Schon als Kind tanzte sie leidenschaftlich gern – zu Volks- wie auch moderner Musik.

Sie habe auch immer gerne Trachten angezogen, erzählt die gelernte Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin. «Ich könnte mir ein Leben ohne die Volksmusik mit allem Drum und Dran nicht vorstellen», und sie lacht: «Wenn ich davon leben könnte, würde ich das sofort machen, keine Frage. Aber das ist eine Illusion in der Schweiz.»

Nebst dem Pensum als Schulleiterin in Riedholz engagiert sie sich liebend gern für Tanzchoreografien. Bei Aufträgen lerne sie zuerst das Stück auswendig. Dann entstünden jeweils Schritte im Kopf.

Mit ihrem Mann übt sie die Tänze ein, das Wohnzimmer dient als Tanzboden. Aus einigen der 30 Grundschritte und zusätzlichen Bewegungen erschafft sie ein neues Werk. «Ich versuche immer etwas einzubauen, das dem Tanz einen speziellen Charakter gibt.» Inspiriert werde die kreative 44-jährige Stadtsolothurnerin von Bestehendem, von Sammlungen alter Tänze, aber auch durch andere, gar internationale Musik.

Zu früheren Zeiten wurde im Alltag gesungen, zu Musik spontan und an Festen getanzt. Die Obrigkeit unterband jedoch oftmals das lustige Treiben. Da mit der Industrialisierung das Brauchtum weniger gepflegt wurde, drohte es vergessen zu gehen.

So gab es Bemühungen, es zu bewahren. Erst da, ab den 1920er Jahren, entstanden Choreografien in der Tanzmusik. Ursprünglich ist es Musik, die vom Volk selber (mit)gemacht wurde, nicht etwas, das man konsumierte.

«Heutzutage haben wir überall Musik, wenn wir einkaufen, beim Arzt im Wartezimmer.» Früher musste man sie selber machen, wenn man sie hören wollte. Jutzi meint: «Volkstanz sollte so einfach sein, dass jeder, der gehen, auch tanzen kann.»

Meist komme man jedoch bei den zweistündigen Trainings, die Jutzi wöchentlich leitet, schon etwas ins Schwitzen, lacht sie. Volkstänze konnten nicht ganz so einfach überliefert werden wie Lieder. Inzwischen gibt es jedoch eine Tanzschrift, eine Terminologie, um Tänze genau festzuhalten.

Jutzi setzt sich für den Erhalt des Brauchtums ein, aber ebenso für seine Erneuerung. «Das Brauchtum muss ja leben, also muss sich weiter entwickeln. Wenn man etwas einfrieren will, dann erstarrt es. Man muss das Feuer weitergeben, nicht die Asche.»

Auch früher hätten sich die Trachten verändert, sich der Mode angepasst. «Man kann nicht einfach sagen, das ist jetzt rein schweizerisch». Immer wurde durch andere Länder beeinflusst.

Es gebe sogar Melodien aus der englischen Volksmusik. «Das Gute und Interessante an der Volksmusik und am Volkstanz ist, dass es weltumspannend ist und eigentlich völkerverbindend sein könnte.» Gerade an internationalen Festivals hätte sie viele schöne Erlebnisse gehabt. Da müsse sie etwa kein Hebräisch können, um einen israelischen Volkstanz mitzumachen.

Das Verbindende am Volkstanz erlebt sie auch mit ihren eigenen drei Kindern. Sie musizieren gerne in der Familie mit. Nebst Gemeinschaftserlebnissen und Rhythmusgefühl gebe ihnen der Volkstanz aber noch etwas: «Sie lernen, richtig auf den Beinen zu stehen.» Verbundenheit erlebt Käthi Jutzi zudem, wenn sie Trachten ihrer verstorbenen Tante oder Grossmutter trägt oder ganz allgemein, wenn man als Gruppe auftritt.

Der Spagat zwischen Alt und Neu gelingt ihr gut. Gibt es aber eine Grenze, wo es zu viel Innovation wäre? «Diese Grenze setzt sich wohl jeder selber», antwortet sie nachdenklich.

Bei ihrer Tanzgruppe könne man sich jederzeit melden. Darüber hinaus gibt es alle 2 Jahre Einsteigerkurse, beispielsweise im kommenden September. Auch für die Kinder- und Jugendtanzgruppe ist Jutzi mitverantwortlich.

Die Arbeit mit Jungen freut sie ganz besonders. Diese müsse man dort abholen, wo sie sind und das Geforderte auch zeitgemäss rüberbringen. Dann fänden sie «es fägt», auch wenn es bei anderen Gleichaltrigen oft als uncool gilt.