Interview
«Sorgen macht die Belastung»: Der Präsident des Lehrerverbandes ordnet ein

Mathias Stricker ist Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Solothurn (LSO). Der Verband hat im vergangenen Jahr die eine Umfrage durchgeführt, um zu erfahren, wie es den Lehrpersonen im Kanton Solothurn geht. Im Interview ordnet er die Resultate ein und sagt, wo es noch Handlungsbedarf gibt.

Rebekka Balzarini
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Mathias Stricker ist Präsident des kantonalen Lehrerverbandes LSO.

Mathias Stricker ist Präsident des kantonalen Lehrerverbandes LSO.

Tom Ulrich

Was sagen die Ergebnisse der Umfrage über den Alltag an den Schulen im Kanton aus?

Mathias Stricker: Grundsätzlich üben die Lehrerinnen und Lehrer ihren Beruf gerne aus und sie empfinden ihre Arbeit als sinnvoll. Eine starke Volksschule ist wichtig. Gerade in der Pandemie haben wir gesehen, dass die Schule eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft spielt und wichtige Arbeit leistet. Dazu braucht es gut ausgebildetes und motiviertes Personal.

Was ist besonders erfreulich?

Im Vergleich zu der Umfrage, die wir im Jahr 2013 durchgeführt haben, hat sich das Verhältnis zwischen den Lehrpersonen und den Schulleitungen verbessert. Das finde ich wichtig. Natürlich gibt es nach wie vor Handlungsbedarf. Aber grundsätzlich ist die Beziehung zwischen den Schulleitungen und den Lehrpersonen positiver geworden, und das freut mich. Es ist wichtig, dass diese Beziehung funktioniert.

Was macht Sorgen?

Sorgen macht die Belastung, der die Lehrpersonen ausgesetzt sind. Vor allem Klassenlehrpersonen oder die Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sind davon betroffen. Die Belastung hat besonders für die Lehrpersonen in der Sek B zugenommen. Die Heterogenität der Klassen hat zugenommen, und es gibt vermehrt Schülerinnen und Schüler mit Erziehungsdefiziten oder Verhaltensauffälligkeiten. Gleichzeitig gibt es Eltern, die hohe Ansprüche an die Schule stellen. Ich mache mir Gedanken dazu, wie es mit dieser Belastung weitergeht.

Drei Prozent der befragten Lehrpersonen werden in der Auswertung dem Zufriedenheitstyp «Resignative Unzufriedenheit» zugeordnet. Was bedeutet das für die Schule?

Das macht Sorgen, weil das eine direkte Auswirkung auf die Bildung der Kinder hat. Wenn eine Lehrperson nicht mehr motiviert ist, dann ist die Betreuung der Schülerinnen und Schüler nicht mehr so, wie sie sein sollte. Darunter leidet auch die individuelle Förderung der Kinder, was zum Beispiel Auswirkungen auf die Lehrstellensuche und den Übergang ins Erwachsenenleben haben kann. Wir müssen aufpassen, dass die Lehrpersonen nicht ausbrennen.

Wo wird der LSO in Zukunft besonders aktiv sein, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern respektive zu erhalten?

In unser Geschäftsprogramm fliessen verschiedene Aspekte ein. Grundsätzlich muss die Attraktivität des Berufes weiter gesteigert werden, um genügend ausgebildetes Personal rekrutieren zu können. Unter anderem setzen wir uns für kleinere Klassen ein. In einer Klasse sollte es nicht mehr als 20 Schülerinnen und Schüler haben. Auch der Bereich der speziellen Förderung ist wichtig. Hier wird aktuell eine Evaluation durchgeführt, die ersten Resultate erwarten wir im Winter. Ich bin überzeugt, dass es bei der Speziellen Förderung weitere Optimierungen braucht. Ausserdem setzen wir uns für gute Anstellungsbedingungen im Kanton ein. Es ist wichtig, daran zu denken, dass wir in Konkurrenz mit anderen Kantonen stehen. Sparmassnahmen auf Kosten der Lehrpersonen müssen deshalb vermieden werden. Die Löhne sind bei uns gut, deshalb haben wir Zulauf aus anderen Kantonen. Wir wehren uns auch immer wieder gegen Angriffe auf den GAV: Dieser garantiert uns Stabilität.